sagen:huetchen
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| - | Hütchen. | ||
| - | Mündliche Erzählungen. | ||
| - | Der vielförmige Hintzelmann 39–50. | ||
| - | Erasm. Francisci höll. Proteus 792–798. | ||
| - | Prätor. Weltbeschr. I. 324. 325. | ||
| - | Joh. Weier de praestig. daemon. c. 22. deutsche Uebers. 64–66. | ||
| - | Happel relat. curios. 4. 246. | ||
| - | Stiftische Fehde, Leibnitz SS. RR. brunsvic. II. 791. III. 183. 258b. | ||
| - | Volks-Sagen. Eisenach. I. 127–170. IV. 209–237. | ||
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| - | An dem Hofe des Bischof Bernhard von Hildesheim hielt sich ein Geist auf, der sich vor jedermann in einem Bauernkleide unter dem Schein der Freundlichkeit und Frömmigkeit sehen ließ: auf dem Haupt trug er einen kleinen Filz-Hut, wovon man ihn den Namen Hütchen, auf Niedersächsisch Hödeken gegeben hatte. Er wollte die Leute gern überreden, daß es ihm viel mehr um ihren Vortheil, als ihren Schaden zu thun wäre, daher warnte er bald den einen vor Unglück, bald war er dem andern in einem Vorhaben behilflich. Es schien, als trüge er Lust und Freude an der Menschen Gemeinschaft, | ||
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| - | Zu dieser Zeit wohnte auf dem Schlosse Winzenburg ein Graf Namens Hermann, welcher das Amt als eine eigene Grafschaft besaß. Einer seiner Diener hatte eine schöne Frau, auf die er ein lüsternes Auge warf und die er mit seiner Leidenschaft verfolgte, aber [98] sie gab ihm wenig Gehör. Da sann er endlich auf schlechte Mittel und als ihr Mann einmal an einen weit entlegenen Ort verreist war, raubte er ihr mit Gewalt, was sie ihm freiwillig versagte. Sie mußte das Unrecht verschweigen, | ||
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| - | Graf Hermann von Winzenburg war der letzte seines Stammes und demnach mit seinem und der schwangern Gräfin Tod das Land ohne Herrn. Da trat Hütchen in selbiger Morgenstunde, | ||
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| - | Die mündliche Sage erzählt noch eine andere, wahrscheinlich frühere Geschichte. Ein Graf von Winzenburg hatte zwei Söhne, die in Unfrieden lebten; um einen Streit wegen der Erbschaft abzuwenden, war mit dem Bischof zu Hildesheim festgemacht, | ||
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| - | Hütchen erschien an dem Hofe des Bischof gar oft und hat ihn, ungefragt, vor mancherlei Gefahr gewarnt. Großen Herrn offenbarte es die Zukunft. Bisweilen zeigte es sich, wenn es sprach, bisweilen redete es unsichtbar. Es hatte den großen Hut aber immer so tief in den Kopf gedrückt, daß man niemals sein Gesicht sehen konnte. Die Wächter der Stadt hat es fleißig in Acht genommen, daß sie nicht schliefen, sondern hurtig wachen mußten. Niemand fügte es etwas Leid zu, es wäre denn am ersten beschimpft worden; wer seiner aber spottete, dem vergaß es solches nicht, sondern bewies ihm wiederum einen Schimpf. Gemeinlich ging es den Köchen und Köchinnen zur Hand, schwatzte auch vielmal mit ihnen in der Küche. Eine Mulde im Keller war seine Schlafstätte und es hatte ein Loch, wo es in die Erde gekrochen ist. Als man nun seiner gar gewohnt worden und sich niemand weiter vor ihm gefürchtet hat, begann ein Küchenjunge es zu spotten und höhnen, mit Lästerworten zu hudeln und so oft er nur vermogte, mit Dreck aus der Küche auf es loszuwerfen oder es mit Spül-Wasser zu begießen. Das verdroß Hütchen sehr, weshalb es den Küchenmeister bat, den Jungen abzustrafen, | ||
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| - | Sonst beging der Geist noch unterschiedliche, | ||
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| - | Zu einer Zeit befand sich zu Hildesheim ein Geistlicher, | ||
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| - | Einem armen Nagelschmiede zu Hildesheim ließ Hütchen ein Stück Eisen zurück, woraus goldene Nägel geschmiedet werden konnten und dessen Tochter eine Rolle Spitzen, von der man immer abmessen konnte, ohne daß sie sich verminderte. | ||
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| - | Autor: Brüder Grimm | ||
| - | Titel: Hütchen | ||
| - | aus: Deutsche Sagen, Band 1, S. 97–103 | ||
| - | Auflage: 1. Auflage | ||
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sagen/huetchen.1580245686.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
