sagen:hamburgsagen086
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| + | ====== König Christian IV. in Hamburg ====== | ||
| + | (1603) | ||
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| + | Steltzner II. 463. Adelungk 99, und andere Geschichtschreiber. | ||
| + | Die meisten der interessanten Details aus einer handschriftlichen Fortsetzung von | ||
| + | Tratziger’s Chronik. von Heß, Topographie I. 392, giebt die Inschrift an Matth. Meyer’s Hause. | ||
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| + | Im Herbste 1603 erging an den Rath eine Ansagung Königs Christian IV. von Dänemark, daß er gesonnen sei, nach Hamburg zu ziehen, um die Erbhuldigung entgegenzunehmen. Denn wie weiland die Deutschen Könige ihren Römerzug zu machen pflegten, um die Kaiserkrone sich aus der Stadt Rom zu holen, wiewohl oftmals nicht zu ihrem und des Reichs Heil, – also hatten es die Dänischen Könige Oldenburgischen Stammes im Brauch, als Herzoge von Holstein nach Hamburg zu ziehen, um dieser guten Stadt Erb-Huldigung zu begehren, zu welcher sie jedoch mit Nichten verpflichtet war. Darum machte es auch diesmal der Rath wie allemal, schrieb wieder, es werde der Stadt eine Ehre sein den Herrn König zu sehen, falls Derselbe belieben wolle, zwar keine Erbhuldigung, | ||
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| + | Der König ließ sich die Sache gefallen, schickte auch seinen Statthalter Gerd Rantzau und seinen Canzler Christoph Vultejus nach Hamburg, welche in Gemeinschaft der Holsteinischen Räthe Clemens Gadendorf und Nicolaus Junge, Canzler, alles Erforderliche mit dem Senate vorher besprachen. Uebrigens bestimmte der König den 28. October als Tag seines feierlichen Einzuges. Und da er ein Liebhaber von sinnreichen Lustbarkeiten war, so traf er Anstalten, seine Anwesenheit in Hamburg durch allerlei Spiele und Aufzüge zu verherrlichen, | ||
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| + | Am 28 October fand der feierliche Einzug in Hamburg statt; 19 Fähnlein wohlbewaffneter Bürger im blanken Harnisch hatten das Steinthor und die Straßen in der Nähe besetzt, auf den Wällen stand die besoldete Soldateska, ungemein zahlreich, denn der Rath hatte zu mehrerer Sicherheit und Aufrechthaltung guter Ordnung noch 600 Mann versuchter Musketiere angeworben. Die Rathsherren Eberhard Esich und Hieronymus Vogler hielten hoch zu Roß in silberhellen glänzenden Harnischen vor dem Steinthore, die Majestäten würdig zu empfangen und zu beneventiren; | ||
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| + | So kam der Zug in die Stadt, voran ritten 24 Trompeter und 4 Heerpauker in Roth und Gold gekleidet, die schmetterten und trommelten, daß es Art hatten; dann kamen Leibtrabanten, | ||
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| + | Der Zug ging dann nach der großen Reichenstraße, | ||
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| + | Alle diese Herrschaften wurden bestens einlogirt in guter Bürger Häuser; und Raths-Deputirte sorgten dafür, daß Alles sich fügte und schickte und Jeder sein Recht bekam. Auch die Kriegsleute, | ||
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| + | Am Sonnabend, den 29. October, besahen die Herrschaften die Stadt und ihre Gelegenheit, | ||
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| + | Am Sonntag, den 30. October, sind die königlichen Majestäten und fürstlichen Hoheiten sammt allen Räthen, Rittern und Hofleuten in Begleitung der rothen Leibtrabanten nach St. Petri-Kirche geritten, woselbst E. E. Rath, E. Oberalten und die vornehmsten Bürger in Staatsröcken sich auch eingefunden. Die Kirche war von Grund aus renoviret und gezieret, und den Herrschaften darin der beste Platz hergerichtet. Eine ganz herrliche Musik von Instrumenten, | ||
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| + | Darauf sind der König nebst seinem Vetter Herzog Johann Adolf von Holstein und zwölf beiderseitigen Kanzlern, Räthen und Rittern nach dem Rathhause geritten, woselbst Senatus cum Syndicis et Secretariis, | ||
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| + | Die Ceremonie verlief dann üblicher Maaßen, die vom königlichen Canzler im Namen des Königs und des Herzogs geforderte eidliche Erbhuldigung wurde diesseits dankverbindlichst abgelehnt und nicht geleistet, dafür aber die ergebene Freundschafts-Annehmung und -Verpflichtung gegen jenseitige Bestätigung der alten Privilegien und Freiheiten erklärt. Der königliche Canzler sprach Hochdeutsch, | ||
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| + | Hierauf sind die Herrschaften in ihre Logiamenter zurückgeritten. Bei Sr. Majestät ist ein kostbar Banquet angestellt, wobei sämmtliche Fürstlichkeiten und die Vornehmsten vom Adel nebst „dem löblichen Frauenzimmer“ herrlich tractirt und mit allerhand fürstlicher Lust sind ergötzet worden. Während solcher Zeit haben königliche Trompeter und Herolde die auf den folgenden Tag angesetzten Turniere und Aufzüge verkündigt und ausgerufen, auch die Ordnung der Spiele an das Judicir-Haus affigirt und sonst notificirt. | ||
