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sagen:grimmds2-535

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     Caspar Schütz Beschreibung der Lande Preußen 1599. fol. Bl. 102. 103.     Caspar Schütz Beschreibung der Lande Preußen 1599. fol. Bl. 102. 103.
  
-Im Jahr 1410 am 15ten Juli, ward bei [[geo:tanneberg|Tanneberg]], zwischen den Kreuzherren in Preußen und [[vip:wladyslaw_ii._jagiello|Vladislav, Könige von Pohlen]], eine große Schlacht geliefert. Sie endigte mit der Niederlage des ganzen Ordensheers; der Hochmeister Ulrich von Jungingen selbst fiel darin. Seinen Leichnam ließ der König den Brüdern zu Osterode zukommen, die ihn zu [[geo:marienburg|Marienburg]] begruben; das abgehauene Kinn aber mit dem Bart ward gen [[geo:krakau|Kraukau]] gebracht, wo es noch heutiges Tages (zu Caspar Schützens Zeit) gezeigt wird.+Im Jahr 1410 am 15ten Juli, ward bei [[geo:tannenbergpolen|Tanneberg]], zwischen den Kreuzherren in Preußen und [[vip:wladyslaw_ii._jagiello|Vladislav, Könige von Pohlen]], eine [[zeit:schlachttannenberg|große Schlacht]] geliefert. Sie endigte mit der Niederlage des ganzen Ordensheers; der [[vip:ulrichvonjungingen|Hochmeister Ulrich von Jungingen]] selbst fiel darin. Seinen Leichnam ließ der König den Brüdern zu Osterode zukommen, die ihn zu [[geo:marienburg|Marienburg]] begruben; das abgehauene Kinn aber mit dem Bart ward gen [[geo:krakau|Kraukau]] gebracht, wo es noch heutiges Tages (zu Caspar Schützens Zeit) gezeigt wird.
  
 Als der Hochmeister mit den Gebietigern über diesen Krieg rathschlagle, rieth der Comthur von der [[geo:christburg|Christburg]], Andreas Sangerwitz, ein Deutscher von Adel, treulich zum Frieden; unangesehen die andern fast alle zum Krieg stimmten, und der Feind schon im Lande war; welches den Hochmeister übel verdroß, und rechnete es ihm zur Furcht und Zagheit.  Als der Hochmeister mit den Gebietigern über diesen Krieg rathschlagle, rieth der Comthur von der [[geo:christburg|Christburg]], Andreas Sangerwitz, ein Deutscher von Adel, treulich zum Frieden; unangesehen die andern fast alle zum Krieg stimmten, und der Feind schon im Lande war; welches den Hochmeister übel verdroß, und rechnete es ihm zur Furcht und Zagheit. 
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 Demnach, als die Schlacht geschehen, und der Comthur umgekommen, hat solch eine Teufelei und Gespenst in dem Schlosse anfangen zu wanken und zu regieren, daß nachmals kein Mensch darinne bleiben und wohnen konnte. Denn so oft die Ordensbrüder im Schlosse aßen, so wurden alle Schüsseln und Trinkgeschirr voll Bluts; wann sie außerhalb des Schlosses aßen, wiederfuhr ihnen nichts dergleichen. Wenn die Knechte wollten in den Stall gehen, kamen sie in den Keller und tranken so viel, daß sie nicht mehr wußten, was sie thaten. Wenn der Koch und sein Gesinde in die Küche ging, so fand er Pferde darin stehen, und war ein Stall daraus worden. Wollte der Kellermeister seine Geschäffte im Keller verrichten, so fand er an der Stelle der Wein- und Bierfässer lauter Hafen, Töpfe, Bälge und Wassertröge; und dergleichen ging es in allen Dingen und Orten widersinnigs.  Demnach, als die Schlacht geschehen, und der Comthur umgekommen, hat solch eine Teufelei und Gespenst in dem Schlosse anfangen zu wanken und zu regieren, daß nachmals kein Mensch darinne bleiben und wohnen konnte. Denn so oft die Ordensbrüder im Schlosse aßen, so wurden alle Schüsseln und Trinkgeschirr voll Bluts; wann sie außerhalb des Schlosses aßen, wiederfuhr ihnen nichts dergleichen. Wenn die Knechte wollten in den Stall gehen, kamen sie in den Keller und tranken so viel, daß sie nicht mehr wußten, was sie thaten. Wenn der Koch und sein Gesinde in die Küche ging, so fand er Pferde darin stehen, und war ein Stall daraus worden. Wollte der Kellermeister seine Geschäffte im Keller verrichten, so fand er an der Stelle der Wein- und Bierfässer lauter Hafen, Töpfe, Bälge und Wassertröge; und dergleichen ging es in allen Dingen und Orten widersinnigs. 
  
