sagen:hamburgsagen011
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| + | ====== Von Naturwundern, | ||
| + | (1020) | ||
| + | Nach ungedruckten Chroniken. Gewiß ist, daß vor der Eindeichung der Marschen schon Ureinwohner | ||
| + | daselbst auf Erderhöhungen, | ||
| + | Das Vermächtniß des Radecke vom Jahre 1416 erwähnt Staphorst, Hamb. Kirchengeschichte II. 841. | ||
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| + | Im Vorwinter des Jahres 1020 erschien zu öfteren Malen die Sonne mit einem lichten, breiten Kreise umgeben, in welchem viele Kreuze sichtbar waren. Und allnächtlich war der Schnee, der die Erde bedeckte, wie eine langsam wallende, rothe Feuersgluth anzusehen. Solche Abirrungen der Natur von ihren sonst so unwandelbaren Gesetzen konnten nichts Gutes bedeuten, und da obendrein die Winterkälte so entsetzlich hart war, daß viele arme Leute todt froren, so ermahnte der fromme Erzbischof Unwannus Geistliche wie Laien zu außerordentlichen Gebeten, zur Buße und Besserung, dieweil ein Gericht Gottes im Anzuge sei. | ||
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| + | Bald darnach schwollen nun auch Elbe und Weser furchtbar an, und ergossen ihre Fluthen mit Sturm und Ungewitter über die Uferlande, daß die meisten Menschen auf der schnellen Flucht nur das nackte Leben retteten und unzählig viele jammervoll umkamen. Und während der drei Tage und drei Nächte, daß die Überschwemmung dauerte, haben die Fluthen der Elbe und Weser zischend gebrodelt und geballt, als wenn sie kochten und siedeten, und die Wellen haben wie Feuersflammen empor geleckt, so daß Feuer und Wasser, sonst einander so feindliche Elemente, Eins geworden waren. | ||
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| + | Nachdem nun solche Empörung in der Natur sich gelegt und die Fluthen allgemach sich verlaufen, hat man an vielen Stellen todte Menschen gefunden, die lagen in großen Haufen beisammen und waren durch todte Schlangen, welche sich um sie gewickelt, dergestalt mit den Gliedern verschlungen, | ||
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| + | Diese Hügel sind nach und nach eingesunken und niedriger geworden; und später, als sich immer mehr Menschen ansiedelten in den flachen, von ihnen eingedeichten Marschen, da errichteten die ersten Anbauer ihre Wohnungen gern auf diesen Erhöhungen, | ||
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| + | Gleich jenseits Grevenhof und dem Griesenwärder gegenüber liegt eine Elbinsel, deren Hamburgischer Theil „Roß,“ der Hannoversche aber „Neuhof“ heißt. Den Neuhof nannte man noch vor 150 Jahren „den Kirchhof.“ Denselben meinte der fromme Mann Radecke to der Monnicke, als er Ao. 1416 die Seelmessengelder zu St. Jacobi um 10 [M.]((Lübische Mark)) Jahres-Renten vermehrte, um dafür unter Anderem „das Gedächtniß der armen Seelen zu begehen, deren Leiber aus dem wüsten Kirchhof beim Griesenwärder ruhen.“ Es liegt nahe, einen der Begräbnißplätze von 1020 mit diesem „wüsten Kirchhof“ von 1416 in Verbindung zu bringen. | ||
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| + | Ja, wenn man nur immer wüßte, was Alles auf der Stelle passirt ist, wo man jetzt in behaglicher Länge und Breite sich streckt und dehnt, dann würde manch’ wunderbares Ding, was wir jetzt, obschon unenträthselt, | ||
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| + | Solch ein alter Leichenhügel kann nämlich einst auch dort gewesen sein, wo jetzt die Straße „der Holländische Brook“ sich befindet; bevor dieser Platz innerhalb der Stadt und Festungswerke zu liegen kam, war er ein Theil des Grasbrooks. Dann mag der Wall die Erde des Grabhügels, | ||
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sagen/hamburgsagen011.1711520349.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
