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sagen:hsw013

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-====== Die Zauberpfeife ======+====== Der Goldstein bei Rimbach ======
  
-In der Gegend von Lorschda wo jetzt der Seehof steht, lag vor Zeiten ein großer SeeDie rings gelegenen Dörfer traf einst eine arge Plageein Emsenregender so dicht wardass die Felder von Ameisen wimmelten und in wenigen Tagen kein grünes Hälmchen mehr zu sehen war. Die Bewohner wandten sich in ihrer Not an den Bischof von Wormsdass er durch seinen Segen und sein Gebet die Plage abwende. Der Bischof hieß sie in Prozession die Felder durchwandeln und Gott um Abwendung der Plage flehen. Dies geschah.+Im Walde bei Rimbach an der Fulda nach Wegfurt zu liegt ein Stein, der heißt der GoldsteinAls die Jungfrau Maria mit dem Kindlein Jesu einst in die Gegend kamruhte sie hier aus und wusch das Kindlein. Der Stein hat noch die Gestalt einer Lagerstättedenn er erweichteals sich die Jungfrau auf ihm niederlegte und neben demselben ist eine andere Stelle, wie ein Waschbecken gestaltet. Die Leute erzähleneinst hätten die Mönche in Fulda den Stein um schweres Geld kaufen wollen, doch man wäre nicht darauf eingegangen.
  
-Als aber die Prozession in der Nahe des Sees an einem Feldaltar stille hielt, da trat ein Einsiedler in die Reihen und sprach: »Mich schickt der Herr zu euch, und wenn ihr gelobt, zu tun, wie ich euch sage, dann sterben die Emsen im nächsten Augenblick. Gebt mir, jedes Dorf, welches die Plage traf, hundert Gulden. Ich werde davon dem Herrn eine Kapelle bauen.« Das gelobten alle gern und willig und sogleich zog der Einsiedler ein Pfeifchen aus seiner Kutte und pfiff. Da flogen alle Ameisen herbei, sodass sich der Himmel von ihnen verdunkelte, und bald standen sie wie ein schwarzer Turm vor dem Einsiedler, der sie mit einem letzten Pfiff sämtlich im See versenkteAls aber der Einsiedler zu den Gemeinden kam und den Gotteslohn verlangte, da schrien sie, er sei ein Zauberer und verdiene eher, verbrannt zu werden. So machten es alle zehn Dörfer, doch das schreckte ihn nicht. Er sagte ihnen kurz, sie würden ihre Strafe schon erhalten. +Ein Felsen in der Nähe von Eifa heißt der GoldkopfAuf seinem Gipfel findet man Reste eines großen RingwallsDie Leute erzählen, da habe ehemals ein altes Raubschloss gestanden.
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-Als er aber am letzten Hause des letzten Dorfes war, zog er sein Pfeifchen aus der Kutte und pfiff und siehe da, die Schweine der ganzen Gegend brachen unwiderstehlich aus Stall und Hof und folgten dem Einsiedler, der so rückwärts die Runde in den zehn Dörfern machte, ohne dass jemand gewagt hätte, ihn zu halten oder auch nur ein Wort an ihn zu richten. So führte er die Herde bis zum Lorscher See, wo er mit ihr verschwand. +
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-Im nächsten Jahre verheerte ein Grillenregen die ganze Gegend. Da sahen die Bauern wohl ein, wie sehr groß ihre Sünde gewesen und sie wandten sich wieder an den Bischof von Worms um Rat und Tat, doch dieser wollte nichts mehr mit ihnen zu schaffen haben und sagte, sie hätten die Strafe wohl verdient. Von Neuem gingen sie in Prozession durch die Felder, um durch Gebet den Zorn des Himmels zu versöhnen. +
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-Als sie so am Lorscher See anlangten, da kam ein Köhler vom Gebirge daher, neigte sich tief vor dem Venerabile und sprach zu der Menge gewandt: »Die Strafe, die euch getroffen hat, wird alsbald von euch genommen sein, so ihr mir gelobt, dass jedes Dorf mir fünfhundert Gulden zum Bau eines Klosters zahle.« Damit waren die Dörfer gern einverstanden und sie gelobten es feierlich. +
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-Zugleich langte der Köhler ein Pfeifchen aus dem Sack und pfiff und überall erhoben sich die Grillen und folgten ihm nach dem Tannenberg, wo bald ein riesiges Feuer sie sämtlich verzehrte. Doch als der Köhler seinen Gotteslohn forderte, erging es ihm +
-in allen zehn Dörfern nicht besser wie dem Einsiedler. Er erhielt nicht einen roten Heller. »Nun, wie ihr wollt«, sprach er ruhig und setzte sein Pfeifchen wieder an und hinter ihm her zog alles Wollenvieh der ganzen Gegend, und die Bauern standen wie gebannt, sodass keiner ein Wort wagte. Er aber zog zum Lorscher See, wo er mit der Herde verschwand. +
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-Das folgende Jahr kam und mit ihm ein solches Heer von Mäusen, als ob sie vom Himmel geregnet wären. Nun wo die Not wieder an Mann ging, konnten die Bauern auch wieder beten und bereuen und die Felder flehend und klagend durchziehen. Als die Prozession wieder am Lorscher See hielt, stand plötzlich ein Bergmännchen in ihrer Mitte, das sprach: »Ich will die Plage schnell von euch nehmen, aber dafür muss jedes Dorf mir tausend Gulden zahlen. Und wenn ihr denn euer Geld nicht Gott zu Lieb geben wollt, so gebt es wenigstens für euren eigenen Nutzen. Ich baue euch dafür einen Damm an der Bergstraße von Hendesheim (Handschuhsheim bei Heidelberg) bis Ramstadt, sodass die Gebirgswasser euren Fluren ferner nicht mehr schaden können.« Wie schnell die Bauern wieder mit ihrem Eide waren! Eben so schnell griff auch das gelbe Bergmännchen nach dem Pfeifchen und dem Pfiff folgten die Mäuse zu Millionen. So ging’s nach dem Tannenberg, der sich öffnete und als er sich wieder schloss, war weder vom Bergmännchen noch von den Mäusen eine Spur zu sehen. +
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-Aber Undank ist der Welt Lohn und den erntete das Bergmännchen nicht weniger als der Köhler und der Einsiedler. Doch ließ es wie jene die Strafe auch auf dem Fuße folgen und was war das für eine Strafe! Als es wieder pfiff, da folgten ihm alle Kinder selbst bis zu den Säuglingen, die sich von der Brust der Mütter losrissen und hinter ihm drein trippelten. Als der Zug am Tannenberg anlangte, öffnete sich ein großes Felsstück, das Bergmännchen trat in den Berg, die Kinder mit ihm und der Felsen schloss sich wieder und nie sah man mehr eine Spur von den Kindern. Da waren die Bauern mürb, sie trugen, um nicht im nächsten Jahre eine neue Züchtigung zu erfahren, schnell das Geld zusammen und schickten es dem Bischof gen Worms. +
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-Seitdem erfuhren sie keine derartigen Plagen mehr.+
  
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