sagen:hinzelmann
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| - | ====== Hinzelmann (Grimm) ====== | ||
| - | Von dem Pfarrer Feldmann zu Eickelohe zuerst abgefaßt. | ||
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| - | Auf dem alten Schlosse [[geo: | ||
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| - | Endlich ward er ganz mutig und hub an vor dem Haus-Herrn selbst zu reden und führte Mittags und Abends während der Mahlzeit mit den Anwesenden, fremden und einheimischen, | ||
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| - | Als er gefragt wurde, woher er sey und was er an diesem Ort zu schaffen habe, sagte er, daß er aus dem böhmischen Gebürg gekommen wäre und im Böhmer-Walde seine Gesellschaft hätte, die wolle ihn nicht leiden; daher sey er nun gezwungen, sich so lang zu entfernen und bei guten Leuten Zuflucht zu suchen, bis seine Sachen wieder besser ständen. Sein Name sey Hinzelmann, doch werde er auch Lüring genannt; er habe eine Frau, die heiße Hille Bingels. Wann die Zeit gekommen, wolle er sich in seiner wahren Gestalt sehen lassen, jetzt aber wäre es ihm nicht gelegen. Uebrigens wäre er ein guter und ehrlicher Geselle, wie einer. | ||
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| - | Der Haus-Herr, als er sah, daß sich der Geist je mehr und mehr zu ihm that, empfand ein Grauen und wußte nicht, wie er ihn los werden sollte. Auf Anrathen seiner Freunde entschloß er sich endlich, sein Schloß auf eine Zeit zu verlassen und nach [[geo: | ||
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| - | Der Edelmann, der nichts beweisen konnte, saß unmuthig in seinem Zimmer und überlegte, wie er sich aus diesem verdrießlichen Handel ziehen könnte, als er auf einmal neben sich Hinzelmanns Stimme hörte, der zu ihm sprach: „warum bist du so traurig? ist dir etwas widerwärtiges begegnet, so entdecke mir’s, ich weiß dir vielleicht Hülfe. Soll ich auf etwas rathen, so sage ich, du bist wegen einer verlorenen Kette verdrießlich.“ „Was machst du hier?" antwortete der erschrockene Edelmann, "warum bist du mir gefolgt? weißt du von der Kette? | ||
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| - | Hinzelmann sagte: „freilich bin ich, dir gefolgt und habe dir auf der Reise Gesellschaft geleistet und war allzeit gegenwärtig. Hast du mich nicht gesehen? ich war die weiße Feder, die neben deinem Wagen flog. Wo die Kette ist, will ich dir sagen: such nur unter dem Haupt-Kissen in deinem Bett, da wird sie liegen.“ Als sie sich da gefunden hatte, ward dem Edelmann der Geist noch ängstlicher und lästiger und er redete ihn heftig an, warum er ihn durch die Kette mit dem Hauswirth in Streit gebracht, da er doch seinetwegen schon die Heimath verlassen. | ||
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| - | Hinzelmann antwortete: „was weichst du vor mir? ich kann dir ja allenthalben leichtlich folgen und seyn, wo du bist! Es ist besser, daß du in dein Eigenthum zurückkehrst und meinetwegen nicht daraus entweichst. Du siehst wohl, wenn ich wollte, könnte ich das deinige all hinwegnehmen, | ||
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| - | Zu [[geo: | ||
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| - | Auch verlor sich niemals etwas in der Küche, oder war ja etwas verlegt, so wußte es Hinzelmann gleich in der verborgnen Ecke, wo es steckte, wieder zu finden und gab es seinem Herrn in die Hände. Hatte man fremde Gäste zu erwarten, so ließ sich der Geist sonderlich hören und sein Arbeiten dauerte die ganze Nacht: da scheuerte er die Kessel, wusch die Schüsseln, säuberte Eimer und Zuber. | ||
