sagen:hamburgsagen060
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| + | ====== Des Teufels Stiefeln ====== | ||
| + | (Um 1470) | ||
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| + | Meyer (Blick auf die Domkirche S. 60) theilt sehr summarisch den Kern dieser Sage mit, | ||
| + | welche ich durch das hinzugefügte Wendische Gewand motivirte. Der Wendenhaß in hier | ||
| + | erzählter Weise ist völlig geschichtlich, | ||
| + | Verwaltung I. 161. Note *) Laurent, in der Zeitschrift für Hamb. | ||
| + | Geschichte I. 161. S. auch Heß, Topographie I. 279. | ||
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| + | Vor vielen Jahrhunderten kam aus dem Pommerlande ein Schustergesell hieher, der hieß Hans Radegast. Weil gerade das Schusteramt viele Gesellen verloren hatte, die vom Morgensprachs-Herrn Tumults halber zum Wandern verurtheilt waren, so fand Hans Radegast in der Herberge gleich Arbeit, ohne daß man ihn um Geburtsbrief und Wanderbuch befragte. Weil er nun ein geschickter anstelliger Gesell war, so behielt ihn der Meister gern und dachte nur bei sich: der Hans Radegast sieht zwar aus als ein Wende und ist aus Pommerellen eingewandert, | ||
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| + | Hans Radegast aber wußte sehr wohl, daß er ein Wende war, und hätt’s nicht bergen können, weil er kein brieflich Zeugniß hatte, als ächt, recht und Deutsch geboren, und man sah’s seinem Gesicht auch gleich an, daß seine Mutter eine Wendische Hexe konnte gewesen sein. So lange er unter den Pommerellen gewesen war, hatte er dess’ kein Arg. Als er aber nach Lübeck und von da nach Hamburg kam, und unter den Deutschen lebte, da ward ihm sein Unglück inne, dieweil er so viel vernahm von der Wenden Bosheit und Grausamkeit, | ||
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| + | Nun wäre das wohl so gegangen, aber Hans Radegast warf sein Auge auf eine feine Jungfer, die wollte er heirathen, und zuvor Meister und Bürger dieser Stadt werden. Das Geld dazu hatte er sich schon erspart. Altflicker oder Schuhknecht hätte er leichter werden können, aber dann hätte ihn die feine Jungfer nicht genommen, die trug einen hohen Sinn und wollte nur einen Meister haben, daran sie auch merken konnte, ob er ein Wende oder nicht. Wie er sich aber bei dem Morgensprachs-Herrn meldet und thut seinen Spruch und begehrt das Amt, da treten die Alterleute auf und fragen nach dem Geburtsbrief, | ||
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| + | Und da er nun gegen Mitternacht still und allein in der Kammer saß und bei seinem unmöglichen Unterfangen schier verzweifelte, | ||
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| + | Und als andern Tags die Alterleute kamen und die Stiefel besahen und keine Nath daran befanden, entsetzten sie sich, und mußten ihr Wort lösen, und Hans Radegast als Meister erkennen. Und ob er nun auch ins Amt kommen ist, so hat’s ihm doch nicht geholfen, denn als er vor E. E. Rathe den Bürgereid leisten will, und vergisset sein Pactum, und spricht die Worte aus: „alse my Gott helpe und syn hilliges Word,“ da fällt plötzlich ein Donner und Wetter vom Himmel mit Dampf und Rauch, und Hans Radegast ist strax nach Nennung des Namens Gottes zu Boden geschlagen und nimmer wieder aufgestanden. | ||
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| + | Und als die Herren des Raths sich von ihrer Bestürzung erholet, und durch ihre Diener den todten Mann aufheben lassen, da hat er das Gesicht im Nacken und die Zunge schwarz zum Halse herausgereckt, | ||
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| + | Und die Alterleute des Schuster-Amtes haben billig Bedenken getragen, mit den Stiefeln sich zu befassen, so klärlich ein Meisterstück des leidigen Satanas, und haben sie in den Dom getragen, allwo unter den geistlichen Herren ein geschickter Teufelsbanner, | ||
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sagen/hamburgsagen060.1711531630.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
