sagen:hsw262
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| + | ====== Drei Räthsel ====== | ||
| + | Mündlich | ||
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| + | === I === | ||
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| + | Der türkische Kaiser hat einmal zum Kaiser Leopold geschickt und ihm sagen lassen, wenn derselbe ihm nicht drei Fragen lösen könne, dann falle er ihm mit all seinen Türken in das Land. Die Fragen waren aber, der Kaiser müsse sagen erstens, wo die Welt abginge, zweitens wie hoch es bis in den Himmel sei, drittens, was Gott eben denke? Als dem Kaiser diese Botschaft kam, ließ er den Kopf hängen, wie ein Schimmel vor der Schmiede. Er berief all seine Staatsräthe und Hofräthe und legte ihnen diese Fragen vor, aber die wußten nichts darauf zuantworten. | ||
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| + | Als die großen Herren mit ihren goldenen und silbernen Röcken sich nun anglotzten und nicht wußten, wo ein noch wo aus, da sprang der Hofnarr aus der Ecke hervor und sprach: "Herr Kaiser, gib mir deinen kaiserlichen Staat, dann will ich die Sache für dich ausmachen." | ||
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| + | Dem Kaiser Leopold wurde Anfangs über den Vorschlag nicht wohl zu Muth, doch gab er zuletzt nach, ließ dem Narren den kaiserlichen Mantel anlegen und die Krone aufsetzen, übergab ihm sein Zepter und so ritt der Narr nach Constantinopel. | ||
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| + | Als er dort auf den Schloßhof kam, lag der türkische Sultan gerade im Fenster und der rief, als der Narr heranritt: "Aha bist du der Leopold und willst meine drei Fragen beantworten?" | ||
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| + | "Nun, wo geht denn die Welt ab?" fragte der Sultan und der Narr erwiederte: "Da wo mein Pferd steht und nirgendwo anders." | ||
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| + | Der Sultan schüttelte den Kopf und fragte weiter: "Wie hoch ist es denn bis in den Himmel?" | ||
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| + | "Hm, hm," brummte der Sultan, "und was denkt denn eben der liebe Gott im Himmel?" | ||
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| + | "Das kann ich dir ganz genau sagen" entgegnete der Hofnarr; "der denkt, ich sei ein Narr und du seist auch einer" und damit wandte er sein Pferd um und ritt, was Zeug hielt, in das Schloß des Kaisers zurück. | ||
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| + | === II. === | ||
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| + | Ueber einem Klosterthor hatte man die Inschrift gemacht: Wir sind zwei Heller ärmer als der Kaiser und leben ohne Sorgen. | ||
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| + | Als der Kaiser eines Tags vorüberritt und dieß las, dachte er bei sich, "Wart ich will euch schon Sorgen machen," | ||
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| + | Als er das gesagt hatte, ritt er fort. Da stand nun der gute Prälat und wußte sich nicht zu rathen noch zu helfen. Er ging am Tag im Garten und in der Nacht auf seinem Zimmer umher, sann nach, daß ihm der Schweiß herablief, aber er fand die Antwort nicht. Als sein Schäfer das sah, fragte er besorgt, was dem Herrn Prälaten denn fehle? Der Prälat entdeckte ihm Alles und der Schäfer sprach: "Da weiß ich Rath, gebt mir nur eure Kleider und ich will dem Kaiser Rede stehn." | ||
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| + | "Wie tief ist denn das Meer, wo es am allertiefsten ist?" fragte der Kaiser. "Nur einen Steinwurf," | ||
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| + | "Wie viel Sterne stehen aber am Himmel?" | ||
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| + | "Jetzt sagt mir zum Schluß, wie weit Glück und Unglück von einander sind?" fragte der Kaiser und der Schäfer antwortete: "Eine Viertelstunde, | ||
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sagen/hsw262.1736266105.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
