sagen:grimmds2-561
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| ====== Der Wartburger Krieg ====== | ====== Der Wartburger Krieg ====== | ||
| - | Auf der [[burg:wartburg|Wartburg]] bei [[geo:eisenach|Eisenach]] kamen im Jahr 1206 sechs tugendhafte und vernünftige Männer mit Gesang zusammen, und dichteten die Lieder, welche man hernach nennte: den Krieg zu der Wartburg. Die Namen der Meister waren: Heinrich Schreiber, [[vip:walter_von_der_vogelweide|Walter von der Vogelweide]], | + | Auf der [[burg: |
| Sie sangen aber, und stritten von der Sonne und dem Tag, und die meisten verglichen [[vip: | Sie sangen aber, und stritten von der Sonne und dem Tag, und die meisten verglichen [[vip: | ||
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| Heinrich von Ofterdingen sang nun klug und geschickt; allein zuletzt wurden ihm die andern überlegen, und fingen ihn mit listigen Worten, weil sie ihn aus Neid gern von dem Thüringer Hof weggebracht hätten. Da klagte er, daß man ihm falsche Würfel vorgelegt, womit er habe verspielen müssen. | Heinrich von Ofterdingen sang nun klug und geschickt; allein zuletzt wurden ihm die andern überlegen, und fingen ihn mit listigen Worten, weil sie ihn aus Neid gern von dem Thüringer Hof weggebracht hätten. Da klagte er, daß man ihm falsche Würfel vorgelegt, womit er habe verspielen müssen. | ||
| - | Die fünf andern riefen Stempfel, der sollte Heinrich an einen Baum hängen. Heinrich aber floh zur [[vip:sophia_von_wittelsbach|Landgräfin Sophia]], und barg sich unter ihrem Mantel; da mußten sie ihn in Ruhe lassen, und er dingte mit ihnen, daß sie ihm ein Jahr Frist gäben: so wolle er sich aufmachen nach [[land: | + | Die fünf andern riefen Stempfel, der sollte Heinrich an einen Baum hängen. Heinrich aber floh zur [[vip:sophiavonwittelsbach|Landgräfin Sophia]], und barg sich unter ihrem Mantel; da mußten sie ihn in Ruhe lassen, und er dingte mit ihnen, daß sie ihm ein Jahr Frist gäben: so wolle er sich aufmachen nach [[land: |
| Heinrich von Ofterdingen wanderte fort, kam erst zum Herzogen nach Österreich, | Heinrich von Ofterdingen wanderte fort, kam erst zum Herzogen nach Österreich, | ||
| - | [[vip: | + | Clingsor lobte diese sehr, und versprach ihm mit nach [[land: |
| - | Heinrich konnte vor Unruhe nicht schlafen; da gab ihm der Meister Abends einen Trank ein, daß er in tiefen Schlummer sank. Darauf legte er ihn in eine lederne Decke und sich dazu, und befahl seinen Geistern: daß sie ihn schnell nach [[geo:Eisenach]] in [[land: | + | Heinrich konnte vor Unruhe nicht schlafen; da gab ihm der Meister Abends einen Trank ein, daß er in tiefen Schlummer sank. Darauf legte er ihn in eine lederne Decke und sich dazu, und befahl seinen Geistern: daß sie ihn schnell nach Eisenach in Thüringerland schaffen sollten, auch in das beste Wirthshaus niedersetzen. Das geschah, und sie brachten ihn in Helgreven-Hof, |
| - | Bald wurde nun die Ankunft der beiden Gäste auf der [[burg:Wartburg]] bekannt, der Landgraf befahl den fremden Meister ehrlich zu empfahen, und ihm Geschenke zu tragen. Als man den Ofterdingen fragte „wie es ihm ergangen und wo er gewesen" | + | Bald wurde nun die Ankunft der beiden Gäste auf der Wartburg bekannt, der Landgraf befahl den fremden Meister ehrlich zu empfahen, und ihm Geschenke zu tragen. Als man den Ofterdingen fragte „wie es ihm ergangen und wo er gewesen" |
| - | Als diese Botschaft Landgraf Herrmann hinterbracht worden war, freute er sich und entbot | + | Als diese Botschaft Landgraf Herrmann hinterbracht worden war, freute er sich und entbot Clingsor zu sich auf die Wartburg, erwies ihm große Ehre und zog ihn zum fürstlichen Tische. Nach dem Essen ging er aufs Richterhaus (Ritterhaus), |
| Da hub der Geist zu singen an, von dem Anbeginne der Welt bis auf die Zeit der Gnaden: aber Wolfram wandte sich zu der göttlichen Geburt des ewigen Wortes; und wie er kam, von der heiligen Wandlung des Brotes und Weines zu reden, mußte der Teufel schweigen und von dannen weichen. Clingsor hatte alles mit angehört, wie Wolfram mit gelehrten Worten das göttliche Geheimniß besungen hatte, und glaubte, daß Wolfram wohl auch ein Gelehrter seyn möge. Hierauf gingen sie aus einander. | Da hub der Geist zu singen an, von dem Anbeginne der Welt bis auf die Zeit der Gnaden: aber Wolfram wandte sich zu der göttlichen Geburt des ewigen Wortes; und wie er kam, von der heiligen Wandlung des Brotes und Weines zu reden, mußte der Teufel schweigen und von dannen weichen. Clingsor hatte alles mit angehört, wie Wolfram mit gelehrten Worten das göttliche Geheimniß besungen hatte, und glaubte, daß Wolfram wohl auch ein Gelehrter seyn möge. Hierauf gingen sie aus einander. | ||
| - | Wolfram hatte seine Herberg in Titzel Gottschalks Hause, dem Brotmarkt gegenüber mitten in der Stadt. Nachts wie er schlief, sandte ihm Clingsor von neuem seinen | + | Wolfram hatte seine Herberg in Titzel Gottschalks Hause, dem Brotmarkt gegenüber mitten in der Stadt. Nachts wie er schlief, sandte ihm Clingsor von neuem seinen Teufel, daß er ihn prüfen sollte, ob er ein Gelehrter oder ein Laie wäre; Wolfram aber war blos gelehrt in Gottes Wort, einfältig und andrer Künste unerfahren. Da sang ihm der Teufel von den Sternen des Himmels, und legte ihm Fragen vor, die der Meister nicht aufzulösen vermochte; und als er nun schwieg, lachte der Teufel laut, und schrieb mit seinem Finger in die steinerne Wand, als ob sie, ein weicher Teig gewesen wäre: „Wolfram, du bist ein Laie Schnipfenschnapf!“ |
| - | Darauf entwich der [[typ:Teufel]], die Schrift aber blieb in der Wand stehen. Weil jedoch viele Leute kamen, die das Wunder sehen wollten, verdroß es den Hauswirth, ließ den Stein aus der Mauer brechen, und in die Horsel werfen. Clingsor aber, nachdem er dieses ausgerichtet hatte, beurlaubte sich von dem Landgrafen, und fuhr mit Geschenken und Gaben belohnt sammt seinen Knechten in der Decke wieder weg, wie und woher er gekommen war. | + | Darauf entwich der Teufel, die Schrift aber blieb in der Wand stehen. Weil jedoch viele Leute kamen, die das Wunder sehen wollten, verdroß es den Hauswirth, ließ den Stein aus der Mauer brechen, und in die Horsel werfen. Clingsor aber, nachdem er dieses ausgerichtet hatte, beurlaubte sich von dem Landgrafen, und fuhr mit Geschenken und Gaben belohnt sammt seinen Knechten in der Decke wieder weg, wie und woher er gekommen war. |
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