sagen:hamburgsagen115
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| + | ====== Mag. Lange’s Aergerniß ====== | ||
| + | (1699) | ||
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| + | Nach Archival-Acten. | ||
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| + | Zu der Zeit, als so viele geistliche Unruhen den Frieden der Stadt Hamburg störten, erregte auch Mag. Lange, Diaconus zu St.Petri, ein sehr bedenkliches Aergerniß. Er war ein allzu eifriger Mann, bereits in Nürnberg vom Amte wegen Zänckereien entlassen, ehe er (1682) gegen des Ministerii Wunsch hieher berufen wurde. Und schon zweimal war er hier durch gerichtliche Sentenz suspendirt gewesen, wegen einer Schmähschrift, | ||
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| + | Nun hatte er seit einiger Zeit sein Amt wieder angetreten, als ihn die Unruhe plagte, mit einer Neuerung in ungeschicktester Weise hervorzutreten. Er verlangte nämlich urplötzlich in einer Predigt, daß Jedermann beim Beginn des Vaterunsers aufstehen und das Gebet stehend vernehmen sollte, während es doch in Hamburg längst üblich war, dasselbe sitzend anzuhören und sodann zur Empfangung des Segens nicht sonder Geräusch aufzustehen, | ||
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| + | Selbigen Tages noch wurde Herrn Mag. Lange, dem jedenfalls nicht zukam, in ritualibus etwas zu ändern, seine gegen die Kirchen-Observanz streitende Neuerung von den Juraten ganz freundlich verwiesen, ihm auch zu Gemüthe geführt, daß namentlich das Hamburgische Frauenzimmer es im beständigen christlichen Kirchengebrauch gehabt habe, seine Gebets-Andacht sitzend und bückend zu verrichten. Auf solch freundlich Verweisen hat aber Mag. Lange gar trotzig geantwortet, | ||
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| + | Da er nun in nächster Predigt wieder dreimal gegen das sitzende Frauenzimmer (das er absonderlich im Auge gehabt) aufgetrumpft hat; auch in der Predigt am 19. August den Eingang vom „stehenden Zöllner“ genommen, und zur Rechtfertigung seines Verfahrens sich äußerst ungereimter Gleichnisse bedient hat, so haben die Kirchgeschwornen deshalb in einer Klageschrift dies Alles dem Rathe vorgestellt. Darin sagen sie: wie allbereits andere Prediger das Thema ergriffen und für die alte Gewohnheit des Sitzens gesprochen, und solchen modum das Vaterunser zu beten, ut pium et devotum höchlich approbiret hätten; wie dann durch dies Alles ein großes Aergerniß und eine Spaltung der Gemeinde wie der ganzen Stadt in Aufständer und Seßhafte sich vorbereite, und durch vielfache Zwistigkeiten schon kundbar werde. Kirchgeschworene schließen ihr Memorial: „da nun dies Alles die Gemeinde chagriniret, | ||
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| + | Der gute Mag. Lange hat sich genug selbst bei der Sache am meisten „chagriniret.“ Vielleicht ist er davon krank geworden und hat deshalb nicht mehr gepredigt. Schon am 7. Mai folgenden Jahres 1700 ist er verstorben. Womit denn die gefährliche Spaltung der Gemeinde ihr letztes Ende erreichte, und der Aufstand der wenigen Aufständer vollends aufhörte. Das Hamburger Frauenzimmer folgt, wie bekannt, noch heutigen Tages dem christlichen Kirchengebrauch der Urmütter, verrichtet die Gebets-Andacht nach wie vor „sitzend und bückend, und erhebt sich dann nicht sonder Geräusch zur Empfangung des Segens.“ Seitdem hat kein Prediger es wieder versucht, in diesem Punkte reformirend vorzuschreiten, | ||
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sagen/hamburgsagen115.1711537865.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
