Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:grimmds2-528

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:grimmds2-528 [2023/10/17 13:47] ewuschsagen:grimmds2-528 [2025/01/30 17:53] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 7: Zeile 7:
     Nach dem altdeutschen Gedicht Erkenbolds aus dem 14. Jahrh.     Nach dem altdeutschen Gedicht Erkenbolds aus dem 14. Jahrh.
  
-In der [[region:Ortenau]] unweit [[geo:Offenburg]] liegt Staufenberg, das Stammschloß Ritter Peters Dimringer, von dem die Sage lautet: er hieß einen [[zeit:pfingsten|Pfingsttag]] früh den Knecht das Pferd satteln, und wollte von seiner Veste gen Nußbach reiten, daselbst Metten zu hören. Der Knappe ritt voran, unterweges am Eingang des Waldes sah er auf einem Stein eine wunderschöne, reichgeschmückte Jungfrau mutterallein sitzen; sie grüßte ihn, der Knecht ritt vorüber. Bald darauf kam Herr Peter selbst daher, sah sie mit Freuden, grüßte und sprach die Jungfrau freundlich an. Sie neigte ihm und sagte: Gott danke dir deines Grußes. +In der [[region:Ortenau]] unweit [[geo:Offenburg]] liegt [[burg:burgstaufenberg|Staufenberg]], das Stammschloß Ritter Peters Dimringer, von dem die Sage lautet: er hieß einen [[zeit:pfingsten|Pfingsttag]] früh den Knecht das Pferd satteln, und wollte von seiner Veste gen Nußbach reiten, daselbst Metten zu hören. Der Knappe ritt voran, unterweges am Eingang des Waldes sah er auf einem Stein eine wunderschöne, reichgeschmückte Jungfrau mutterallein sitzen; sie grüßte ihn, der Knecht ritt vorüber. Bald darauf kam Herr Peter selbst daher, sah sie mit Freuden, grüßte und sprach die Jungfrau freundlich an. Sie neigte ihm und sagte: Gott danke dir deines Grußes. 
  
 Da stund Peter vom Pferde, sie bot ihm ihre Hände und er hob sie vom Steine auf, mit Armen umfing er sie; sie setzten sich beide ins Gras und redeten, was ihr Wille war. „Gnade, schöne Fraue, darf ich fragen was mir zu Herzen liegt, so sagt mir: warum ihr hier so einsam sitzet und niemand bei euch ist?“ – Das sag ich dir Freund auf meine Treue: „weil ich hier dein warten wollte; ich liebe dich, seit du je Pferd überschrittest; und überall in Kampf und in Streit, in Weg und auf Straßen hab ich dich heimlich gepfleget, und gehütet mit meiner freien Hand, daß dir nie kein Leid geschah.“  Da stund Peter vom Pferde, sie bot ihm ihre Hände und er hob sie vom Steine auf, mit Armen umfing er sie; sie setzten sich beide ins Gras und redeten, was ihr Wille war. „Gnade, schöne Fraue, darf ich fragen was mir zu Herzen liegt, so sagt mir: warum ihr hier so einsam sitzet und niemand bei euch ist?“ – Das sag ich dir Freund auf meine Treue: „weil ich hier dein warten wollte; ich liebe dich, seit du je Pferd überschrittest; und überall in Kampf und in Streit, in Weg und auf Straßen hab ich dich heimlich gepfleget, und gehütet mit meiner freien Hand, daß dir nie kein Leid geschah.“ 
Zeile 19: Zeile 19:
 Endlich kehrte er wieder heim in seine Heimath. Da lagen ihm seine Brüder und Freunde an, daß er ein ehelich Weib nehmen sollte; er erschrak und suchte es auszureden. Sie ließen ihm aber härter zusetzen durch einen weisen Mann, auch aus seiner Sippe. Herr Peter antwortete: eh will ich meinen Leib in Riemen schneiden lassen, als ich mich vereheliche. Abends nun, wie er allein war, wußte es seine Frau schon, was sie mit ihm vor hatten, und er sagte ihr von neuem sein Wort zu.  Endlich kehrte er wieder heim in seine Heimath. Da lagen ihm seine Brüder und Freunde an, daß er ein ehelich Weib nehmen sollte; er erschrak und suchte es auszureden. Sie ließen ihm aber härter zusetzen durch einen weisen Mann, auch aus seiner Sippe. Herr Peter antwortete: eh will ich meinen Leib in Riemen schneiden lassen, als ich mich vereheliche. Abends nun, wie er allein war, wußte es seine Frau schon, was sie mit ihm vor hatten, und er sagte ihr von neuem sein Wort zu. 
  
