sagen:hamburgsagen018
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| + | ====== Der Bardowiker und Zippelweiber Gerechtsame ====== | ||
| + | (1189) | ||
| + | Schlüter, Tractat von den Erben 635. | ||
| + | Schlöpcke, Chronik von Bardowik 206. | ||
| + | Hübbe, Hamb. Ausruf 33. | ||
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| + | Als Ao. 1189 Heinrich der Löwe, Herzog von ganz Sachsen, die alte und große Stadt Bardowik lange Zeit erfolglos belagert und eben zwei Tage lang vergeblich gestürmt hatte, da verirrte sich ein Stier ins Lager, von dem erkundet wurde, daß er der Stadt-Bulle von Bardowik sei. Hierauf wurde nun ein Anschlag, in die wohlverwahrte Stadt zu kommen, gegründet; man ließ den Bullen frei gehen und folgte seiner Spur. Er sah sich auch kaum ungehindert, | ||
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| + | Es heißt aber, Herzog Heinrich wäre deshalb so ergrimmt auf die Stadt gewesen, weil die Bardowikerinnen ihm höchst despectirlich begegnet seien, als er vor den Thoren gestanden. Da sollen sie ihm nämlich nicht ihre beste Seite gezeigt haben, sondern den Rücken und was darunter sitzt, über welche unmanierliche und unehrbare Verspottung der Herzog sich denn so sehr entrüstet habe. Dies bezeugt ein alter Niedersächsischer Chronist, der auch Ehrbare Rathsherren an jener häßlichen Verunglimpfung theilnehmen läßt, und hinzufügt : „da dat de Hertog sach, da word he erst grimmig als en Leu.“ | ||
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| + | Die Bardowiker haben sich von diesem Unglück und einer nochmaligen Einäscherung 200 Jahre später nie wieder zur Höhe einer Stadt erheben können, und sind beim Dorf oder Flecken stehen geblieben; einen Dom und ein Stift giebt’s noch da und viele alte Erinnerungen, | ||
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| + | Und vorerst haben sie die vielen großen Granit-Quadersteine ihrer Mauern und Häuser, die ihnen nun nichts mehr nützten, an die Hamburger verkauft, die ihrer bedurften, und damit ihre Felsen-Vorsetzen längs des Elbarmes oder Flethes vom Oberbaum, am Winserthor, Dovenfleth, bei St. Catharinen vorbei, längs der Stadtmauer (bei den Mühren), Kayen, bis zum Niederbaum am Scharthor aufgebaut haben, wie man noch jetzt deutlich wahrnehmen kann, wenn man darnach suchen will. | ||
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| + | Die Bardowiker haben dafür erhalten 300 [M.]((lübische Mark)) Silbers und ein Haus unweit der St. Catharinen-Kirche, | ||
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| + | Ao. 1604 schickte der Rath zu Bardowik Gesandte hieher, um wegen des Hauses einen neuen Vertrag mit der Kammer zu machen, wonach diese dafür 110 [M.] Crt. jährlich Miethzins bekommt; und schon 1535 war das älteste Zippelhaus durch ein anderes ersetzt, und 1674 baute man wieder ein neues, und vor etwa 30 Jahren ist es stark reparirt. Aber die Kämmerei bauet den armen Bardowikern jdesmal nur ein ganz schlechtes, scheunenartiges Haus, und das steht doch (am Fleth) auf den mächtigen Quadersteinen ihrer eigenen vormaligen Mauern, so daß sie daselbst auf ihren Trümmern sitzen und immer der alten Herrlichkeit gedenken müssen. Nächstes Mal, wenn wieder ein neues Zippelhaus gebaut wird, dann möge die Kammer ein Uebriges thun und ein stattliches Gebäu hinsetzen, dessen Bauart an die Geschichte erinnert, mit allerhand Symbolen und Emblemen. | ||
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| + | Aber einen Bullenkopf dürfte man dabei nicht anbringen, sonst ginge kein Zippelweib oder -Mädchen in das Haus. Denn dem Stadtbullen von 1189, der durch seine grenzenlose Dummheit die Stadt verrathen und alles Unheil seitdem verursacht hat, dem haben’s Enkel und Urenkel und alle Nachkommen bis auf den heutigen Tag nicht vergessen und tragen’s ihm nach, und wenn man sie an die alte Geschichte erinnert und neckweise sich nach des Bullen Befinden erkundigt, so werden die sonst so sanften stillen Frauen zornig und boshaft und ihr weißes Antlitz wird krebsroth und ihr gutmüthiger Mund schleudert arge Scheltworte. | ||
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| + | Was wußten wir zehnjährigen Schuljungen von dieser Geschichte und ihrer Bewandtniß? | ||
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| + | Uebrigens geht noch immer die Sage: sobald im Zippelhause ein Kind geboren werde, das keinen Vater habe, dann falle das Haus an die Stadt zurück, und mit der ganzen Bardowiker Gerechtsame sei’s rein aus. Solch ein Unglück ist aber noch niemals vorgefallen. | ||
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sagen/hamburgsagen018.1711520495.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
