sagen:hamburgsagen073
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| + | ====== Wahrhaftige Historia von der Anwesenheit des Königs Christian III. von Dänemark in Hamburg ====== | ||
| + | (1538) | ||
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| + | Durchaus geschichtlich, | ||
| + | der von Lappenberg herausg. Hamb. Chroniken, nacherzählt. Viele Einzelheiten sind aus andern | ||
| + | handschriftl. und gedruckten Chroniken eingefügt. | ||
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| + | === I. Ankündigung === | ||
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| + | Es war im März 1538, als zu [[geo: | ||
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| + | === II. Empfangs-Vorbereitungen === | ||
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| + | Sobald E. E. Rath die Botschaft vernommen, berathschlagte er fleißig, was zu thun sei, um Ihrer Majestät einen guten, auch der Stadt nützlichen Empfang zu bereiten. Der König, der allen Bürgern noch in gutem Gedächtniß war, seit er Ao. 1525 als leutseliger und ritterlicher Herzog Carsten, damaliger Kronprinz, alle Herzen gewonnen hatte, verdiente schon deshalb ein Uebriges. Dazu kam, daß es galt, der Stadt seine Gewogenheit, | ||
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| + | Der Monat April verging fast mit solchen Berathungen. Endlich war alles in Betreff der Feierlichkeiten beim Einzuge, der Beherbergung, | ||
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| + | Und am 30. April war E. E. Rath auch fertig mit seinem Entschlusse, | ||
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| + | So weit waren denn die Vorbereitungen getroffen, als der Einzug nahe bevorstand. Unsre Gesandten waren längst von Braunschweig zurück, und der König schon in Lauenburg, bei Herzog Magnus, seinem Schwiegervater, | ||
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| + | === III. Des Königs Ankunft === | ||
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| + | Der Tag der Ankunft des Königs war der 1. Mai, Mittewochs vor dem Sonntage Misericordias Domini. Da machten sich auf, den Majestäten entgegen zu reiten, sie an der Grenze zu empfangen und herein zu geleiten: die Bürgermeister Albert Westede und Johann Rodenborg, und mit ihnen 14 der angesehensten Bürger: Claus Rodenborg, Tilo Rigel, Hinrich von Holte, Jochim Twestreng, Hermann von Hutlem, Hans Wichtenbeck, | ||
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| + | Als der König auf die Grenze gekommen ist, haben die Bürgermeister ihn mit einer sehr wohl gesetzten Anrede schön willkommen geheißen, worauf er gar freundlich geantwortet, | ||
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| + | Desselbigen Tages kam auch mit stattlichem Gefolge der junge Herzog Franz von Lüneburg an, der bekam sein Quartier in Jürgen von Zeven’s Hause in der (alten) Gröningerstraße, | ||
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| + | Am folgenden Tage, Donnerstag, den 2. Mai, ist der König, von seinen Rittern und Junkern zu Fuße begleitet, feierlich nach der St. Catharinen-Kirche geritten. Da wurde discantirt und das Te Deum laudamus gesungen, und der Pastor, Herr Stephan Kempe, hielt einen schönen Sermon. Nach Mittag ist der König, der schon von dem bevorstehenden Turnier vernommen, nach der Rennbahn auf dem Hopfenmarkt geritten; daselbst hat er alle Anstalten besichtigt und gut befunden, auch seine Hengste darauf versucht. | ||
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| + | === IV. Von Staats-Geschäften === | ||
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| + | Am Freitage, den 3. Mai, Nachmittags, | ||
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| + | Nach Beendigung des Gottesdienstes kamen alle Betheiligten auf dem großen Rathhause zusammen. Und auf der einen Seite der Halle saß in einem Armsessel der König; sein Geheimer Rath Johann Rantzau stand neben ihm, die übrigen Räthe und Ritter aber standen dahinter. Auf der andern Seite saß auf einem Stuhle der worthaltende älteste Bürgermeister Dietrich Hohusen, ein hochbejahrter rüstiger Herr, schon 33 Jahre im Rathe und seit 21 Jahren Bürgermeister; | ||
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| + | So war nun diese wichtige Sache glücklich abgehandelt und jeder Theil völlig zufrieden gestellt und lobte Gott im stillen Herzen. Und der alte Herr Hohusen strich sich vergnügt den silberweißen Bart und ließ durch den Herrenschenken und die Diener Zuckerkraut (Confect) und Rheinischen Wein umherreichen, | ||
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| + | === V. Von allerlei Lustbarkeiten === | ||
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| + | Selbigen Tags (den 4. Mai), nach glücklicher Erledigung der Staatsgeschäfte, | ||
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| + | Gegen acht Uhr Abends kamen also die Fürstlichkeiten mit Ritter- und Adels-Gefolge und allem Hofgesinde aufs Eimbeck’sche Haus, allwo E. E. Rath sie gar herrlich mit Trompeten und Pauken empfing. Oben in der großen Halle waren die 80 Bürger sammt ihren Hausfrauen, Töchtern und Söhnen in Sonntagsröcken und Festgeschmeide schon versammelt. Und das Tractement, so der Rath aus Stadt-Kosten den Herrschaften vorsetzte, war über die Maaßen gut, und machte dem Raths-Koch wie dem Raths-Kuchenbäcker, | ||