-Dem neuen Comthur, der aus Frauenberg dahin kam, ging es noch viel wunderlicher und ärger: ein Mal ward er in den Schloßbrunnen an den Bart gehängt; das andre Mal ward er auf das oberste Dach im Schlosse gesetzet, da man ihn kaum ohne Lebensgefahr herunter bringen konnte. Zum dritten Mal fing ihm der Bart von selbst an zu brennen, so daß ihm sein Gesicht geschändet wurde; auch konnte ihm der Brand mit Wasser nicht gelöscht werden, und nur, als er aus dem verwünschten Schlosse heraus lief, erlosch das Feuer. Derowegen fürder kein Comthur in dem Schlosse bleiben wollte, wurde auch von jedermänniglich verlassen, und nach des verstorbenen Comthurs [[typ:fluch|Prophezeihung]] des Teufels Wohnung geheißen.+Dem neuen Comthur, der aus Frauenberg dahin kam, ging es noch viel wunderlicher und ärger: ein Mal ward er in den Schloßbrunnen an den Bart gehängt; das andre Mal ward er auf das oberste Dach im Schlosse gesetzet, da man ihn kaum ohne Lebensgefahr herunter bringen konnte. Zum dritten Mal fing ihm der Bart von selbst an zu brennen, so daß ihm sein Gesicht geschändet wurde; auch konnte ihm der Brand mit Wasser nicht gelöscht werden, und nur, als er aus dem verwünschten Schlosse heraus lief, erlosch das Feuer. Derowegen fürder kein Comthur in dem Schlosse bleiben wollte, wurde auch von jedermänniglich verlassen, und nach des verstorbenen Comthurs Prophezeihung des Teufels Wohnung geheißen.
  
-Zwei Jahre nach der [[typ:Schlacht]] kam ein Bürger von Christburg wiederum zu Hause, der während der Zeit auf einer [[typ:Wallfahrt]] nach Rom gewesen war. Als er von dem Gespenst des Schlosses hörte, ging er auf einen Mittag hinauf: sey es nun, daß er die Wahrheit selbst erfahren wollte, oder daß er vielleicht ein Heiligthum mit sich gebracht, das gegen die Gespenster dienen sollte. +Zwei Jahre nach der Schlacht kam ein Bürger von Christburg wiederum zu Hause, der während der Zeit auf einer Wallfahrt nach Rom gewesen war. Als er von dem Gespenst des Schlosses hörte, ging er auf einen Mittag hinauf: sey es nun, daß er die Wahrheit selbst erfahren wollte, oder daß er vielleicht ein Heiligthum mit sich gebracht, das gegen die Gespenster dienen sollte. 
  
 Auf der Brücke fand er stehen des Comthurs Bruder, welcher auch mit in der Schlacht geblieben war; er erkannte ihn alsbald, denn er hatte ihm ein Kind aus der Taufe gehoben, und hieß Otto von Sangerwitz; und weil er meinte, es wäre ein lebendiger Mensch, trat er auf ihn zu und sprach: „o Herr Gevatter, wie bin ich erfreut, daß ich euch frisch und gesund sehen mag; man hat mich überreden wollen, ihr wärt erschlagen worden; ich bin froh, daß es besser ist, als ich meinete. Und wie stehet es doch in diesem Schlosse, davon man so wunderliche Dinge redet?“ Das Teufelsgespenst sagte wieder zu ihm: „komme mit mir, so wirst du sehen, wie man allhier Haus hält."  Auf der Brücke fand er stehen des Comthurs Bruder, welcher auch mit in der Schlacht geblieben war; er erkannte ihn alsbald, denn er hatte ihm ein Kind aus der Taufe gehoben, und hieß Otto von Sangerwitz; und weil er meinte, es wäre ein lebendiger Mensch, trat er auf ihn zu und sprach: „o Herr Gevatter, wie bin ich erfreut, daß ich euch frisch und gesund sehen mag; man hat mich überreden wollen, ihr wärt erschlagen worden; ich bin froh, daß es besser ist, als ich meinete. Und wie stehet es doch in diesem Schlosse, davon man so wunderliche Dinge redet?“ Das Teufelsgespenst sagte wieder zu ihm: „komme mit mir, so wirst du sehen, wie man allhier Haus hält." 
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