sagen:hamburgsagen116
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| + | ====== Von einem Herzoge und einem Hamburger Bürger ====== | ||
| + | (Um 1700) | ||
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| + | Sagenhaft, nach mündlicher Ueberlieferung. Die Geschichte soll übrigens früher schon | ||
| + | in einem Buche erzählt sein. | ||
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| + | Vor vielen Jahren kommt einmal ein Herzog von Mecklenburg oder Braunschweig-Lüneburg incognito an einem Sonntage in der Frühe nach Hamburg, und verspürt alsobald die Lust, ohne alle Begleitung sich die Stadt ein wenig anzusehen; wandelt also beschaulich durch die stillen Gassen, betrachtet die steinernen Kaiserbilder am Rathhause, die Giebelhäuser im Neß, den Bacchus am Eimbeck’schen Hause und andere Merkwürdigkeiten mehr. Als nun die Glocken zur Hauptpredigt läuten, da gedenkt er seines Schöpfers und tritt in die eben geöffnete Petri-Kirche. Daselbst war es noch fast leer und ganz still. Er geht also ein wenig umher und besieht sich die Kirche und ihre Kunstwerke; lieset die Inschriften auf den alten Grabsteinen, | ||
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| + | Dieser betrachtet den Herzog forschend von der Seite, und gewahrt gleich an seinem reisemäßigen und unansehnlichen Anzuge, daß er ein „Butenminsch, | ||
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| + | Kaum gewahrt dies sein ungefügiger Nachbar, der grade seinen Schilling in der Hand hält, als er sich ärgert, daß der pauvere Butenminsch mehr opfern will, als ein rechtschaffener Bürger von Hamburg, der warm in der Wolle sitzt; zieht also ein Doppelmarkstück aus der Tasche und legt es mit Geräusch neben sich, wobei er sich kräftig räuspert und den Fremden anblickt. Der legt nach einer Weile noch einen Species-Thaler zu seinem Markstück, und denkt, nun wird’s genug sein. Aber der Bürger läßt sich nicht lumpen, und legt seinerseits einen Dukaten bei; worauf der Herzog, der doch sehen möchte, wie weit solch ein Hochmuth gehe, einen Louisd’or hinzufügt; dies Spiel wiederholt sich noch einige Male, stets überbietet der Bürger den Fremden, und grade hat er eine Summe von 18 bis 20 Dukaten vor sich liegen, als an ihn zuerst der Klingelbeutel kommt. Er rafft also den Goldhaufen zusammen, und schüttet, stolz und triumphirend seinen Nebenbuhler anblickend, zum höchsten Erstaunen des sammelnden Sub-Diaconen, | ||
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| + | Merke: daß der Herzog zu diesem Schwank unter der Predigt sich hinreißen ließ, ist nicht zu loben, – aber eben so wenig ist es die Andachtsstörung durch den Klingelbeutel, | ||
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sagen/hamburgsagen116.1711537876.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