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| + | Nächsten Tages, am 5. Mai, war der Sonntag Misericordias Domini. Da ritt der König nebst Gefolge zum Dom und nahm seinen Platz auf dem hohen Chor, wo man nach altem Brauch das Evangelium absang. Die beiden jungen Fürstensöhne, | ||
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| + | Zur Mittagstafel in des Königs Herberge kamen geladenermaaßen sämmtliche Herren des Rathes und die Bürger. Da zwar alle achtzig gebeten waren, aber nicht Platz gefunden hätten, so erschienen auf des Raths Anordnung aus jedem Kirchspiel nur fünf, mithin zwanzig zusammen. Die beiden jungen Fürsten waren auch recht lustig dabei. Das Gastmahl fand zur frühen Stunde statt, etwa um 10 Uhr, und als es 11 Uhr schlug, da hob der König die Tafel auf. Denn es sollte Nachmittags das Turnier sein, und er mochte lieber die Zeit diesem Vergnügen, als den Freuden der Tafel gönnen. | ||
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| + | === VI. Vom Turnier === | ||
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| + | Gleich nach der Mahlzeit ritt der König, in eitel Roth gekleidet, nach der Deichstraße am Orde des Hopfenmarktes, | ||
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| + | Darauf turnierten andere Ritter mit einander, der blieb fest im Sattel, jener wurde in den Sand geworfen; oft fielen Beide. Nach Verlauf einer Stunde stach der König abermals mit einem andern Edelmann, den stach er ab, daß er unsanft vom Pferde kam. Darnach stach derselbe Edelmann mit Christopher von Veltheim, und beide fielen ab. Darauf stach ein Paar in Kürassen, der Eine kam zweimal zu Falle; ein anderes Paar stach scharf, auch der junge Lauenburger Fürst turnierte im vollen Küraß mit zweien Rittern; und so ging das Turnieren fort, so lange noch einige Ritterbürtige da waren, die solcher Ergötzung zu Liebe Knochen und Haut feil tragen mochten. | ||
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| + | Als nun dieser Lust genug gethan war, begann eine andere. Abends gegen 8 Uhr fand abermals auf dem Eimbeck’schen Hause ein Banquet und Tanzgelag statt; König, Königin und Prinzessin, die jungen Fürsten und alle Ritter, Junker und Hofdamen waren zugegen und tanzten bis 10 Uhr. Dabei ward geschenkt Rheinwein, Eimbecker Bier, Hamburger Bier, so viel als man nur trinken konnte und mochte; es ging hoch her, und wohl an 100 Gläser wurden bei dem Vergnügen entzwei gestoßen. Darnach auf die Letzt wurde der König von all den guten Dingen so ausnehmend lustig, daß er in seiner Fröhlichkeit der Königin die Flege (Haube) vom Kopfe stieß, und dann allen andern Frauen und Jungfern desgleichen, | ||
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| + | === VII. Abermals Arbeit, abermals Kurzweil === | ||
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| + | Montag, den 6. Mai, Vormittags, ritt der König wieder aufs Rathhaus und handelte fleißig in der Papen-Sache bis Mittags. Es wollte wieder nichts helfen, die Katholischen vom Capitel forderten vom Rath die Herstellung der abgeschafften Ceremonien, und zumal die Wiedererstattung der dem Lutherthume zugewendeten Kirchengüter, | ||
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| + | Dingstag, den 7. Mai, ruhete der König ein wenig aus, Nachmittags fuhr er auf der Alster in einem kleinen, schön verzierten Ever spatzieren. Hernach gegen 5 Uhr, da er wieder in seiner Herberge in Ebert Huge’s Hause war, überraschten die beiden jungen Fürsten von Lauenburg und von Lüneburg die königlichen Personen gar ergötzlich; | ||
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| + | Am Mittwoch, den 8. Mai, handelte der König noch einmal (aber in seiner Herberge) in der Papen-Sache von Morgens 7 bis Nachmittags 2 Uhr, also 7 Stunden lang, was keine Kleinigkeit ist. Und obwohl der König sich selbst so großer Mühe dabei unterzog, so haben doch die Papen in keiner Weise sich schicken wollen. Blieb also diese leidige Stadtsache noch unausgetragen. | ||
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| + | === VIII. Abreise und Schluß === | ||
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| + | Am Donnerstag, den 9. Mai, also am neunten Tage nach des Königs Ankunft, erfolgte die Abreise Ihrer Majestäten. Nach dem glänzenden Einzuge und herrlichen Empfange, und nach so manchem kostbaren Beweise der Gastfreiheit der Hamburger, hatte der König sich alle Feierlichkeiten beim Abzuge freundlich verbeten, und wollte ganz incognito, ohne daß irgend Aufhebens davon gemacht werde, sich verabscheiden. Es war früh Morgens, als er seinem Wirth Ebert Huge zum Balett die Hand reichte und mit kleinem Gefolge von fünf Reitern durch die Stadt nach dem Dammthore ritt. Dort sah man den König im grauen Mantel rasch zum Thore hinaussprengen und nach dem Grindel reiten; da war der Sammelplatz seines Gefolges. Dort traf auch gleich nach ihm seine Gemahlin ein. Und als 40 Mann beisammen waren, setzte der Zug sich in Bewegung und verließ bald darauf die Hamburger Grenze. | ||
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| + | Und hiermit endet die wahrhafte Geschichte von des glorwürdigen Herrn Christian III., Königs von Dänemark, hochpreislicher Anwesenheit zu Hamburg vom 1.–9. Mai 1538. | ||
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