sagen:hans_kuehnburg
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| - | Zu der Zeit, als noch die [[typ:wolf|Wölfe]] und [[typ:bär|Bären]] hier am Harz allein Herren gewesen sind und alles dicker Urwald war, bringt ein Mann, Hans Kühn hat er geheißen und in [[geo: | + | Zu der Zeit, als noch die Wölfe und Bären hier am Harz allein Herren gewesen sind und alles dicker Urwald war, bringt ein Mann, Hans Kühn hat er geheißen und in [[geo: |
| - | Dort angekommen, wo heute noch der Felsen steht, der Hanskühnenburg heißt, kam aber eine Schar Wölfe aus dem Dickicht mit furchtbarem Geheul, mit schrecklicher Eile auf ihn zugestürzt, | + | Dort angekommen, wo heute noch der Felsen steht, der Hanskühnenburg heißt, kam aber eine Schar Wölfe aus dem Dickicht mit furchtbarem Geheul, mit schrecklicher Eile auf ihn zugestürzt, |
| - | Darüber kam der Abend heran, und die Sonne ging herrlich unter. Da oben aber saß von großer Angst und Bangigkeit gequält unser Hans Kühn und durfte seine Burg nicht verlassen, die ihn schützte, denn die [[typ:wolf|Wölfe]] umkreisten noch immer den [[typ:Felsen]] und bewachten ihn dort, ohne abzulassen. Es wurde vollkommen Nacht, und die Bestien verließen den Felsen nicht. Der Morgen kam, der Abend brach wieder herein, immer waren sie noch da. | + | Darüber kam der Abend heran, und die Sonne ging herrlich unter. Da oben aber saß von großer Angst und Bangigkeit gequält unser Hans Kühn und durfte seine Burg nicht verlassen, die ihn schützte, denn die Wölfe umkreisten noch immer den Felsen und bewachten ihn dort, ohne abzulassen. Es wurde vollkommen Nacht, und die Bestien verließen den Felsen nicht. Der Morgen kam, der Abend brach wieder herein, immer waren sie noch da. |
| - | Der dritte Morgen begann zu leuchten, und die Wölfe gingen nicht weg, desto schlimmer wurde aber der arme Mensch von Durst und [[typ:Hunger]], von Angst und Not gequält. Alles Rufen, alles Schreien, Fluchen und Beten hatte nicht geholfen und er nahm sich vor, lieber dort oben zu verhungern, als von den Tieren sich zerreißen zu lassen. In der dritten Nacht endlich, da er es nicht mehr aushalten konnte, da er fast ohnmächtig zur Erde sank, fing er nochmals recht herzhaft um Hilfe an zu beten. Und siehe da, eine große | + | Der dritte Morgen begann zu leuchten, und die Wölfe gingen nicht weg, desto schlimmer wurde aber der arme Mensch von Durst und Hunger, von Angst und Not gequält. Alles Rufen, alles Schreien, Fluchen und Beten hatte nicht geholfen und er nahm sich vor, lieber dort oben zu verhungern, als von den Tieren sich zerreißen zu lassen. In der dritten Nacht endlich, da er es nicht mehr aushalten konnte, da er fast ohnmächtig zur Erde sank, fing er nochmals recht herzhaft um Hilfe an zu beten. Und siehe da, eine große Ohreule kam auf den Felsen zugeflogen, setzte sich bei ihm nieder und hatte eine Rute im Schnabel, welche sie vor sich auf die Erde legte. Nachdem sie sich zurecht geschüttelt und ihre Federn in Ordnung gebracht hatte, fing sie in einem tiefen Basston an zu reden. |
| - | »Du unvorsichtiger Mensch, warum bist du so dummdreist gewesen und hast dich ohne Waffen hier in diese unsichere und gefährliche Gegend gewagt. Eigentlich müsstest du hier verhungern und die typ:rabe|Raben dein Fleisch verzehren. Doch dein und deiner Frau und Kinder Gebet ist zu herzlich und innig gewesen. Darum bin ich da, dir zu helfen. Siehe, diese Rute, die ich dir mitgebracht habe, bringt dich durch die Gefahren hindurch, welche dir durch die reißenden Wölfe bereitet werden.« | + | »Du unvorsichtiger Mensch, warum bist du so dummdreist gewesen und hast dich ohne Waffen hier in diese unsichere und gefährliche Gegend gewagt. Eigentlich müsstest du hier verhungern und die Raben dein Fleisch verzehren. Doch dein und deiner Frau und Kinder Gebet ist zu herzlich und innig gewesen. Darum bin ich da, dir zu helfen. Siehe, diese Rute, die ich dir mitgebracht habe, bringt dich durch die Gefahren hindurch, welche dir durch die reißenden Wölfe bereitet werden.« |
| Er griff gleich danach und fühlte neue Kraft in seine matten Glieder dringen. Er fühlte neuen Mut und eine Belebung des Leibes, wie er sie zuvor nie gekannt hatte. | Er griff gleich danach und fühlte neue Kraft in seine matten Glieder dringen. Er fühlte neuen Mut und eine Belebung des Leibes, wie er sie zuvor nie gekannt hatte. | ||
| - | »Nimm das Kleinod in acht«, rief ihm die [[typ:Eule]] im Wegfliegen zu und war verschwunden. | + | »Nimm das Kleinod in acht«, rief ihm die Eule im Wegfliegen zu und war verschwunden. |
| - | Er hatte aber die verhängnisvolle Rute in der Hand, traute sich selbst kaum und dem, was er gehört und gesehen hatte. Mit dem Zauberstab bewaffnet, stieg er von seinem | + | Er hatte aber die verhängnisvolle Rute in der Hand, traute sich selbst kaum und dem, was er gehört und gesehen hatte. Mit dem Zauberstab bewaffnet, stieg er von seinem Felsen herunter und ging dreist seinen Weg entlang. Und die Wölfe gingen ihm, ihrem Feind, aus dem Weg. |
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sagen/hans_kuehnburg.1666863573.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