-Es sollte aber zu damal der deutsche König in Frankfurt gewählt werden; dahin zog auch der Staufenberger unter viel andern Dienstmännern und Edelleuten. Da that er sich so heraus im Ritterspiel, daß er die Augen des Königs auf sich zog, und der König ihm endlich seine Muhme aus Kärnthen zur Ehe antrug. Herr Peter geriet in heftigen Kummer und schlug das Erbieten aus; und weil alle Fürsten darein redeten, und die Ursache wissen wollten, sprach er zuletzt: daß er schon eine schöne Frau und von ihr alles Gute hätte; aber um ihrentwillen keine andere nehmen dürfte, sonst müßte er todt liegen innerhalb drei Tagen. +Es sollte aber zu damal der deutsche König in [[geo:frankfurtmain|Frankfurt]] gewählt werden; dahin zog auch der Staufenberger unter viel andern Dienstmännern und Edelleuten. Da that er sich so heraus im Ritterspiel, daß er die Augen des Königs auf sich zog, und der König ihm endlich seine Muhme aus Kärnthen zur Ehe antrug. Herr Peter geriet in heftigen Kummer und schlug das Erbieten aus; und weil alle Fürsten darein redeten, und die Ursache wissen wollten, sprach er zuletzt: daß er schon eine schöne Frau und von ihr alles Gute hätte; aber um ihrentwillen keine andere nehmen dürfte, sonst müßte er todt liegen innerhalb drei Tagen. 
  
-Da sagte der Bischof: Herr, laßt mich die Frau sehen. Da sprach er: sie läßt sich vor niemand, denn vor mir sehen. So ist sie kein rechtes Weib – redeten sie alle – sondern vom Teufel; und daß ihr die Teufelin minnet mehr denn reine Frauen, das verdirbt euren Namen und eure Ehre vor aller Welt.“ Verwirrt durch diese Reden sagte der Staufenberger „er wollte alles thun, was dem König gefalle;“ und alsobald ward ihm die Jungfrau verlobet unter kostbaren königlichen Geschenken. +Da sagte der Bischof: Herr, laßt mich die Frau sehen. Da sprach er: sie läßt sich vor niemand, denn vor mir sehen. So ist sie kein rechtes Weib – redeten sie alle – sondern vom [[wesen:Teufel]]; und daß ihr die Teufelin minnet mehr denn reine Frauen, das verdirbt euren Namen und eure Ehre vor aller Welt.“ Verwirrt durch diese Reden sagte der Staufenberger „er wollte alles thun, was dem König gefalle;“ und alsobald ward ihm die Jungfrau verlobet unter kostbaren königlichen Geschenken. 
  
 Die Hochzeit sollte nach Peters Willen in der Ortenau gehalten werden. Als er seine Frau wieder das erste Mal bei sich hatte, that sie ihm klägliche Vorwürfe, daß er ihr Verbot und seine Zusage dennoch übertreten hätte, so sey nun sein junges Leben verloren „und zum Zeichen will ich dir Folgendes geben; wenn du meinen Fuß erblicken wirst und ihn alle andere sehen, Frauen und Männer, auf deiner Hochzeit, dann sollst du nicht säumen, sondern beichten und dich zum Tod bereiten.“ Da dachte aber Peter an der Pfaffen Worte, daß sie ihn vielleicht nur mit solchen Drohungen berücken wolle, und es eitel Lüge wäre.  Die Hochzeit sollte nach Peters Willen in der Ortenau gehalten werden. Als er seine Frau wieder das erste Mal bei sich hatte, that sie ihm klägliche Vorwürfe, daß er ihr Verbot und seine Zusage dennoch übertreten hätte, so sey nun sein junges Leben verloren „und zum Zeichen will ich dir Folgendes geben; wenn du meinen Fuß erblicken wirst und ihn alle andere sehen, Frauen und Männer, auf deiner Hochzeit, dann sollst du nicht säumen, sondern beichten und dich zum Tod bereiten.“ Da dachte aber Peter an der Pfaffen Worte, daß sie ihn vielleicht nur mit solchen Drohungen berücken wolle, und es eitel Lüge wäre. 
  