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| - | Die Köchin war ihm dafür dankbar, that nicht nur, was er begehrte, sondern bereitete ihm freiwillig seine süße Milch zum Frühstück. Auch übernahm der Geist die Aufsicht über die andern Knechte und Mägde, gab Achtung, was ihre Verrichtung war, und bei der Arbeit ermahnte er sie mit guten Worten fleißig zu seyn. Wenn sich aber jemand daran nicht kehrte, ergriff er auch wohl den Stock und gab ihm damit die Lehre. Die Mägde warnte er oft vor dem Unwillen ihrer Frau und erinnerte sie an irgend eine Arbeit, die sie nun anfangen sollten. Eben so geschäfftig zeigte sich der Geist auch im Stalle: er wartete der [[typ: | ||
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| - | Seine Kammer war im obersten Stockwerk zur rechten Seite und sein Hausgeräthe bestand aus drei Stücken. Erstlich aus einem Sessel oder Lehnstuhl, den er selbst von Stroh in allerhand Farben gar kunstreich geflochten, voll zierlicher Figuren und Kreuze, die nicht ohne Verwunderung anzusehen waren. Zweitens aus einem kleinen runden Tisch, der auf sein vielfältiges Bitten verfertigt und dahin gesetzt war. Drittens aus einer zubereiteten Bettstatt, die er gleichfalls verlangt hatte. | ||
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| - | Man hat nie ein Merkmal gefunden, daß ein Mensch darin geruht, nur fand man ein kleines Grüblein, als ob eine Katze da gelegen. Auch mußte ihm das Gesinde, besonders die Köchin, täglich eine Schüssel voll süßer [[typ: | ||
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| - | Wer vorlegte, gab ihm die Speise auf seinen Teller und ward das vergessen, so gerieth der Haus-Geist in Zorn. Das vorgelegte verschwand und ein gefülltes Glas Wein war eine Weile weg und wurde dann leer wieder an seine Stelle gesetzt. Doch fand man die Speisen hernach unter den Bänken oder in einem Winkel des Zimmers liegen. | ||
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| - | In der Gesellschaft junger Leute war Hinzelmann lustig, sang und machte Reime, einer der gewöhnlichsten war: | ||
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| - | Ortgieß läßt du mick hier gan, \\ | ||
| - | Glücke sallst du han; \\ | ||
| - | Wultu mick aver verdrieven \\ | ||
| - | Unglück warst du kriegen. | ||
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| - | wiewohl er auch die Lieder und Sprüche anderer wiederholte zur Kurzweil oder um sie damit aufzuziehen. Als der Pfarrer Feldmann einmal auf Hudemühlen zu Gast geladen war und vor die Thüre kam, hörte er oben im Saal jemand singen, jauchzen und viel Wesens treiben, weshalb er dachte, es wären Abends vorher Fremde angekommen, die oben ihre Zimmer hätten und sich also lustig bezeigten. Er sagte darum zu dem Hofmeier, der auf dem Platz stand und Holz gehackt hatte: „Johann, was habt ihr droben vor Gäste? | ||
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| - | Der Hofmeier antwortete: „niemand fremdes, es ist unser Hinzelmann, der sich so lustig stellt, es wird sonst kein lebendiger Mensch im Saal seyn.“ Als der Pfarrer nun in den Saal hinaufstieg, | ||
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| - | „mien Duhme (Daumen), mien Duhme, \\ | ||
| - | mien Ellboeg sind twey!“ | ||
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| - | Der Pfarrer verwunderte sich über diesen ungewöhnlichen Gesang und sprach zu Hinzelmann: „was soll das für eine Musik seyn, damit du nun aufgezogen kommst?“ „Ei, antwortete der Geist, das Liedlein hab ich von euch gelernt, denn ihr habt es oft gesungen und ich hab es noch vor etlichen Tagen, als ihr an einem gewissen Ort zur Kindtauf waret, von euch gehört.“ | ||
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| - | Hinzelmann neckte gern, ohne aber jemand Schaden dabei zu thun. Knechte und Arbeits-Leute, | ||
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| - | Daran ergötzte sich Hinzelmann von Herzen und erzählte hernach, wie er es angefangen, um sie hintereinander zu bringen. Doch wußte er es immer so zu stellen, daß niemand am Leben oder an der Gesundheit Schaden litt. Auf dem fürstlichen Schlosse zu Ahlden wohnte zu der Zeit Otto Aschen von Mandelslohe, | ||
