sagen:hamburgsagen084
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| + | ====== Der Hansen Spiele zu Bergen ====== | ||
| + | (Vor 1599) | ||
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| + | Diese nur mittelbar hieher gehörige Darstellung dürfte doch Manchem unbekannt und | ||
| + | merkenswerth erscheinen. | ||
| + | Handschriftliche Chroniken lassen irrig erst 1623 diese Spiele entstehen. Ich bin | ||
| + | der Erzählung des aus Bergen gebürtigen von Holberg gefolgt in seiner Beschreibung | ||
| + | der Stadt Bergen (1753.) II. 59 ff. | ||
| + | Ueber Husanus, welcher fast alle Sprachen verstand, poetisch und juristische Werke | ||
| + | schrieb und als Syndicus zu Lüneburg sein bewegtes Leben 1587 beschloß, s. Rotermundt, | ||
| + | das gelehrte Hannover II. 435. | ||
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| + | Seit alten Zeiten waren bei den Kaufleuten, welche das große Hansische Handels-Comtoir zu Bergen in Norwegen bildeten, allerlei berühmte oder berüchtigte „Spiele“ im Schwange, mit welchen sie ihre neuen Lehrburschen plagten; wie es heißt, um reiche junge Leute abzuschrecken, | ||
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| + | Aber so gut wie einem neuen Quintaner, den die Genossen übers Katheder ziehen und ihm mit einer einmaligen Tracht ehrlicher Prügel die Weihe der Verbrüderung geben, so leicht und gut wurde es den armen Hansischen Handelsburschen in Bergen nicht, denn drei gefährliche Proben hatten sie zu bestehen, ehe sie völlig aufgenommen waren. Und wer den Schaden hat, der darf für Spott nicht sorgen; ihr schmerzliches Ungemach diente den älteren Hansen, den Principalen und Gesellen, zur großen Belustigung, | ||
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| + | Ao. 1599 besuchte König Christian IV. von Dänemark seine Stadt Bergen. Von Natur sehr munter und damals noch im Jugendalter, | ||
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| + | Außer einigen minder bekannt gewordenen, gab es hauptsächlich drei Arten dieser Spiele, welche hier beschrieben werden sollen, damit man die Furcht des königlichen Hof-Laquaien ermessen könne. | ||
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| + | Das „Rookspill“ (Rauchspiel) war die erste, eine Art Feuer-Probe. An einem Feierabend um 10 Uhr holte unter Trommelschlag eine Procession von Gesellen, darunter einige als Bauern, alte Weiber und Narren verkleidet waren, allerlei Holzspäne, Haare, Lederstücke und Gerümpel; damit zogen sie in ihren Schütting, die große Halle jeder der in einzelnen Höfen zusammenwohnenden Abtheilungen der Gesellschaft. Dann wurde der Lehrling, dem’s galt, in einen Sack gesteckt und in den großen Schornstein des Schütting-Camins hinauf gewunden, während man das mitgebrachte Holzgerümpel, | ||
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| + | Früher scheint das Wasserspiel in andrer Weise, nämlich so abgehalten zu sein, daß die Lehrlinge von einem Felsen hinab in die See gestürzt wurden, worauf man sie an einem um ihren Leib befestigten Seile wieder in die Höhe wand, und noch zweimal diese „artige Kurzweil“ wiederholte. | ||
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| + | Man erzählte aber unter den Hansen, es sei vor langen Jahren ein junges Frauenzimmer in Mannskleidern aufs Comtoir nach Bergen gekommen, aus Liebe zu einem hier angesessenen Gesellen, und habe geraume Zeit dort gelebt, bis es entdeckt und sie mit ihrem Sponsen fortgeschafft sei. Und weil nun nach den Gesetzen der Gesellschaft kein Frauenzimmer auf dem Comtoir und in dessen Höfen sich aufhalten dürfe, so sei zur wirksamen Abschreckung solcher weiblichen Eindringlinge das Wasserspiel erfunden. | ||
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| + | Die dritte Probe war das Stupenspill oder die Stupe (Staupenschlag geben). Es fand statt am Sonntage nach dem Wasserspiel, | ||
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| + | „Ehre sei Gott, ja, Ehre sei Gott,\\ | ||
| + | Das rede ich wahrhaft und sonder Spott. | ||
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| + | Nu krupt in dat hillige Paradies,\\ | ||
| + | Da schölt jü schmecken söt’ Barkenries, | ||
| + | Ja so veel Barkenries schölt jü supen,\\ | ||
| + | Als 24 Buuern up de Steert könt stupen.“\\ | ||
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| + | Dann erscholl draußen ein betäubender Höllenlärm von Pauken, Trommeln und Becken, während die vermummten Bauern wie die Teufel über die Lehrlinge herfielen, sie packten, über eine Bank warfen und mit Birkeuruthen aus Leibeskräften so lange bearbeiteten, | ||
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| + | Wenn sie nun dergestalt, nach der Feuer- und Wasser-Probe, | ||
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| + | Erst Ao. 1671 hat König Christian V. von Dänemark und Norwegen durch ein ausdrückliches Gesetz solche Spiele der Hansen zu Bergen bei schwerer Geldstrafe gänzlich verboten. | ||
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| + | Diese Spiele, die unserm verfeinerten Jahrhundert allerdings ebenso unauständig und witzlos als roh und grausam erscheinen, wurden in jenem derberen Zeitalter meistens als etwas ganz Schickliches und Natürliches betrachtet. Raufereien und Prügel gehörten damals noch mehr zum volksthümlichen Spaße, als jetzt, wo noch immer die rechte Jahrmarktsfreude oder ein gutes Puppentheater ohne solche Balgerei nicht bestehen kann, die ja selbst unsern Knaben-Ergötzlichkeiten nicht fehlen darf, soll das Vergnügen vollkommen sein. | ||
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| + | Uebrigens wurde kein Lehrling zu Bergen gezwungen, sich jenen Spielen zu unterwerfen. Nur wird er alsdann besser gethan haben, seine Laufbahn am Hansischen Comtoir aufzugeben, wie dies Heinrich Husanus um 1555 that. Es wird nämlich erzählt, daß dieser später als Staatsmann und Gelehrter berühmt gewordene Mann, in seiner Jugend zum Kaufmann bestimmt und als Lehrling nach Bergen gekommen sei. Wie er aber das Stupenspiel überstanden, | ||
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sagen/hamburgsagen084.1711537489.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
