sagen:hsw256
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| + | ====== Der Advokat und der Teufel ====== | ||
| + | In Darmstadt lebte einmal ein Advokat, das war ein rechter Leuteschinder, | ||
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| + | Der Böse lachte und sprach: »Aha, wir kennen uns, ich muss eine Seele da holen, die schon lange für mich reif ist und die die Leute oft zu mir wünschen.« | ||
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| + | Im Ried, dachte der Advokat und bekam neuen Mut. Da bin ich also nicht gemeint. Er unterhielt sich getrosten Herzens mit dem Teufel über seine Schelmereien und Plackereien, | ||
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| + | Als sie so ihres Weges dahingingen, | ||
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| + | Der Metzger war dessen müde und rief: »Der Teufel soll dich holen, wenn du nicht vorangehst! « | ||
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| + | Sogleich war der Advokat bei der Hand und sagte: »Da greif zu, das Vieh ist dein.« | ||
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| + | Aber da kam es heraus, dass der Advokat noch schlechter war, als selbst der Teufel, denn der Böse sagte: »Das ist nicht so schlimm gemeint, lass dem armen Mann seine Sau, er muss die ganze Woche davon leben.« | ||
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| + | Der Advokat lachte ihn darüber aus und meinte, der Teufel habe doch ein gar zu weiches Herz und fuhr dann fort, noch viel ärgere Schandtaten von sich zu erzählen. | ||
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| + | Als sie in den nächsten Ort kamen, hörten sie ein Kind weinen und die Mutter des Kindes schaute aus ihrem Fenster, ballte eine Faust und schrie: »Willst du dein Maul halten oder der Teufel soll dich holen!« | ||
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| + | Aber das Kind flennte fort. | ||
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| + | Da stieß der Advokat wiederum seinen Kameraden an und sprach: »Du, nimm’s doch, wenn du kein Esel bist, es gehört ja dein.« | ||
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| + | Aber der Teufel lachte, ging seines Weges weiter und sprach: »Du hättest es nicht stehen lassen, aber ich nehm’s nicht, denn es ist der Mutter einziges Kind und sie würde sich totgrämen, wollte ich zugreifen. Das war so schlimm nicht gemeint.« | ||
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| + | Jetzt lachte ihn der Advokat noch mehr aus und sprach: »Du bist mir ein schöner Teufel, wenn ich so dächte, dann wäre ich längst am Bettelstab.« | ||
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| + | So gingen sie weiter und der Schinder erzählte immer lustiger von seinen Taten, bis sie an den Ort kamen, wo er gerade einem armen Bauern das Bett unter dem Leib weg verkaufen wollte. Der Bauer stand mit seinen Nachbarn zusammen auf der Gasse vor dem Hause. Als er den Advokaten sah, fielen er und sein Weib demselben zu Füßen und sie baten ihn unter Tränen, sie doch nicht ganz unglücklich zu machen. | ||
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| + | Aber der Advokat lachte und sprach zum Teufel: »Jetzt sollst du einmal sehen, wie ich das mache.« Er gab dem Bauern einen Fußtritt und sagte: »Fort ihr Kanaillen, alles wird verkauft.« | ||
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| + | Da erhob sich der Mann in hellem Zorn und schrie: »O, du Henkersknecht, | ||
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| + | Da lachte der Teufel laut und sprach: »Siehst du, Kamerad, das ist von Herzen so gemeint.« Er erfasste den Advokaten und riss ihn durch die Luft mit sich fort. Man hat nie wieder eine Spur von ihm gesehen. Die Darmstädter Advokaten haben sich alle mögliche Mühe gegeben, diese Geschichte zu vertuschen und geheim zu halten, es hat jedoch nichts geholfen. | ||
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sagen/hsw256.1736266155.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