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| + | Montag, den 31. October, früh 9 Uhr, begannen die Spiele auf dem Pferdemarkt mit einem schönen Spectakel, von des Königs eigner Invention, sehr anmuthig anzusehen. Von St. Gertruds-Capelle her (allwo der König seine Rüstkammer gehabt) bewegte sich ein seltsamer Zug. Auf einem 16 Fuß hohen Wagen saß zwischen zwei Löwen auf einem vergüldeten Sessel der König selbst, in Gestalt des Sonnengottes, | ||
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| + | Sehr nachdenklich (und ebenfalls von des Königs Erfindung) war noch ein Aufzug auf fünf Wagen: allerhand Bilder und Figuren, auch lebendige Menschen in vielerlei Costum mit merkwürdigen Symbolen und Allegorien, welche allesammt ihre absonderliche Bedeutung gehabt haben und eine rührende Vorstellung der Tugenden wie der Laster gewesen sind; item, daß der Menschen Leben nichts anders sei, als eitel Sorge, Plage, Armuth, Krieg, Verfolgung, Haß, Krankheit und Noth, bis endlich der Tod Alles gut mache, so Seneca kürzlich zusammenfasset „omnis vita supplicium est, mare inquietum, mors portus,“ – oder wie viel später ein gottseliger Monarch in seinem Testamente dies noch besser ausgedrückt hat: „meine Zeit in Unruhe, meine Hoffnung in Gott.“ | ||
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| + | Hernach war waidlich Ringelrennen, | ||
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| + | Dingstag, am 1. November, wurde wiederum gespielt und turniert. Der König kam in demselben Aufzug angefahren, weil alle Welt ihn gern noch einmal bewundern wollte. Marquard Pentz hatte aber ein neues lustiges Stücklein erdacht, er kam in einer vierthürmigen Burg, die war von Pappe ganz natürlich gemacht, wenn schon lange nicht so groß als eine wirkliche; als man dies nun erstaunt, da geht aus allen Ecken des Schlößleins urplötzlich ein Feuerwerk los, das knallet und prasselt und sprüht umher zum Entsetzen des Frauenzimmers, | ||
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| + | Am Mittwoch, den 2. November, hat der König in seinem Quartier dem Rathe der Stadt ein Ehren-Banquet gegeben und unsere Herren herrlich tractiret. Nach der Mahlzeit fand noch eine seltene Ceremonie statt, so in Hamburg vielleicht einzig ist: es wurde ein Capitel des Elephanten-Ordens gehalten und das blaue Band dieses hohen Ehrenschmuckes an vier Ritter verliehen: an des Königs Bruder, Herzog Ulrich; an den Bremischen Erzbischof Johann Friedrich, Herzog von Gottorp; an den Grafen Anton Günter von Oldenburg, und an den Segeberger Amtmann Marquard Pentz. | ||
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| + | Donnerstag, den 3. November, war das letzte Turnier auf dem Hopfenmarkt, | ||
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| + | Freitag, den 4. November, war die ganze Lust aus. Die Herrschaften verließen Hamburg, hierhin, dorthin. Der König zog um 10 Uhr aus dem Millernthore ab, in derselben Ordnung, wie er acht Tage zuvor eingerückt war; die 18 Compagnien Bürger standen mit fliegenden Fahnen wieder aufmarschirt, | ||
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| + | E. E. Rath und alle Bürger dankten aber Gott, daß Alles so gut abgelaufen war, wie kaum zu hoffen gewesen war. Denn zum Ersten war während dieser acht Tage, nach vorherigem gräulichen Schlacker- und Regenwetter, | ||
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| + | Matthias Meyer in der großen Reichenstraße, | ||
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| + | „Als man zählt 16 hundert und 3 Jahr\\ | ||
| + | Und dabei der 8 und 20ste war\\ | ||
| + | Octobers, – König Christian\\ | ||
| + | Der Vierte von Dänemark, und Johan\\ | ||
| + | Adolf Herzog zu Hollestein, | ||
| + | Ritten in Hamburg herein.\\ | ||
| + | Zwei Tage lang herrlich und fein\\ | ||
| + | Rennte man nach Ringelein, | ||
| + | Man schaute da viel dem König zu Ehren,\\ | ||
| + | Dabei waren 18 Fürsten und Herren.\\ | ||
| + | Auf’m Hoppenmarkte am Donnerstag\\ | ||
| + | Ueber dem Balgen manches Speer zerbrach,\\ | ||
| + | Darauf die Herren insgemein\\ | ||
| + | Von hinnen geschieden feyn,\\ | ||
| + | Der König und sein Gemahl\\ | ||
| + | Dazu die Frauenzimmer all.\\ | ||
| + | Hier nun hatten sie ihr Losament,\\ | ||
| + | Bei mir, Matthias Meyer genennt,\\ | ||
| + | Dazumal in meinem Wittwen-Stand\\ | ||
| + | Zum Gedächtniß gesetzt an diese Wand.\\ | ||
| + | Gott wöll fortan Glück und Segen geben\\ | ||
| + | Und uns allensampt das ewige Leben.“\\ | ||
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| + | //Quelle: [[autor: | ||
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