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sagen:hsw006

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-====== Der Herrgottsberg bei Darmstadt ======+====== Das Schloss im Berge ======
  
-Vor alter Zeit sollte auf dem jetzigen Herrgottsberg eine Kirche gebaut werden, und zwar infolge eines Gelübdeswelches die Gemeinde Hesslingen zur Zeit einer allgemeinen Not getan hatteMan schaffte das Material dazu hinauf – HolzSteinealleswas zum Bau nötig war und wollte denselben in Angriff nehmenals man eines Morgens alles das am Fuße des Berges wiederfand.+In einem Dorf an der Bergstraße wohnte ein Seifen- und Lichtermacher, der hatte einen Buben, welchen er jeden Morgen mit einem Pack seiner Waren ausschickte, dieselbe zu verkaufen. Eines Tages ging der Knabe auf den Bergda wo der Erdspalt ist, denn er hatte seine Waren fast alle und zu guten Preisen verkauft und wollte noch einmal sehenob keine Erdbeeren droben reif seien. Da trat ein seltsam gekleideter Mann zu ihm und fragte ihn, ob er noch Seife und Kerzen habe. Der Knabe zeigte den kleinen Rest. Gut, so folge mir, sprach der Mann, ging einige fünfzig Schritte zur Seite des Berges herab und trat durch eine Tür, welche der Knabe nie gesehen, in eine Reihe hoher und schöner ZimmerIm dritten nahm der Mann ihm die Ware ab, holte ihm das Geld dafür und sprach: »Nun komme jeden Tag hier ins Schloss und bringe mir alle deine Wareich kaufe sie dir um guten Preis absage jedoch nichts davondass du sie hier ablieferst.« Das versprach der Knabe und er hielt Wort. Als aber sein Herr merkte, dass er stets und immer so gut und so bald die Ware los werde, und die Leute in der Stadt doch klagtender Knabe lasse sich gar nicht mehr sehen, wie oft und gerne sie auch von ihm kauften, da forschte er ihn aus, wohin er mit den Waren gehe. »Lasst das auf sich beruhen«, sprach der Knabe, »ich darf’s nicht sagen.« Dadurch machte er aber die Neugier des Herrn noch reger und der ruhte nicht und schmeichelte und drohte so lang, bis der Knabe es gestand
  
-Man hielt dies für ein Werk böser Menschen und trug Holz und Steine wieder herauf, aber am folgenden Morgen fand man es von Neuem im Tal. Da beschloss der Baumeister selbst Wache zu halten und ging nebst einigen Gesellen abends auf den Berg, wo er sich versteckte. +Als er aber am folgenden Morgen mit seiner Ware zu dem Berge kam, da war die Tür nicht mehr zu sehen und er hat sie seitdem nie wieder finden können.
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-Gegen Mitternacht sah er eine schwarze Gestalt, die das Holz nahm und mit Leichtigkeit herunterwarf, die größten Balken, wie die gewöhnlichsten Dielen. Obschon erstaunt und einigermaßen erschrocken, wagte sich der Baumeister doch hervor und fragte den Schwarzen, wie er sich erkühnen dürfe, das für des Herrn Haus Bestimmte frevelhaft vom Platz zu werfen und die Arbeit also zu hindern. Da lachte der Schwarze höhnisch und sprach: »Eben, weil ihr solch ein Haus bauen wollt, hindere ich die Arbeit, wolltest du mir eins bauen, es stände schon da, bevor der Tag anbricht.« +
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-Der Baumeister, ein kluger Mann, besann sich schnell und sprach: »Wohlan, das Haus soll dein sein, wenn es bis morgen früh fertig dasteht.« Er merkte nämlich wohl, mit wem er zu tun hatte und bedang sich nur aus, dass der Schwarze nach dem bereits fertigen Plan bauen müsse, was auch zugestanden wurde. Zufrieden mit seinem Handel ging der Baumeister nach Hesslingen zurück und geraden Wegs zum Pfarrhaus, wo er sich mit dem Pfarrer beriet, bis die Sonne schon hoch am Himmel stand.  +
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-Da läuteten unerwarteterweise alle Glocken der Kirche und verwundert strömte die Gemeinde zusammen und jeder fragte, was das wohl bedeute? +
-Der Pfarrer trat unter sie und ermahnte sie, sich rasch zu einer feierlichen Prozession auf den Herrgottsberg zu bereiten. +
-Es dauerte nicht lange, da zog ganz Bessungen, das Kreuz an der Spitze unter Gebet und Gesang dem Berge zu, auf dessen Höhe die Kapelle schön im ersten Gold der Morgensonne strahlte. +
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-In der Tür stand der Teufel und rieb sich schon lang die Hände vor Freude. Als er aber die heiligen Lieder hörte, wie sie näher und näher drangen, wurde es ihm schwül und schwüler. Da blitzte ihm plötzlich das Kreuz entgegen, es rückte gleichfalls seinem Bau näher. Er sah, dass er überlistet war, und eilte von dannen, sodass die Prozession ungestört in die Kapelle einzog. +
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-Aber er beschloss sich zu rächen und alle zu töten, die eben in der Kapelle waren. Er riss einen ungeheuren Felsblock los, erhob sich mit demselben in die Luft und warf ihn gegen das Dach des Kirchleins. Wäre ihm sein Wurf gelungen, dann hätte nicht mancher Bessunger sein Leben gerettet, aber der Schutz Gottes war mit den Andächtigen, der Stein prallte ab und fiel, ohne Schaden zu bringen, neben der Kirche nieder. +
-Da liegt er denn noch und als Wahrzeichen sieht man an der Stelle, wo ihn der Böse gefasst hatte, dessen Krallen eingedrückt. +
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-Andere sagen, nicht der Baumeister, sondern sein erster Geselle habe bei dem Bau gewacht und dem Teufel seine Seele verschrieben, um des Baumeisters Tochter, die er liebte, zu gewinnen. Der Meister, erfreut über die rasche und schöne Vollendung des Baus, habe sie ihm auch sofort gegeben und die Hochzeit sei gefeiert worden. Da habe es abends dreimal an die Tür geklopft, der Bräutigam sei herausgetreten, um nachzuschauen, wer da sei, aber nicht zurückgekehrt. Am folgenden Morgen habe man frische Blutspuren vor der Kapelle gesehen.+
  
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