sagen:hamburgsagen077
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| + | ====== Die Schlacht bei Drakenburg ====== | ||
| + | (1547) | ||
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| + | Geschichtlich, | ||
| + | an dieser denkwürdigen Schlacht ist bisher viel zu wenig hervorgehoben. | ||
| + | Die meisten Chroniken enthalten viel Unrichtiges, | ||
| + | Thumbshirn haben sie einige Domherren gemacht u. s. w. | ||
| + | Benutzt sind: Misegaes, Chronik von Bremen III. 259. Noller, Geschichte von Bremen III. 68. | ||
| + | Chr. Spangenberg (Chronik der Bischöfe von Verden) erzählt: die Protest. Truppen hätten mit dem | ||
| + | Gesange: „Ein’ feste Burg ist unser Gott,“ ihren Angriff begonnen. | ||
| + | Ueber den Obersten Penningk: Wilkens, Ehrentempel S. 538. Anckelmann, Inscript. S. 67. | ||
| + | Im Bremer Sonntagsblatt von 1853, No. 43, erzählt Herr O. Klopp die Schlacht nach einer Brem. Chronik vom | ||
| + | Bremischen Standpunkte, | ||
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| + | Im Verlauf des Schmalkaldischen Krieges der protestantischen Stände des Reichs wider die katholischen und den Kaiser Karl V. wurde es zu Anfaug des Jahres 1547 ruchbar, daß die Katholischen wider Niedersachsen Arges im Schilde führten, und daß es dabei zumeist auf die reichen Hansestädte Bremen und Hamburg abgesehen sei. Deshalb waren die Hamburger vorsichtig und auf ihrer Hut, besserten und erweiterten vor allen Dingen ihre Wälle und Gräben und besonders die Festungswerke beim Spitaler-, Stein-, Schar- und Millern-Thore. | ||
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| + | Inzwischen waren die feindlichen Truppen, die sich im Bisthum Münster gesammelt hatten, hinter ihrem Obersten, Christoph von Wrisberg, bei 21 Fähnlein Fußvolk und gegen 1200 Reiter stark die Weser hinabgezogen und standen vor Bremen, woselbst darnach auch Herzog Erich von Braunschweig, | ||
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| + | Als darauf im März die Hansen zu Lübeck Tagefahrt hielten, wozu von Hamburg zwei Bürgermeister, | ||
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| + | Alsobald rüstete Hamburg sein Contingent, und sandte zuvörderst sechs oder sieben Bojer (Kriegsschiffe) mit starker Besatzung und guten Geschützen die Elbe hinab auf die Weser, damit sie Bremen von der Wasserseite decken und die Zufuhr von Lebensmitteln besorgen möchten. Und darnach wurden Soldaten geworben, und hätte Hamburg nicht schon die zwei Jahre vorher zum Schmalkaldischen Kriege so viele Truppen gestellt, davon etliche Fähnlein Reiter und Fußvolk unter Commando des Rathsherrn Matthias Rheder in Lothringen zu Felde lagen, so wäre dies neue Contingent noch stärker ausgefallen. Es kamen aber an Fußvolk 5 Fähnlein Landsknechte, | ||
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| + | Die Hamburger zogen durch die Vierlande, gingen zu Eslingen beim Tollenspieker über die Elbe, und obzwar der feindliche Oberst von Wrisberg von seinem Bremischen Lager aus mit 600 Reitern und vielen Hakenschützen sie zu versprengen gedachte, so boten sie demselben doch so mannhaft die Stirn, daß er sich zurück zog; worauf die Hamburger sich bei Lafferte an der Leine im Braunschweigischen mit den Kriegsvölkern der übrigen Hansestädte und verbündeten Fürsten glücklich vereinigten und mitsammen Herzog Erichs ihres Feindes Land nach Kriegsgebrauch tüchtig brandschatzten, | ||
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| + | Darauf zogen die vereinigten Hansestädter und ihre Genossen unter dem Mansfelder zu Bremens Rettung an die Weser, obschon sie Kunde hatten von der unglücklichen Schlacht bei Mühlberg, in der am 24. April die protestantische Hauptmacht unterlegen und der Kurfürst von Sachsen gefangen war; und obschon die Sachen so mißlich standen, galt’s doch, die Bundesstadt Bremen zu befreien und die versprochene Hülfe zu bringen. Unter dem Mansfelder befehligten noch der Graf Christoph von Oldenburg, die Obersten Cord Penningk, von Heydeck, Wilhelm von Thumbshirn, der versprengte Kursächsische Truppen bei sich hatte, und Andere mehr. | ||
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| + | Bei dem Hoya’schen Städtlein Drakenburg an der Weser, zwischen Minden und Rienburg, stießen sie unvermuthet auf die Feinde, welche einstweilen aus ihrem Lager vor Bremen ausgebrochen waren, vermeinend, erst die Hanseaten zu vertilgen und dann gemächlich Bremen zu erobern und auszuplündern. Es ist aber mit Gottes Hülfe anders gekommen. Die Hanseaten und ihre Verbündeten (wozu noch Bremisches Kriegsvolk gestoßen war, das flugs hinter seinen Belagerern drein gezogen kam) nahmen am 24. Mai 1547 die dargebotene Schlacht an, obschon sie bei Weitem in der Minderzahl waren. Denn auf den Höhen beim Köppelberg in fester Position stand Herzog Erich mit etwa 29,000 Mann und vielen schweren Geschützen, | ||
