sagen:hamburgsagen012
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| + | ====== Adalbert, Erzbischof von Hamburg ====== | ||
| + | (1043–1072) | ||
| + | Hauptsächlich nach der milderen Auffassung Adam’s von Bremen. (III.) | ||
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| + | Erzbischof Adalbert hegte für seine Metropolis Hamburg eine große Liebe, und allemal residiere er hier, so oft seine vielen Kirchen- und Staats-Geschäfte und seine dem Kaiser und Reiche gewidmeten Dienste, die ihn zu unaufhörlichen Reisen zwangen, dies gestatteten. Und da von der Hamburgischen Kirche aus seit deren Gründung das Christenthum im ganzen Norden verbreitet worden war, ob zwar unter unsäglichen Kämpfen und dem Märtyrerthum so vieler heiliger Sendboten, so nannte Adalbert Hamburg „die gesegnete Mutter aller Völker des Nordens,“ welcher er um so freudiger Liebe und Ehrerbietung zolle, und um so eifriger hülfreiches Sorgen darbringe, je näher der Feind stehe, der ihre Herrschaft seit Jahrhunderten gleichsam wie ein Sieb durchlöchert habe. Und um deswillen bauete er später das Castell auf dem Süllenberge. | ||
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| + | So lange diesseits der Elbe Friede war, pflegte der Erzbischof alle Ostern- und Pfingst-, auch wohl Mutter-Gottes-Feste in Hamburg zu feiern, wo er in der Burg seiner Vorgänger, der Wiedenburg, Hof hielt und in der Domkirche das Hochamt selbst verwaltete. Zur Verherrlichung dieser hohen Feste zog er aus allen Stiftern seiner beiden Diöcesen eine Menge von Geistlichen, | ||
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| + | Erzbischof Adalbert war ein Mann von ungewöhnlich großen Gaben und Gnaden. Bei einer vollkommenen Körper-Schönheit und Kraft vereinigte er in sich so viele Tugenden und Vorzüge des Geistes wie des Gemüthes, daß es nur dem unglücklichen Gange der Weltbegebenheiten, | ||
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| + | Adalbert’s bitterster Feind war Herzog Bernhard von Sachsen, der Billunger, welcher, wenn er zu Hamburg weilte, in der von ihm auf den Trümmern des alten Castells Karls des Großen erbauten Alsterburg residirte. Nicht allein die Eifersucht des Landesherrn war die Ursache solcher Feindschaft, | ||
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| + | Auch außer den hohen Festen weilte Adalbert zur Sommerszeit oft mondenlang in Hamburg, der ihm so theuren Stadt. Hierher beschied er die Gesandten der nordischen Völker, hier empfing er die Besuche der Fürsten und Dynasten der Germanischen wie der Slavischen Stämme. Er that in Hamburg Allen wohl, die ihm naheten; die Bürger ehrte er und förderte neben dem geistigen auch ihr irdisches Wohl, wo und wie er nur konnte; zum Ausbau der Stadt gab er willig Vorschub; | ||
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| + | Kummer und Widerwärtigkeit, | ||
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| + | Aber während er von Schmeichlern und Schmarotzern umringt, nur Lobpreisungen seiner Größe und Würdigkeit vernahm, während Wahrsager, Traum- und Zeichendeuter (die sein hoher Geist hätte verachten müssen) seinen schrankenlosen Wünschen die eitlen Trugbilder nahender Erfüllung vorspiegelten, | ||
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| + | Doch zuletzt brach wohl sein starrer Stolz, wozu nach seiner eigenen Erzählung ein wunderbares Gesichte beigetragen hat, das er erlebte. Er sah sich nämlich um Mitternacht in der Domkirche zu Hamburg in Gemeinschaft mit seinen vierzehn Vorgängern im Bisthum feierlich die Messe begehen. Erzbischof Alebrand, der die Mysterien vollzog, wandte sich nach Verlesung des Evangelii den Anwesenden zu, um deren Opfer zu empfangen, und als er an Adalbert kam, wies er mit strengem Blicke und diesen Worten dessen Gabe zurück: Du hochgeborner, | ||
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| + | Aus seiner Hamburgischen Diöcese, wo er geliebt und verehrt wurde, durch blutdürstige Heiden vertrieben, die das mühsame Werk so vieler heiliger Männer und eins der wichtigsten Bollwerke der Christenheit zertrümmerten, | ||
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| + | Er aber erkrankte schwer zu Goslar am Harze, wo er dennoch thätig wirkte für den Kaiser Heinrich IV., den einzigen Menschen, an dem seine Seele mit väterlichster Liebe und treuester Hingebung hing, den er erzogen hatte, der sein Glück war wie sein Schmerz! Dieser allein durfte den Sterbenden besuchen, dessen großer Geist den schwachen Körper so standhaft aufrecht erhielt, daß kein Klagelaut, kein Seufzer seinen Lippen entflohen ist. In den letzten Stunden hat er viel gelitten, viel gebüßt, viel göttliche Gnade empfangen. Gott mißt mit anderem Maaßstabe als wir Menschen. Er starb am 16. März 1072 und hinterließ außer Büchern und Reliquien nichts als allein bei den Armen und Kranken untröstliche Trauer über seinen Verlust. Seine Leiche ward nach Bremen gebracht und im Chore der von ihm erbauten Domkirche bestattet. Denn sein Wunsch, in der Mutterkirche zu Hamburg beerdigt zu werden, konnte nicht erfüllt werden; Hamburg war eine Beute der Heiden. | ||
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sagen/hamburgsagen012.1711520435.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
