sagen:hamburgsagen064
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| + | ====== Die Hand, die aus dem Grabe gewachsen ====== | ||
| + | (Um 1500) | ||
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| + | Meyer, Domkirche S. 69, erzählt der Sage Kern sehr kurz; umständlicher spricht er S. 51 | ||
| + | über den Christmarkt im Dom. Der Vers im Anfange dieser Geschichte ist ein | ||
| + | volksthümlicher: | ||
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| + | Es waren einmal, so erzählt die Sage, ein Paar schlichte ehrliche Eheleute in Hamburg, Dietrich und Geseke Voß, die nährten sich rechtschaffen und erzogen ihre Kinder zur Gottesfurcht und Arbeit. Die Kinder schlugen auch alle gut ein, bis auf einen Buben, Hans, der war schon von Kindesbeinen an ein Taugenichts und so unbändig und versessen auf dumme Streiche aller Art, daß keine Vermahnung mit Furcht und Zittern mehr bei ihm verfing, sondern der Junge täglich bösartiger wurde. Und in der ganzen Nachbarschaft war er so verrufen, daß alle Naberkinder ihm aus dem Wege gingen, und der Schulmeister keinen fand, der bei ihm sitzen wollte. Und dabei fing er schon früh an, erst zu naschen, dann zu prassen, und jeden Schilling, der in seine Hände fiel, den verjubelte er. Und die Gassenjungen sangen von ihm den Spottreim: | ||
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| + | „Hans Voß heet he,\\ | ||
| + | Schelmstück weet he,\\ | ||
| + | De he nich weet, de will he lehren,\\ | ||
| + | Huus und Hof will he vertehren.“\\ | ||
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| + | Und die ehrlichen Eltern wurmte das, und sie gedachten den Jungen noch schärfer ins Gebet zu nehmen, um zu versuchen, ob sie ihm nicht noch die Liebe zum Guten, zu seinen Eltern und Mitmenschen einbläuen könnten. Und nun droschen sie rechtschaffen auf den Buben; der aber ward immer verstockter und herzenshärter, | ||
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| + | Da aber that der liebe Gott ein Einsehen. Vielleicht wollte er den guten Eltern die Schmach und Schande ersparen, ihren Sohn später am lichten Galgen hängen zu sehen, denn so hoch wollte er hinaus, das war klar. Gott schickte Krankheit, daran verstarb der böse Bube. Und als er begraben war auf dem Doms-Kirchhof, | ||
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| + | Da war ein Canonicus am Dom, ein weiser frommer Herr, der wußte endlich Rath, und ließ durch des Domvogtes Schwert, das zuvor geweiht war, die Hand abhauen und in den Dom tragen, woselbst er sie auf ein Mauer-Gesimse, | ||
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| + | Die abgehauene Hand aber blieb auf ihrer Stelle im Dom und verdorrte und wurde steinhart, verging aber nicht; und alljährlich zur Adventszeit, | ||
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| + | Und der Domherr Dr. Meyer, der letzte Canonicus des tausendjährigen Stiftes, der im Jahre 1844 gestorben ist, der hat die Hand noch gesehen. Wo sie aber später geblieben ist, das weiß man nicht. Vielleicht wär’s gut, wenn sie noch jetzt vorhanden wäre und alljährlich einmal den Kindern eine kleine Lection ertheilen könnte. | ||
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sagen/hamburgsagen064.1711537034.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