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| - | Dieses Streichs hat sich Hinzelmann gar sehr gefreut und mit vielem Lachen erzählt, daß er Urheber des Zanks gewesen, vorher aber alles tödliche Gewehr versteckt und bei Seite gebracht. Er habe dann zugeschaut, wie ihm sein Anschlag so wohl gelungen wäre, daß sie sich weidlich herum geschmissen. | ||
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| - | Zu einer Zeit war ein Edelmann zu Hudemühlen eingetroffen, | ||
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| - | Wie sie glaubten, ihre Arbeit vollbracht zu haben und müd von dem vielen Fechten hinausgehen wollten, sahen sie, als sie die Thüre des Gemachs öffneten, eine Gestalt gleich einem schwarzen Marder hinausspringen und hörten die Worte: „ei! ei! wie fein habt ihr mich doch ertappt!“ Hernach hat sich Hinzelmann über diese Beleidigung bitterlich beschwert und gesagt: er würde leicht Gelegenheit haben sich zu rächen, wenn er nicht den beiden Fräulein im Hause Verdruß ersparen wollte. Als dieser Edelmann nicht lang darauf in eine leere Kammer des Hauses ging, erblickte er auf einer wüsten Bettstatt eine zusammengeringelte große Schlange liegen, die sogleich verschwand, aber er hörte die Worte des Geistes: „bald hättest du mich erwischt!“ | ||
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| - | Ein anderer Edelmann hatte viel von Hinzelmann erzählen gehört und war begierig, selbst etwas von ihm zu erfahren. Als er nun nach Hudemühlen kam, ward sein Wunsch erfüllt und der Geist ließ sich in dem Zimmer aus einem Winkel bei einem großen Schrank hören, wo etliche leere Wein-Krüge mit langen Hälsen hingesetzt waren. Weil nun die Stimme zart und fein war und ein wenig heiser, gleich als spräche sie aus einem hohlen Gefäße, so meinte der Edelmann, er sitze vielleicht in einem dieser Krüge, lief hinzu, faßte sie und wollte sie zustopfen, um auf diese Weise den Geist zu erhaschen. | ||
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| - | Als er damit umging, fing Hinzelmann an überlaut zu lachen und sprach: „hätte ich nicht vorlängst von andern Leuten gehört, daß du ein Narr wärst, so könnte ichs nun selbst mit ansehen, weil du meinst, ich säße in den leeren Krügen und deckst sie mit der Hand zu, als hättest du mich gefangen. Ich achte dich nicht der Mühe werth, sonst wollt ich dich schon witzigen, daß du eine Zeit lang meiner gedenken solltest. Aber ein wenig gebadet wirst du doch bald werden.“ Damit schwieg er und ließ sich nicht wieder hören, so lange der Edelmann da war; ob dieser hernach wirklich ins Wasser gefallen, wird nicht gemeldet, doch ists zu vermuthen. | ||
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| - | Es kam auch ein Teufels-Banner, | ||
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| - | Laster und Untugenden waren ihm zuwider: einen von den Haus-Genossen strafte er wegen seiner Kargheit oft mit harten Worten und sagte den übrigen, daß er ihn um seines Geizes willen gar nicht leiden könnte. Einem andern verwies er seine Hoffahrt, die er von Herzen hasse. Als einmal zu ihm gesagt wurde, wenn er ein guter Christ seyn wolle, so müßte er Gott anrufen und die Gebäte der Christen sprechen, fing er an das Vater unser zu sagen und sprach es bis zur sechsten Bitte, die Worte „erlöse uns von dem Bösen,“ murmelte er nur leise. | ||
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| - | Er sagte auch den christlichen Glauben her, aber zerrissen und stammelnd. Denn als er zu den Worten gelangte: „ich glaube eine Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben,“ brachte er sie mit heiserer und undeutlicher Stimme hervor, also daß man ihn nicht recht hören und verstehen konnte. Der Prediger zu Eickelohe, weiland Hr. Marquard Feldmann, berichtet, daß sein Vater um die Zeit der [[zeit: | ||
