sagen:hamburgsagen104
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| + | ====== Die Unterirdischen zu Blankenese und Herr Rist ====== | ||
| + | (1650–1660) | ||
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| + | Nach von Hövelen, Hamb. Hoheit, S. 111. 112 und Adelungk, Alterthums-Gedächtniß, | ||
| + | woselbst die Inschrift des Rolandsbildes, | ||
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| + | Bald nach dem Westphälischen Friedensschlusse erscholl hierorts ein häufiges Gerüchte, als wenn in den Blankeneser Bergen viele Unterirdische und Zwerge spukten, sich den Vorübergehenden, | ||
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| + | Als nun jenes Gerüchte vielfach erscholl, da hat sich der gelahrte Pastor zu Wedel, Herr Johann Rist (oder Ristius, wie er sich schrieb), bei nachtschlafender Zeit aufgemacht, um solch zwergischem Treiben auf die Spur zu kommen. Mit ihm ging Herr Chrysostomus Köhler, der Vice-Canzler des Herzogs zu Wolfenbüttel, | ||
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| + | Aber bis zu Zeiten der großen Weltunruhe, die man den nordischen Krieg nennet, sind sie noch oftmalen bei Tage wie bei Nacht von Bauern und andern schlichten Leuten gesehen worden. Darnach haben sie sich verzogen, wiewohl Etliche in Sülldorf, Rissen und da herum sie noch heutiges Tages verspüren wollen, wie auch Greten Dütsch, die Blankeneser Botenfrau, erzählt hat, die selber bei Nacht und Nebel von den Unterirdischen wollte auf Irrwege geführt und geneckt sein. Aber was Greten Dütsch gesagt, dem ist nicht zu trauen, weil ihr Geist fast allezeit in Nacht und Nebel befangen war, sintemal sie mehr als billig dem leidigen Branntwein zusprach, wie männiglich bezeugen wird, der Greten Dütsch gekannt hat, die nun wohl schon längst todt sein mag. | ||
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| + | Herr Rist, dessen Voreltern aus dem Reich stammeten, hat noch etliche Jahre in hohem Ansehen und Ehren zu Wedel gelebt. Außer der Gottesgelahrtheit, | ||
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| + | Der alte Herr Johann Rist aber hat auch bei Lebzeiten dafür gesorgt, daß das uralte Rolands- oder Kaiser-Bild von Stein, so am Markte zu Wedel steht und damals bruchfällig geworden war, von neuem restauriret ist, wie wir es noch sehen können: schön angestrichen mit blauen Augen und rothen Backen, im Rückgrat durch einen Mauerpfeiler gestützet, mit den nachdenklichen Versen Herrn Ristii darunter: | ||
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| + | „Als 16hundert und noch 1 und 50 Jahr\\ | ||
| + | Im Wintermonat die bekannte Jahrzahl war,\\ | ||
| + | Ist dieses Kaiserbild auf’s neu hieher gesetzet.\\ | ||
| + | Gott woll es und uns All’ erhalten unverletzet.“\\ | ||
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| + | Einer hat dem seligen Risten zu Ehren folgende Verse gefertiget: | ||
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| + | „Herr Ristius ist todt! ein Mann von hohen Gaben,\\ | ||
| + | Desgleichen wir nunmehr in Holstein wenig haben,\\ | ||
| + | Ein Prediger, Poët, ein Arzt, ein guter Christ, –\\ | ||
| + | Ei, schade, daß der Mann so bald gestorben ist.“\\ | ||
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sagen/hamburgsagen104.1711537743.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
