sagen:hamburgsagen121
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| + | ====== Abermals vom Hamburgischen Frauenzimmer ====== | ||
| + | (Um 1725.) | ||
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| + | Ebendaselbst, | ||
| + | enthält die damals erscheinende Zeitschrift, | ||
| + | Er hatte um 1725 die Wittwe des Hannov. Agenten Schmidt geheirathet, | ||
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| + | Ein junger Englischer Diplomat, der einige Jahre zu Hamburg gelebt hatte, schildert die hiesigen Damen damaliger Zeit (um 1725) etwa folgendermaaßen: | ||
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| + | Die Hamburgischen Frauen und Mädchen sind insgemein innerlich tugendreich und äußerlich recht hübsch, von schöner Gesichtsfarbe und wohlgebauter Gestalt. Wenn sie ausgehen, tragen sie eine Schnürbrust, | ||
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| + | Auf Ranges-Vorzüge ist das Hamburgische Frauenzimmer so erpicht, daß es wegen „der Vorhand“ in Gesellschaften oft zu den lebhaftesten Erörterungen kommt. Rath und Bürgerschaft würden wohl thun, ein Gesetz zu erlassen, welches, nach Art der von Kaiser Karl V. zu Brüssel bestimmten Ordnung der dortigen Damen, den Vorrang allemal der schönsten und artigsten beilegte. Dieser weise Kaiser erledigte durch diese Sentenz plötzlich alle Differenzen der Damen, denn da sie die Unmöglichkeit einsahen, in dieser Weise jemals zu einer Rang-Ordnung zu kommen, so verzichteten sie überhaupt völlig auf eine solche, womit auch aller Streit aufhörte. | ||
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| + | Die hiesigen Frauen sind treue Gattinnen und deshalb kommen Ehescheidungen unerhört selten vor; auch sind sie rechtschaffene sorgsame Mütter, weshalb die neue Mode unter ihnen, den Säugling nicht selbst zu nähren, sondern tugendlose Personen als Ammen zu nehmen, ganz befremdlich erscheint, und sicher nicht lange dauern wird. Sie sind auch vortreffliche Haushälterinnen, | ||
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| + | Sie sind durchgängig tugendhafte, | ||
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| + | Denn es herrscht eine gar seltsame Krankheit unter ihnen, welche entweder ansteckend, oder eine Art Erbübel zu sein scheint, indem sie von einer damit behafteten Mutter gewöhnlich auch auf die Töchter übergeht, sobald diese erwachsen und selbständig werden. Man hält diese Krankheit für eine Art Hysterie, welcher das schöne Geschlecht allein unterworfen ist. Sie äußert sich in einer Reihefolge einzelner Anfälle, die bei Vielen täglich wiederkehren; | ||
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| + | Die armen Männer, deren bessere Hälften mit dieser verzweifelten Krankheit geplagt sind, kann man nur innig bedauern, indem dieselbe aus so verschiedenen und vielfachen Ursachen zum Ausbruch kommt, daß dagegen Vorsorge zu thun unmöglich ist. Wenn sich z. B. eine gute Freundin etwas unbesonnen über sie geäußert, wenn der Gatte gegen andere Damen etwas zu artig sich erwiesen, der Koch eine Schüssel Gemüse verdorben, die Magd ein Stück Porcellan zerbrochen, die Kammerjungfer ein Schönpflästerchen oder eine Locke übel gelegt hat: so verursachen diese wie hundert andere unglückliche Begebenheiten der Frau einen gefährlichen Anfall dieser traurigen Krankheit, welche die schönen Hamburgerinnen in ihrer gewöhnlichen Sprache „Argerniß, | ||
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| + | Der mannhafte und veste Hauptmann Wolff, ein Officier hiesiger Garnison, hatte die Courage, eine Frau zu heirathen, welche während ihres früheren Ehe- und späteren Wittwen-Standes so erschreckliche Anfälle dieses täglich wiederkehrenden Uebels gehabt hatte, daß es der ganzen Stadt bekannt war. E. H. Rath soll einmal nur deshalb ein an ihn gelangtes Anliegen dieser Dame auf der Stelle bewilligt haben, weil ihm hinterbracht war, daß im Falle der Nichtgewährung sie persönlich aufs Rathhaus zu fahren gesonnen sei, bei welchem Besuche dann das ärgste „Argerniß“ für sie und eine gewisse Art „Alteration“ auch für E. H. Rath zu befahren gewesen wäre. – Der tapfere Capitain aber, der das Wagstück unternahm, soll seine Eheliebste schon in den ersten Wochen von ihrem Erbübel radical curirt haben, durch eine militairische Pferde-Cur, nämlich durch Anwendung eines bei stätischen Gäulen meistens mit Glück gebrauchten Mittels, welches man Lateinisch „Scutica, | ||
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| + | Als König Philipp II. von Spanien einst eigenhändig einen wichtigen langen Brief geschrieben hatte, und sein Secretair, der ihn siegeln und addressiren sollte, in der Eile statt des Streusandfäßchens das Dintefaß ergriff und darüber goß, da argerte oder alterirte dies Unglück den König nicht. Er sagte kein Wort, schrieb den langen Brief stillschweigend noch einmal, wendete sich dann zu dem noch immer zitternden Secretair und sagte zu ihm ganz kaltsinnig: „Hier ist der Brief, dort steht die Dinte und dort die Sandbüchse.“ Diese Historie müßte tausendfältig in Patentform gedruckt, in allen Häusern vertheilt, an den Straßenecken angeklebt werden, damit das herrliche Beispiel königlicher Gelassenheit und Gemüthsruhe, | ||
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| + | Ob das Uebel auszurotten, | ||
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