sagen:grimmds2-528
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| Nach dem altdeutschen Gedicht Erkenbolds aus dem 14. Jahrh. | Nach dem altdeutschen Gedicht Erkenbolds aus dem 14. Jahrh. | ||
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| - | Da stund Peter vom Pferde, sie bot ihm ihre Hände und er hob sie vom Steine auf, mit Armen umfing er sie; sie setzten sich beide ins Gras und redeten, was ihr Wille war. „Gnade, schöne Fraue, darf ich fragen was mir zu Herzen liegt, so sagt mir: warum ihr hier so einsam sitzet und niemand bei euch ist?“ – Das sag ich dir Freund auf meine [[typ:treu|Treue]]: „weil ich hier dein warten wollte; ich liebe dich, seit du je Pferd überschrittest; | + | Da stund Peter vom Pferde, sie bot ihm ihre Hände und er hob sie vom Steine auf, mit Armen umfing er sie; sie setzten sich beide ins Gras und redeten, was ihr Wille war. „Gnade, schöne Fraue, darf ich fragen was mir zu Herzen liegt, so sagt mir: warum ihr hier so einsam sitzet und niemand bei euch ist?“ – Das sag ich dir Freund auf meine Treue: „weil ich hier dein warten wollte; ich liebe dich, seit du je Pferd überschrittest; |
| - | Da antwortete der [[typ:Ritter]] tugendlich: daß ich euch erblickt habe, nichts liebers konnte mir geschehen, und mein Wille wäre, bei euch zu seyn bis an den Tod. „Dies mag wohl geschehen – sprach die Jungfrau – wenn du meiner Lehre folgest: willst du mich lieb haben, darfst du fürder kein ehelich Weib nehmen, und thätest du’s doch, würde dein Leib den dritten Tag [[typ:sterben]]. Wo du aber allein bist und mein begehrest, da hast du mich gleich bei dir, und lebest glücklich und in Wonne.“ Herr Peter sagte: „Frau, ist das alles wahr?“ Und sie gab ihm Gott zum Bürgen der Wahrheit und Treue. Darauf versprach er sich ihr zu eigen, und beide verpflichteten sich zu einander. | + | Da antwortete der Ritter tugendlich: daß ich euch erblickt habe, nichts liebers konnte mir geschehen, und mein Wille wäre, bei euch zu seyn bis an den Tod. „Dies mag wohl geschehen – sprach die Jungfrau – wenn du meiner Lehre folgest: willst du mich lieb haben, darfst du fürder kein ehelich Weib nehmen, und thätest du’s doch, würde dein Leib den dritten Tag sterben. Wo du aber allein bist und mein begehrest, da hast du mich gleich bei dir, und lebest glücklich und in Wonne.“ Herr Peter sagte: „Frau, ist das alles wahr?“ Und sie gab ihm Gott zum Bürgen der Wahrheit und Treue. Darauf versprach er sich ihr zu eigen, und beide verpflichteten sich zu einander. |
| - | Die [[typ:Hochzeit]] sollte auf der Frauen Bitte zu Staufenberg gehalten werden; sie gab ihm einen schonen | + | Die Hochzeit sollte auf der Frauen Bitte zu Staufenberg gehalten werden; sie gab ihm einen schonen Ring, und nachdem sie sich tugendlich angelacht und einander umfangen hatten, ritt Herr Peter weiter fort seine Straße. In dem Dorfe hörte er Messe lesen, und that sein Gebät, kehrte alsdann heim auf seine Feste, und sobald er allein in der Kemenate war, dachte er bei sich im Herzen: wenn ich doch nun meine liebe Braut hier bei mir hätte, die ich draußen auf dem Stein fand! Und wie er, das Wort ausgesprochen hatte, stand sie schon vor seinen Augen, sie küßten sich und waren in Freuden beisammen. |
| Also lebten sie eine Weile, sie gab ihm auch Geld und Gut, daß er fröhlich auf der Welt leben konnte. Nachher fuhr er aus in die Lande, und wohin er kam, war seine Frau bei ihm, so oft er sie wünschte. | Also lebten sie eine Weile, sie gab ihm auch Geld und Gut, daß er fröhlich auf der Welt leben konnte. Nachher fuhr er aus in die Lande, und wohin er kam, war seine Frau bei ihm, so oft er sie wünschte. | ||
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| Endlich kehrte er wieder heim in seine Heimath. Da lagen ihm seine Brüder und Freunde an, daß er ein ehelich Weib nehmen sollte; er erschrak und suchte es auszureden. Sie ließen ihm aber härter zusetzen durch einen weisen Mann, auch aus seiner Sippe. Herr Peter antwortete: eh will ich meinen Leib in Riemen schneiden lassen, als ich mich vereheliche. Abends nun, wie er allein war, wußte es seine Frau schon, was sie mit ihm vor hatten, und er sagte ihr von neuem sein Wort zu. | Endlich kehrte er wieder heim in seine Heimath. Da lagen ihm seine Brüder und Freunde an, daß er ein ehelich Weib nehmen sollte; er erschrak und suchte es auszureden. Sie ließen ihm aber härter zusetzen durch einen weisen Mann, auch aus seiner Sippe. Herr Peter antwortete: eh will ich meinen Leib in Riemen schneiden lassen, als ich mich vereheliche. Abends nun, wie er allein war, wußte es seine Frau schon, was sie mit ihm vor hatten, und er sagte ihr von neuem sein Wort zu. | ||
