sagen:grimmds2-529
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| + | ====== Des edlen Möringers Wallfahrt ====== | ||
| + | Nach dem alten Lied | ||
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| + | Also zog der edle Möringer fern dahin, und ein Jahr verstrich um das andere. Wie das siebente nun sich vollendete, lag er im Garten und schlief. Da träumte ihm, wie daß ein Engel riefe und spräche: erwache Möringer, es ist Zeit! kommst du heut nicht zu Land, so nimmt der junge von Neufen dein Weib. Der Möringer raufte vor Leid seinen grauen Bart, und klagte flehentlich seine Noth Gott und dem heiligen Thomas; in den schweren Sorgen entschlief er von neuem. | ||
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| + | Wie er aufwachte und die Augen öffnete, wußte er nicht, wo er war; denn er sah sich daheim in [[region: | ||
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| + | Der Thorwart trat heraus: geh und sag deiner Frauen an, hier stehe ein elender Pilgrim; nun bin ich vom weiten Gehen so müde geworden, daß ich sie um ein Almosen bitte, um Gottes und Sanct Thomas Willen, und des edlen Möringers Seele. Und als das die Frau erhörte, hieß sie eilends aufthun, und solle er dem Pilger zu essen geben ein ganzes Jahr. | ||
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| + | Der edle Möringer trat in seine Burg, und es war ihm so leid und schwer, daß ihn kein Mann empfing; er setzte sich nieder auf die Bank, und als die Abendstunde kam, daß die Braut bald zu Bett gehen sollte, redete ein Dienstmann und sprach: sonst hatte mein Herr Möring die Sitte, daß kein fremder Pilgrim schlafen durfte, er sang denn zuvor ein Lied. Das hörte der junge Herr von Neufen, der Bräutigam, und rief: singt uns, Herr Gast, ein Liedelein, ich will euch reich begaben. | ||
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| + | Da hub der edle Möringer an und sang ein Lied, das anfängt: „eins langen Schweigens hatt ich mich bedacht, so muß ich aber singen als eh“ u. s. w.((Vergl. Samml. von Minnesingern I. 124. wo das Lied merkwürdig dem Walther von der Vogelweide beigelegt wird.)), und sang darin: daß ihn der junge Mann an der alten Braut rächen, und sie mit Sommerlatten (Ruthen) schlagen solle; ehemals sey er Herr gewesen und jetzt Knecht, und auf der Hochzeit ihm nun eine alte Schüssel vorgesetzt worden. Sobald die edle Frau das Lied hörte, trübten sich ihre klare Augen, und einen goldnen Becher setzte sie dem Pilgrim hin, in den schenkte sie klaren Wein. | ||
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| + | Möringer aber zog ein goldrothes Fingerlein von seiner Hand, womit ihm seine liebste Frau vermählt worden war, senkt es in den Becher und gab ihn dem Weinschenken, | ||
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| + | Aber der Herr von Neufen erschrak, und fiel auch auf die Knie: liebster Herr, Treu und Eid hab ich gebrochen, darum schlagt mir ab mein Haupt! – Das soll nicht seyn, Herr von Neufen! sondern ich will euren Kummer lindern und euch meine Tochter zur Ehe geben; nehmt sie und laßt mir meine alte Braut. Deß war der von Neufen froh, und nahm die Tochter; Mutter und Tochter waren beide zarte Frauen, und beide Herren waren wohl geboren. | ||
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