sagen:hamburgsagen112
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| + | ====== Vom Christinenpförtchen ====== | ||
| + | (1667) | ||
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| + | Geschichtlich. Außer den Hamb. Geschichtswerken ist benutzt: von Heß, Topogr. I. 464; | ||
| + | und Grauert, Christina und ihr Hof, II. 213–215. | ||
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| + | Am Krayenkamp liegt der katholische Platz, der also heißt, seitdem 1719 die dortige katholische Kapelle des kaiserlichen Gesandten vom Pöbel zerstört wurde, nachdem schon früher auf derselben Stelle ein Volkstumult gegen das Pabstthum stattgefunden hatte, wovon gleich mehr. Im Hintergrunde dieses Platzes führt ein schmaler Weg, vormals durch eine Pforte verschließbar, | ||
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| + | Im Jahre 1667 lebte hieselbst (wie früher schon) die Königin Christine von Schweden, nachdem sie zum katholischen Glauben übergetreten war. Sie wohnte an jener Stelle am Krayenkamp in einem großen Hause, das sie von ihrem Agenten Texeira gekauft hatte. Sie betrieb von hier aus ihre Staats-Angelegenheiten, | ||
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| + | Am 15. Juli gab die Königin abermals ein großes Banquet in ihrer Wohnung, zu Ehren der Krönung des neuen Pabstes Clemens IX. Es waren alle heimischen und fremden Standespersonen geladen und soll bei Tafel ein herrliches Wohlleben gewesen sein. Dem Hause gegenüber (wo damals noch keine Gebäude standen) am St. Michaelis Kirchhofe hatte sie einen Springbrunnen errichten lassen, welcher unablässig aus neun Röhren zum gemeinen Besten einen feinen rothen und weißen Wein von sich gab, den der Pöbel mit Jubel und Frohlocken „waidlich trank und wie Wasser zu sich nahm.“ Als es dunkelte, wurde das Haus prächtig erleuchtet mit 60 Wachsfackeln die auf vergoldeten Armleuchtern in der Mauer steckten. Oben am Giebel glänzte in einem großen Transparentbilde die dreifache päbstliche Krone mit den beiden Schlüsseln. Einige reden auch von einer Darstellung der Ketzerei zu Füßen der katholischen Kirche, davon aber die meisten Erzähler nichts wissen. Darunter strahlte nun eine aus 600 Lampen gebildete Lateinische Inschrift, die lautete Deutsch: es lebe Pabst Clemens IX. | ||
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| + | Das ließ sich nun zwar ganz trefflich ansehen, aber Einige nahmen doch ein Aergerniß daran, daß in unsrer lutherischen Stadt der Pabst also sollte gefeiert werden. Wie’s dann gekommen, daß solch Aergerniß sich auch dem Pöbel mitgetheilt, | ||
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| + | Sobald die Königin diese Vorgänge erfuhr, ließ sie die Inschrift und das Transparentbild auslöschen, | ||
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| + | Mittlerweile hatten die übrigen Herren sich eben angeschickt, | ||
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| + | Von dieser Flucht der Königin Christina hat der enge Weg, der vom katholischen Platz in den Bäckergang führt (den damals wohl zum ersten und letzten Male einer Königin Fuß betreten hat), den Namen Christinenpförtchen empfangen und behalten. | ||
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sagen/hamburgsagen112.1711537835.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