| - | Es sollte aber zu damal der deutsche König in [[geo: | + | Es sollte aber zu damal der deutsche König in [[geo: |
| - | Da sagte der Bischof: Herr, laßt mich die Frau sehen. Da sprach er: sie läßt sich vor niemand, denn vor mir sehen. So ist sie kein rechtes Weib – redeten sie alle – sondern vom [[typ:Teufel]]; und daß ihr die Teufelin minnet mehr denn reine Frauen, das verdirbt euren Namen und eure Ehre vor aller Welt.“ Verwirrt durch diese Reden sagte der Staufenberger „er wollte alles thun, was dem König gefalle;“ und alsobald ward ihm die Jungfrau verlobet unter kostbaren königlichen Geschenken. | + | Da sagte der Bischof: Herr, laßt mich die Frau sehen. Da sprach er: sie läßt sich vor niemand, denn vor mir sehen. So ist sie kein rechtes Weib – redeten sie alle – sondern vom [[wesen:Teufel]]; und daß ihr die Teufelin minnet mehr denn reine Frauen, das verdirbt euren Namen und eure Ehre vor aller Welt.“ Verwirrt durch diese Reden sagte der Staufenberger „er wollte alles thun, was dem König gefalle;“ und alsobald ward ihm die Jungfrau verlobet unter kostbaren königlichen Geschenken. |
| - | Die [[typ:Hochzeit]] sollte nach Peters Willen in der Ortenau gehalten werden. Als er seine Frau wieder das erste Mal bei sich hatte, that sie ihm klägliche Vorwürfe, daß er ihr Verbot und seine Zusage dennoch übertreten hätte, so sey nun sein junges Leben verloren „und zum Zeichen will ich dir Folgendes geben; wenn du meinen Fuß erblicken wirst und ihn alle andere sehen, Frauen und Männer, auf deiner Hochzeit, dann sollst du nicht säumen, sondern beichten und dich zum Tod bereiten.“ Da dachte aber Peter an der Pfaffen Worte, daß sie ihn vielleicht nur mit solchen Drohungen berücken wolle, und es eitel Lüge wäre. | + | Die Hochzeit sollte nach Peters Willen in der Ortenau gehalten werden. Als er seine Frau wieder das erste Mal bei sich hatte, that sie ihm klägliche Vorwürfe, daß er ihr Verbot und seine Zusage dennoch übertreten hätte, so sey nun sein junges Leben verloren „und zum Zeichen will ich dir Folgendes geben; wenn du meinen Fuß erblicken wirst und ihn alle andere sehen, Frauen und Männer, auf deiner Hochzeit, dann sollst du nicht säumen, sondern beichten und dich zum Tod bereiten.“ Da dachte aber Peter an der Pfaffen Worte, daß sie ihn vielleicht nur mit solchen Drohungen berücken wolle, und es eitel Lüge wäre. |
| - | Als nun bald die junge [[typ:Braut]] nach Staufenberg gebracht wurde, ein großes Fest gehalten wurde, und der Ritter ihr über Tafel gegen über saß, da sah man plötzlich etwas durch die Bühne stoßen, einen wunderschönen Menschenfuß bis an die Knie, weiß wie [[typ:Elfenbein]]. Der Ritter erblaßte und rief: weh meine Freunde, ihr habt mich verderbet, und in drei Tagen bin ich des Todes. Der Fuß war wieder verschwunden, | + | Als nun bald die junge Braut nach Staufenberg gebracht wurde, ein großes Fest gehalten wurde, und der Ritter ihr über Tafel gegen über saß, da sah man plötzlich etwas durch die Bühne stoßen, einen wunderschönen Menschenfuß bis an die Knie, weiß wie Elfenbein. Der Ritter erblaßte und rief: weh meine Freunde, ihr habt mich verderbet, und in drei Tagen bin ich des Todes. Der Fuß war wieder verschwunden, |
| Im 16. Jahrh. nach Fischarts Zeugniß, wußte das Volk der ganzen Gegend noch die Geschichte von Peter dem Staufenberger und der schönen Meerfei, wie man sie damals nannte. Noch jetzt ist der Zwölfstein zwischen Staufenberg, | Im 16. Jahrh. nach Fischarts Zeugniß, wußte das Volk der ganzen Gegend noch die Geschichte von Peter dem Staufenberger und der schönen Meerfei, wie man sie damals nannte. Noch jetzt ist der Zwölfstein zwischen Staufenberg, | ||
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