sagen:hamburgsagen015
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| + | ====== Das große Blutbad in Hamburg ====== | ||
| + | (1072) | ||
| + | Diese Sage theilt Schlüter mit im Tractat von den Erben S. 619 aus einem Plattdeutschen | ||
| + | Manuscript: „Passional, | ||
| + | ist unrichtig, es kann nur die doppelte Zerstörung Hamburgs im Jahre 1072 unter Kruko | ||
| + | gemeint sein. Auch der Name Baruch habe ich in Baruth geändert. – von Heß (Topographie. I. 400) | ||
| + | erklärt sehr gezwungen blootlos für blüthenlos. | ||
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| + | Um die Zeit, als [[geo: | ||
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| + | Und zur gerechten Strafe für solche Frevel hat es sich begeben, daß diese Wendische Tyrannin, nachdem sie zwei Jahre lang ihre nahe Entbindung vergebens erwartet, eine abscheuliche Mißgeburt mit zwei Köpfen, Eselsohren und Bärentatzen zur Welt gebracht hat, und während der Geburt Todes verfahren ist. Das erschreckliche Kind aber hat zu Aller Entsetzen zu reden begonnen, und, gleichsam als Leichen-Sermon für die Mutter geschrieen: meine Mutter ist todt, dem [[wesen: | ||
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| + | Und als der Wendenfürst Baruth dies wahrgenommen, | ||
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| + | Wie nun die Christen also gemartert sind, siehe, da hat sich eine Stimme vom Himmel vernehmen lassen, die sprach: „Leidet getrost und fürchtet Euch nicht vor der Heiden Tyrannei, denn Eure Namen sind geschrieben in dem Buche des Lebens und die Krone des Paradieses wartet auf Euch.“ Durch diese göttliche Stimme sind alsobald viele der heidnischen Wenden in sich gegangen und haben sich zu Christum bekehret, und haben mit den noch übrigen Christen die Märtyrerkrone erwählet, denn der Wendenfürst und seine Kriegsleute ruhten nicht eher, als bis der letzte Christ Gott preisend in sein Blut gesunken war. | ||
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| + | Und als es nun Abend geworden und die heilige Weihenacht angebrochen war, und tiefes Schweigen und Finsterniß das entsetzliche Blutbad und die zerstörte Stadt voller verstümmelter Leichen umhüllte, und die Heiden von ihrer Mordarbeit ruheten, da ist hoch am Himmel ein hellklarer Glanz erschienen und die Stimmen vieler Engel haben sich hören lassen, wie damals aus dem Felde bei Bethlehem: „Ehre sei Gott in der Höhe.“ | ||
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| + | Der kleine Weg aber, der blutlos geblieben war, hat nachmals, als die Christen die Heiden wieder verjagt und Hamburg wieder neu erbauten, zum Andenken an dies Märtyrerthum der Vorfahren, den Namen „blootloser Weg“ erhalten. Und wie das Nicolai-Kirchspiel entstand und Häuser dahin kamen, blieb die Benennung „blootlose Twiete.“ Darnach wohnten viele Korbmacher dort, die sich einander die Nahrung wegnahmen, so daß Keiner sein Brodt genügend fande die nannten drum ihr Gäßlein „die brodtlose Twiete.“ Und lange Zeit hieß sie so, denn die Nachkommen hatten die Geschichten und Sagen der Vorfahren längst vergessen, und nach der [[zeit: | ||
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sagen/hamburgsagen015.1711520466.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