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| - | Darum ward der Geist gewaltig bös, wenn man ihn nicht ehrlich und nicht als einen Christen behandelte. Einmal reiste ein Edelmann aus dem Geschlecht von Mandelsloh nach Hudemühlen. Er stand wegen seiner Gelehrsamkeit in großem Ansehen, war Domherr bei dem Stift Verden und Gesandter bei dem Kurfürst von Brandenburg und dem Könige von Dänemark. Als er nun von dem Haus-Geist hörte, und daß er als ein Christ wollte angesehen seyn, sprach er, er könnte nicht glauben, daß es gut mit ihm stehe, er müsse ihn vielmehr für den bösen Feind und den [[typ: | ||
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| - | Hinzelmann, der während seiner Anwesenheit sich noch nicht hatte hören lassen, machte ein Geräusch und sprach: „was sagst du, Barthold? (also hieß der Edelmann) bin ich der böse Feind? Ich rathe dir, sage nicht zu viel, oder ich werde dir ein anderes zeigen und dir weisen, daß du ein andermal ein besseres Urtheil von mir fällen sollst.“ | ||
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| - | Der Herr entsetzte sich, als er, ohne jemand zu sehen, eine Stimme sprechen hörte, brach die Rede ab und wollte nichts mehr von ihm hören, sondern ihn in seinen Würden lassen. Zu einer andern Zeit kam ein Edelmann, welcher bei Tisch, als er den Stuhl und den Teller für Hinzelmann sah, ihm nicht zutrinken wollte. Darüber beschwerte sich der Geist und sprach: „ich bin ein so ehrlicher und guter Gesell als dieser: warum trinkt er mich vorüber? | ||
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| - | Als Hinzelmann das hörte, ward er so heftig erbittert, daß er ihn bei dem Schnall-Riemen packte, damit er nach damaliger Sitte seinen Mantel unter dem Halse zugeschnallt hatte, nieder zur Erde zog und also würgte und drückte, daß allen Anwesenden angst wurde, er mögte ihn umbringen, und jener, nachdem der Geist von ihm abgelassen, sich erst nach einigen Stunden wieder erholen konnte. Wiederum reiste einmal ein guter Freund des Hausherrn bei Hudemühlen vorbei, trug aber Bedenken wegen des Haus-Geistes, | ||
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| - | Der Haus-Herr ließ ihn inständig bitten, bei ihm die Mittags-Mahlzeit zu nehmen, aber der Fremde entschuldigte sich höflich damit, daß er sich nicht aufhalten dürfte; doch setzte er hinzu, es errege ihm zu großen Schrecken, mit einem Teufels-Gespenst an einem Tisch zu sitzen, zu essen und zu trinken. Bei dieser Unterredung draußen hatte sich Hinzelmann auch eingefunden, | ||
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| - | Als nun der Reisende fortfuhr und auf die [[typ: | ||
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| - | Wie Hinzelmann gern in Gesellschaft und unter Leuten war, so hielt er sich doch am liebsten bei den Frauen auf und war mit ihnen gar freundlich und umgänglich. Auf Hudemühlen waren zwei Fräulein, Anna und Katharine, welchen er besonders zugethan war, ihnen klagte er sein Leid, wenn er war erzürnt worden und führte sonst allerhand Gespräche mit ihnen. Wenn sie über Land reisten, wollte er sie nicht verlassen und begleitete sie in Gestalt einer weißen Feder allenthalben. | ||
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| - | Legten sie sich Nachts schlafen, so ruhte er unten zu ihren Füßen auf dem Deckbett und man sah am Morgen eine kleine Grube, als ob ein Hündlein da gelegen hätte. Beide Fräulein verheiratheten sich nicht, denn Hinzelmann schreckte alle Freier ab. Manchmal kam es so weit, daß eben die Verlobung sollte gehalten werden, aber der Geist wußte es doch immer wieder rückgängig zu machen. Den einen, wenn er bei dem Fräulein seine Worte vortragen wollte, machte er ganz irre und verwirrt, daß er nicht wußte, was er sagen wollte. Bei dem andern erregte er solche Angst, daß er zitterte und bebte. | ||
