Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:hsw005

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:hsw005 [2025/01/11 12:39] ewuschsagen:hsw005 [2025/01/30 17:53] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 3: Zeile 3:
 [[sagen:hsw006|nächste Sage >>>]] [[sagen:hsw006|nächste Sage >>>]]
  
-====== Das Schloss im Berge ======+====== Die zwölf Männer ======
  
-In einem Dorf an der Bergstraße wohnte ein Seifen- und Lichtermacher, der hatte einen Buben, welchen er jeden Morgen mit einem Pack seiner Waren ausschickte, dieselbe zu verkaufenEines Tages ging der Knabe auf den Berg, da wo der Erdspalt ist, denn er hatte seine Waren fast alle und zu guten Preisen verkauft und wollte noch einmal sehen, ob keine Erdbeeren droben reif seienDa trat ein seltsam gekleideter Mann zu ihm und fragte ihn, ob er noch Seife und Kerzen habe. Der Knabe zeigte den kleinen Rest. Gutso folge mir, sprach der Mann, ging einige fünfzig Schritte zur Seite des Berges herab und trat durch eine Türwelche der Knabe nie gesehenin eine Reihe hoher und schöner ZimmerIm dritten nahm der Mann ihm die Ware abholte ihm das Geld dafür und sprach: »Nun komme jeden Tag hier ins Schloss und bringe mir alle deine Ware, ich kaufe sie dir um guten Preis ab, sage jedoch nichts davon, dass du sie hier ablieferst.« Das versprach der Knabe und er hielt Wort. Als aber sein Herr merktedass er stets und immer so gut und so bald die Ware los werdeund die Leute in der Stadt doch klagten, der Knabe lasse sich gar nicht mehr sehen, wie oft und gerne sie auch von ihm kauften, da forschte er ihn aus, wohin er mit den Waren gehe. »Lasst das auf sich beruhen«, sprach der Knabe, »ich darf’s nicht sagen.« Dadurch machte er aber die Neugier des Herrn noch reger und der ruhte nicht und schmeichelte und drohte so lang, bis der Knabe es gestand. +Zwischen Seeheim und Niederbeerbach liegt ein Stein am Wegeauf welchem man ein Hufeisen eingedrückt sieht; an der Stelle soll es nicht geheuer seinAls im letzten französischen Krieg der preußische Stab in Seeheim lag, da musste der Korporal Peterssee in einer Nacht als Ordonnanz nach Niederbeerbach reitenAls er in die Nähe des Steins kamstutzte sein Gaul und siehe da, der Wald war so hell wie am Tagedass man jedes Reis auf den Bäumen zählen konnte. Er ritt dennoch weiter und fand an dem Stein einen schwarz bedeckten Tisch mit schwarzem Schreibzeug. Daran saßen zwölf Männer, deren einer blutrot gekleidet warVor ihm lag ein Viertelbogen Papier. Diesen nahm er vom Tischgab ihn seinem Nebenmann und sprach: »Schreib du.« Der aber schüttelte mit dem Kopf, und gab das Blatt weiterindem er gleichfalls sprach: »Schreib du
  
-Als er aber am folgenden Morgen mit seiner Ware zu dem Berge kam, da war die Tür nicht mehr zu sehen und er hat sie seitdem nie wieder finden können.+So ging das Blatt herum, bis es wieder zu dem Blutroten kam. Dieser bot es jetzt dem Korporal mit den Worten: »Schreib du.« Doch der wagte vor Angst nicht, auch nur ein Glied zu rühren. Da rief der Blutrote in wehklagendem Tone, der dem Korporal ins Herz schnitt: »So will denn niemand schreiben!« Und im selben Augenblick war alles verschwunden und ringsum herrschte wieder die finsterste Nacht; der Korporal aber sprengte so schnell er konnte gegen Niederbeerbach hin. 
 + 
 +Dort erzählte er am anderen Tage dem Pfarrer Scriba die ganze Sache, und der schalt ihn und sprach: »Wenn du nur geschrieben hättest Das Blut Jesu Christi macht uns rein von allen Sünden, dann wärest du ein reicher Mann und die Geister wären erlöst. Jetzt hast du nichts als den Schrecken, und die Geister müssen um so länger wandern. »Ja«, sprach der Korporal, »wer das gewusst hätte!«
  
 //Quellen:// //Quellen://
sagen/hsw005.1736595586.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)