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| + | Nachdem nun der Feldherr, Graf von Mansfeld, den Obersten und Hauptleuten seine Befehle gegeben, und selbige und das ganze Kriegsvolk zu mannhaftem Angriffe und standhaftem Streiten vermahnt hatte, wurde ein kurzer erwecklicher Gottesdienst gehalten auf freiem Felde mit Gebet und Gesang. Worauf sämmtliche Feldprediger, | ||
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| + | Als Mansfeld das Zeichen zum Beginn der Schlacht gegeben, rückten sogleich die zum ersten Angriff befehligten Hamburger in geschlossenen Gliedern vorwärts, setzten muthig in den Feind und erstürmten als die Ersten einige mit Karthaunen und Feldschlangen besetzte Höhen, worauf rasch und kräftig von allen Verbündeten ein allgemeiner Angriff geschah. Und die Hanseaten und ihre Genossen schlugen sich gegen die Ueberzahl der Feinde also kühn und tapfer, und stürmten so unwiderstehlich die mit Geschützen vertheidigten Schanzen, hieben auch so nachdrücklich in die weichenden Reihen, daß sie den Herzog Erich und sein Heer, welchem der Oberst Wrisberg schlecht secundirte, völlig aufs Haupt schlugen und die Schlacht gänzlich gewannen. Und als zur Victoria geblasen wurde, da zeigte es sich, daß gegen 2500 Feinde auf der Wahlstatt geblieben waren, 2519 Mann waren gefangen, von den Feldflüchtigen fanden noch mehrere Tausende ihren Tod entweder in den Fluthen der Weser, oder durch das Schwert der nachsetzenden Hanseaten. Alles Geschütz und große Vorräthe an Waffen und Lebensmitteln waren ihnen in die Hände gefallen. | ||
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| + | Herzog Erich entkam nur mit wenigen Reitern, deren Einer ihm sein Pferd abtrat, als er von seinem Streitroß gestürzt war, welches, nebst prächtigen Pistolen und andern Kleinoden im Halfter, die Bremer erbeuteten. Oberst Wrisberg, der grade inmitten des hitzigsten Kampfes aufs Schlachtfeld kam, hätte dem Herzoge noch den Sieg zuwenden können, wenn er gleich ins Gefecht gegangen wäre; aber er mied die Bataille, und warf sich, von Habgier getrieben, seitwärts auf den Troß der Verbündeten, | ||
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| + | „Wi hefft dat Feld,\\ | ||
| + | Wrisberg dat Geld, –\\ | ||
| + | Wi hefft dat Land,\\ | ||
| + | Wrisberg de Schand.“\\ | ||
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| + | Ueber den Obersten Cord Penningk und die Seinigen war groß Lobens und Preisens im Lager. Denn die Hamburger, die durch ihren kühnen Angriff beim Beginn der Schlacht, dem Geschick des Tages die erste glückliche Wendung gegeben, hatten auch im Verfolg des Kampfes ruhmwürdig gefochten, und zumal die Bootsleute, wenn’s Mann gegen Mann galt, sollen fürchterlich dreingeschlagen haben, daß Roß und Reiter vor ihren Simsons-Streichen zusammenkrachten wie altes Holzgerümpel. Und unterm Victoria-Blasen hat der Graf von Mansfeld den Obersten Cord Penningk vorgerufen, und da er der Ritterwürde schon längst theilhaftig war, so hat er ihm eine güldene Schaumünze an einer güldenen Kette, wie er selbst sie getragen, um den Hals gehängt, als Dank- und Ehrenzeichen, | ||
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| + | Darnach marschirte das Heer nach Bremen, das nunmehr völlig entsetzt war. Und 18 große Kanonen wurden als Siegeszeichen auf den Domshof gestellt; dort blieben sie, bis 10 Jahre später beim Frieden, Herzog Erich sie für 600 Thaler einlöste. Und als die Sieger mit Sang und Klang und unter Glockengeläute in die befreite Stadt einzogen, da war der Bremer Freude und Jubel groß, und ihre Dankbarkeit gegen die Hansen, sonderlich die Hamburger, die mit Schiffen und Kriegsvolk so treu zu ihnen gestanden, solle in Ewigkeit nicht enden, so sagten sie. | ||
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| + | Der Mansfelder, der Oldenburger, | ||
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| + | Darnach zogen die Hamburger über Ottersberg und Rothenburg wieder nach ihrer Stadt, und die 7 Kriegsschiffe segelten auch wieder von Bremen ab und kamen zurück. Worauf das Kriegsvolk meistentheils abgedanket und mit ehrlichem Zehrgelde entlassen wurde. Herr Cord Penningk aber blieb Oberster der Stadt-Besatzung, | ||
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