-Als nun bald die junge Braut nach Staufenburg gebracht wurde, ein großes Fest gehalten wurde, und der Ritter ihr über Tafel gegen über saß, da sah man plötzlich etwas durch die Bühne stoßen, einen wunderschönen Menschenfuß bis an die Knie, weiß wie Elfenbein. Der Ritter erblaßte und rief: weh meine Freunde, ihr habt mich verderbet, und in drei Tagen bin ich des Todes. Der Fuß war wieder verschwunden, ohne ein Loch in der Bühne zurück zulassen. Pfeiffen, [[typ:tanz|Tanzen]] und Singen lagen danieder, ein Pfaff wurde gerufen, und nachdem er von seiner Braut Abschied genommen und seine Sünden gebeichtet hatte, brach sein Herz. Seine junge Ehefrau begab sich ins Kloster, und betete zu Gott für seine Seele, und in allen deutschen Landen wurde der mannhafte Ritter beklaget.+Als nun bald die junge Braut nach Staufenberg gebracht wurde, ein großes Fest gehalten wurde, und der Ritter ihr über Tafel gegen über saß, da sah man plötzlich etwas durch die Bühne stoßen, einen wunderschönen Menschenfuß bis an die Knie, weiß wie Elfenbein. Der Ritter erblaßte und rief: weh meine Freunde, ihr habt mich verderbet, und in drei Tagen bin ich des Todes. Der Fuß war wieder verschwunden, ohne ein Loch in der Bühne zurück zulassen. Pfeiffen, Tanzen und Singen lagen danieder, ein Pfaff wurde gerufen, und nachdem er von seiner Braut Abschied genommen und seine Sünden gebeichtet hatte, brach sein Herz. Seine junge Ehefrau begab sich ins Kloster, und betete zu Gott für seine Seele, und in allen deutschen Landen wurde der mannhafte Ritter beklaget.
  
 Im 16. Jahrh. nach Fischarts Zeugniß, wußte das Volk der ganzen Gegend noch die Geschichte von Peter dem Staufenberger und der schönen Meerfei, wie man sie damals nannte. Noch jetzt ist der Zwölfstein zwischen Staufenberg, Nußbach und Weilershofen zu sehen, wo sie ihm das erste Mal erschienen war; und auf dem Schlosse wird die Stube gezeigt, da sich die Meerfei soll unterweilen aufgehalten haben.  Im 16. Jahrh. nach Fischarts Zeugniß, wußte das Volk der ganzen Gegend noch die Geschichte von Peter dem Staufenberger und der schönen Meerfei, wie man sie damals nannte. Noch jetzt ist der Zwölfstein zwischen Staufenberg, Nußbach und Weilershofen zu sehen, wo sie ihm das erste Mal erschienen war; und auf dem Schlosse wird die Stube gezeigt, da sich die Meerfei soll unterweilen aufgehalten haben. 
Zeile 31: Zeile 31:
 //Quellen: // //Quellen: //
   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 2, S. 249-253, 1818//   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 2, S. 249-253, 1818//
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_2)|Wikisource]]// 
  
 ---- ----
-{{tag>sagen grimm deutschesagen2 ortenau offenburg nussbach pfingsten staufenburg vonstaufenburg musik tanz}}+{{tag>sagen grimm deutschesagen2 ortenau offenburg durbach nussbach frankfurtmain pfingsten burgstaufenberg vonstaufenburg musik tanz turnier ritterspiel hochzeit unsichtbar jungfrau eid eidbruch untreu sterben braut ritter v2}}
sagen/grimmds2-528.1697543276.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)