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| - | Gemeinlich aber machte er an die gegenüber stehende weiße Wand eine Schrift mit großen goldenen Buchstaben ihnen vor die Augen: „nimm Jungfer Anne und laß mir Jungfer Katharine.“ Kam aber einer und wollte sich bei Fräulein Anne beliebt machen und um sie werben, so veränderte sich auf einmal die goldene Schrift und lautete umgekehrt: „nimm Jungfer Katharine und laß mir Jungfer Anne.“ | ||
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| - | Wenn sich jemand nicht daran kehrte und bei seinem Vorsatz blieb, und etwa im Hause übernachtete, | ||
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| - | Einmal hatte eine dieser Fräulein von Hudemühlen einen Knecht nach Rethem geschickt, dies und jenes einzukaufen. Während dessen Abwesenheit fing der Geist in dem Gemache der Fräulein plötzlich an wie ein Storch zu klappern und sprach dann: „Jungfer Anne, heut magst du deine Sachen im Mühlen-Graben wieder suchen!“ Sie wußte nicht, was das heißen sollte, bald aber trat der Knecht ein und erzählte, daß er auf dem Heimritt unterwegs einen Storch nicht weit von sich sitzen gesehen, auf den er aus langer Weile geschossen. | ||
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| - | Es habe auch nicht anders geschienen, als ob er ihn getroffen, der Storch aber wäre dennoch sitzen geblieben und, nachdem er angefangen laut zu klappern, endlich fortgeflogen. Nun zeigte sich, daß Hinzelmann das gewußt, bald aber traf auch seine Weißagung ein. Der Knecht, einigermaßen berauscht, wollte sein von Schweiß und Staub bedecktes Pferd rein baden und ritt es in das vor dem Schloß liegende Mühlen-Wasser, | ||
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| - | Auch andern hat Hinzelmann die Zukunft voraus gesagt und sie gewarnt. Es kam ein Oberster nach Hudemühlen, | ||
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| - | Als er sich eben wieder zu einer Jagd bereitete, kam Hinzelmann und sprach: „Thomas, (das war sein Name) ich warne dich, daß du im Schießen dich vorsiehst, sonst hast du in kurzem ein Unglück.“ Der Oberst achtete nicht darauf und meinte, das hätte nichts zu bedeuten. Wenige Tage hernach, als er auf ein Reh losbrannte, zersprang die Büchse von dem Schuß und schlug ihm den Daumen aus der linken Hand. Wie es geschehen war, fand sich gleich Hinzelmann bei ihm und sprach: „sieh, nun hast du’s, wovor ich dich gewarnt: hättest du dich diese Zeit über des Schießens enthalten, der Unfall wäre dir nicht begegnet.“ | ||
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| - | Es war ein andermal ein Herr von Falkenberg, auch ein Kriegsmann, zum Besuch auf Hudemühlen angelangt. Da er ein frisches und fröhliches Herz hatte, fing er an, den Hinzelmann zu necken und allerhand kurzweilige Reden zu gebrauchen. Dies wollte dem Geist in die Länge nicht gefallen, sondern er begann sich unwillig zu gebährden und fuhr endlich mit den Worten heraus: „Falkenberg, | ||
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| - | Der Edelmann erschrak, glaubte daß mehr hinter diesen Worten stecke, brach die Unterredung mit Hinzelmann ab und zog bald darauf fort. Nicht lange nachher begann die Belagerung von [[geo: | ||
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| - | Ein Mann aus Hudemühlen war einmal sammt andern Arbeits-Leuten und Knechten im Feld und mähte Korn, ohne an etwas unglückliches zu denken. Da kam Hinzelmann zu ihm auf den Acker und rief: „lauf! lauf in aller Eile nach Haus, und hilf deinem jüngsten Söhnlein, das ist eben jetzt mit dem Gesicht ins Feuer gefallen und hat sich sehr verbrennt.“ Der Mann legte erschrocken seine Sense nieder und eilte heim, zu sehen, ob Hinzelmann die Wahrheit geredet. | ||
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| - | Kaum aber war er über die Thürschwelle geschritten, | ||
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| - | Wen der Geist nicht leiden konnte, den plagte er oder strafte ihn für seine Untugenden. Den Schreiber zu [[geo: | ||
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| - | Er hatte aber eine Liebschaft mit dem Kammer-Mädchen, | ||
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| - | Es war jemand zu Hudemühlen plötzlich gegen Abend von heftigem Magenweh angefallen und eine Magd in den Keller geschickt, einen Trunk Wein zu holen, darin der Kranke die Arznei nehmen sollte. Als nun die Magd vor dem Fasse saß und eben den Wein zapfen wollte, fand sich Hinzelmann neben ihr und sprach: „du wirst dich erinnern, daß du mich vor einigen Tagen gescholten und geschmäht hast, dafür sollst du diese Nacht zur Strafe im Keller sitzen. Mit dem Kranken hat es ohnehin keine Noth, in einer halben Stunde wird all sein Weh vorüber seyn und der Wein, den du ihm brächtest, würde ihm eher schaden, als nützen. Bleib nur hier sitzen, bis der Keller wieder aufgemacht wird.“ | ||
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| - | Der Kranke wartete lang, als der Wein nicht kam, ward eine andere hinabgeschickt, | ||
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| - | Dem Haus-Herrn zu Hudemühlen hat sich der Geist niemals gezeigt, wenn er ihn bat, er mögte sich, wo er wie ein Mensch gestaltet sey, vor ihm sehen lassen, antwortete er, die Zeit wäre noch nicht gekommen, er solle warten, bis es ihm anständig sey. Als der Herr in einer Nacht schlaflos im Bette lag, merkte er ein Geräusch an der einen Seite der Kammer und vermuthete, es müßte der Geist gegenwärtig seyn. | ||
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| - | Er sprach demnach: „Hinzelmann, | ||
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| - | Nach langem Anhalten aber und als er ihm bei Treu und Glauben versprochen, | ||
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| - | Die Köchin, welche mit ihm gar vertraulich war, meinte, sie dürfte ihn wohl um etwas bitten, wo es ein anderer unterlassen müßte und als ihr nun die Lust kam, den Hinzelmann, den sie täglich reden hörte, mit Essen und Trinken versorgte, leiblich zu sehen, bat sie ihn inständig, ihr das zu gewähren. Er aber wollte nicht und sagte, dazu wäre jetzt noch nicht die Gelegenheit, | ||
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| - | Aber durch diese Weigerung ward ihre Lust nur noch heftiger erregt und sie lag ihm je mehr und mehr an, ihr die Bitte nicht zu versagen. Er sagte, sie würde den Vorwitz bereuen, wenn er ihrer Bitte nachgeben wollte, als dies aber nichts fruchtete und sie gar nicht abstehen wollte, sprach er endlich: „Morgen vor Aufgang der Sonne komm in den Keller und trag in jeder Hand einen Eimer voll Wasser, so soll dir deine Bitte gewährt werden.“ Die Magd fragte: „wozu soll das Wasser?“ „Das wirst du erfahren, antwortete der Geist, ohne das würde dir mein Anblick schädlich seyn.“ | ||
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| - | Am andern Morgen war die Köchin in aller Frühe bereit, nahm in jede Hand einen Eimer mit Wasser und ging in den Keller hinab. Sie sah sich darin um ohne etwas zu erblicken, als sie aber die Augen auf die Erde warf, ward sie vor sich eine Mulde gewahr, worin ein nacktes Kind, der Größe nach etwa von dreien Jahren, lag: in seinem Herzen steckten zwei Messer kreuzweis übereinander und sein ganzer Leib war mit Blut beflossen. Von diesem Anblick erschrak die Magd dermaßen, daß ihr alle Sinne vergingen und sie ohnmächtig zur Erde fiel. | ||
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| - | Alsbald nahm der Geist das Wasser, das sie mitgebracht und goß es ihr über den Kopf aus, wodurch sie wieder zu sich selber kam. Sie sah sich nach der Mulde um, aber es war alles verschwunden und sie hörte nur Hinzelmanns Stimme, der zu ihr sprach: „siehst du nun, wie nützlich das Wasser dir gewesen, war solches nicht bei der Hand, so wärst du hier im Keller gestorben. Ich hoffe, nun wird deine heiße Begierde, mich zu sehen, abgekühlt seyn.“ Er hat hernach die Köchin oft mit diesem Streich geneckt und ihn Fremden mit vielem Lachen erzählt. | ||
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| - | Der Prediger Feldmann von Eickelohe schreibt in einem Brief vom 14. December 1597, Heinzelmann habe eine kleine Hand, gleich der eines Knaben oder einer Jungfrau, öfters sehen lassen, sonst aber hätte man nichts von ihm erblicken können. | ||
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| - | Unschuldigen, | ||
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| - | Dies bekräftigte eine Magd, die einmal in ein Gemach getreten, wo vier oder sechs Kinder mit einander gespielt; unter diesen hat sie ein unbekanntes Knäblein gesehen von schönem Angesicht mit gelben, über die Schulter hängenden, krausen Haaren, in einen rothen Sammt-Rock gekleidet, welches, wie sie es recht betrachten wollte, aus dem Haufen sich verlor und verschwand. Auch von einem Narren, der sich dort aufhielt und Claus hieß, hat sich Hinzelmann sehen lassen und allerhand Kurzweil mit ihm getrieben. Wenn man den Narren nirgends finden konnte und hernach befragte, wo er so lange gewesen, antwortete er: „ich war bei dem kleinen Männlein und habe mit ihm gespielt.“ Fragte man weiter, wie groß das Männlein gewesen, zeigte er mit der Hand eine Größe, wie etwa eines Kindes von vier Jahren. | ||
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| - | Als die Zeit kam, wo der Haus-Geist wieder fortziehen wollte, ging er zu dem Herrn und sprach: „siehe, da will ich dir etwas verehren, das nimm wohl in acht und gedenk meiner dabei.“ Damit überreichte er ihm erstlich ein kleines Kreuz (es ist ungewiß nach des Verfassers Worten, ob aus Seide oder Saiten) gar artig geflochten. Es war eines Fingers lang, inwendig hohl und gab, wenn man es schüttelte, | ||
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| - | Zweitens einen Stroh-Hut, den er gleichfalls selbst verfertigt hatte und worin, gar künstlich, Gestalten und Bilder durch das bunte Stroh zu sehen waren. Drittens einen ledernen Handschuh mit Perlen besetzt, die wunderbare Figuren bildeten. Dann fügte der Geist die Weißagung hinzu: „so lange diese Stücke unzertheilt bei deinem Hause in guter Verwahrung bleiben, wird das ganze Geschlecht blühen und ihr Glück immer höher steigen. | ||
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| - | Werden diese Geschenke aber zergliedert, | ||
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| - | Darauf gab der Haus-Herr diese Geschenke seinen Schwestern, welche sie annahmen und in guter Verwahrung hielten und nur aus sonderlicher Freundschaft jemand zeigten. Nach ihrem Tode fielen sie auf den Bruder zurück, der sie zu sich nahm und bei dem sie, so lang er lebte, blieben. Dem Pfarrer Feldmann hat er sie bei einer vertraulichen Unterredung auf seine Bitte gezeigt. Als dieser Herr auch starb, kamen sie auf dessen einzige Tochter Adelheid, an L. v. H. verheirathet, | ||
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| - | Wo diese Geschenke des Haus-Geistes hernach hingekommen, | ||
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| - | Der Geist schied freiwillig, nachdem er vier Jahr zu Hudemühlen sich aufgehalten, | ||
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| - | <note tip>Der Hinzelmann hat sogar einen eigenen [[https:// | ||
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| - | //Quelle: Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Band 1, S. 103–128, 1816// | ||
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