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sagen:grimmds2-521

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 Warin war ein Graf zu [[geo:weingarten|Altorf]] und [[geo:ravensburg|Ravensburg]] in [[region:schwaben|Schwaben,]] sein Sohn hieß Isenbart und Irmentrut dessen Gemahlin. Es geschah, daß ein armes Weib unweit Altorf drei Kindlein auf ein Mal zur Welt brachte; als das Irmentrut die Gräfin hörte, rief sie aus: es ist unmöglich, daß dies Weib drei Kinder von einem Mann haben könne, ohne Ehbruch. Dieses redete sie öffentlich vor Graf Isenbart ihrem Herrn und allem Hofgesinde „und diese Ehbrecherin verdiene nichts anders, als in einen Sack gesteckt und ertränkt zu werden.“ Warin war ein Graf zu [[geo:weingarten|Altorf]] und [[geo:ravensburg|Ravensburg]] in [[region:schwaben|Schwaben,]] sein Sohn hieß Isenbart und Irmentrut dessen Gemahlin. Es geschah, daß ein armes Weib unweit Altorf drei Kindlein auf ein Mal zur Welt brachte; als das Irmentrut die Gräfin hörte, rief sie aus: es ist unmöglich, daß dies Weib drei Kinder von einem Mann haben könne, ohne Ehbruch. Dieses redete sie öffentlich vor Graf Isenbart ihrem Herrn und allem Hofgesinde „und diese Ehbrecherin verdiene nichts anders, als in einen Sack gesteckt und ertränkt zu werden.“
  
-Das nächste Jahr wurde die Gräfin selbst schwanger, und gebar, als der Graf eben ausgezogen war, zwölf Kindlein, eitel Knaben. Zitternd und zagend, daß man sie nun gewiß, ihren eigenen Reden nach, Ehbruchs zeihen würde, befahl sie der Kellnerin, die andern elfe (denn das zwölfte behielt sie) in den nächsten Bach zu tragen, und zu ersäufen. Indem nun die Alte diese elf unschuldigen Knäblein in ein großes Becken gefaßt, in den vorfließenden Bach, die Scherz genannt, tragen wollte: schickte es Gott, daß der Isenbart selber heim kam, und die Alte frug, was sie da trüge? Welche antwortete: es wären [[typ:wolf|Welfe]] oder junge [[typ:hund|Hündlein]]. Laß schauen – sprach der Graf – ob mir einige zur Zucht gefallen, die ich zu meiner Nothdurft hernach gebrauchen will. +Das nächste Jahr wurde die Gräfin selbst schwanger, und gebar, als der Graf eben ausgezogen war, zwölf Kindlein, eitel Knaben. Zitternd und zagend, daß man sie nun gewiß, ihren eigenen Reden nach, Ehbruchs zeihen würde, befahl sie der Kellnerin, die andern elfe (denn das zwölfte behielt sie) in den nächsten Bach zu tragen, und zu ersäufen. Indem nun die Alte diese elf unschuldigen Knäblein in ein großes Becken gefaßt, in den vorfließenden Bach, die Scherz genannt, tragen wollte: schickte es Gott, daß der Isenbart selber heim kam, und die Alte frug, was sie da trüge? Welche antwortete: es wären Welfe oder junge Hündlein. Laß schauen – sprach der Graf – ob mir einige zur Zucht gefallen, die ich zu meiner Nothdurft hernach gebrauchen will. 
  
 Ei, ihr habt Hunde genug – sagte die Alte und weigerte sich – ihr möchtet ein Grauen nehmen, sähet ihr einen solchen Wust und Unlust von Hunden. Allein der Graf ließ nicht ab, und zwang sie hart, die Kinder zu blößen und zu zeigen. Da er nun die elf Kindlein erblickte, wiewohl klein, doch von adlicher, schöner Gestalt und Art, fragte er heftig und geschwind: weß die Kinder waren.  Ei, ihr habt Hunde genug – sagte die Alte und weigerte sich – ihr möchtet ein Grauen nehmen, sähet ihr einen solchen Wust und Unlust von Hunden. Allein der Graf ließ nicht ab, und zwang sie hart, die Kinder zu blößen und zu zeigen. Da er nun die elf Kindlein erblickte, wiewohl klein, doch von adlicher, schöner Gestalt und Art, fragte er heftig und geschwind: weß die Kinder waren. 
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 Unterdessen stand der Graf auf, und frug feierlich seine gesammte Freundschaft: was doch ein Weib, die so herrlicher Knaben elfe umbringen wollen, für einen Tod verschulde? Machtlos und ohnmächtig sank die Gräfin bei diesen Worten hin; denn das Herz sagte ihr, daß ihr Fleisch und Blut zugegen waren; als sie wieder zu sich gebracht worden, fiel sie dem Grafen mit Weinen zu Füßen, und flehte jämmerlich um Gnade. Da nun alle Freunde Bitten für sie einlegten, so verzieh der Graf ihrer Einfalt und kindlichen Unschuld, aus der sie das Verbrechen begangen hatte. Gottlob, daß die Kinder am Leben sind. Unterdessen stand der Graf auf, und frug feierlich seine gesammte Freundschaft: was doch ein Weib, die so herrlicher Knaben elfe umbringen wollen, für einen Tod verschulde? Machtlos und ohnmächtig sank die Gräfin bei diesen Worten hin; denn das Herz sagte ihr, daß ihr Fleisch und Blut zugegen waren; als sie wieder zu sich gebracht worden, fiel sie dem Grafen mit Weinen zu Füßen, und flehte jämmerlich um Gnade. Da nun alle Freunde Bitten für sie einlegten, so verzieh der Graf ihrer Einfalt und kindlichen Unschuld, aus der sie das Verbrechen begangen hatte. Gottlob, daß die Kinder am Leben sind.
  
-Zum ewigen Gedächtniß der wunderbaren Geschichte, begehrte und verordnete in seiner Freunde Gegenwart der Graf: daß seine Nachkommen sich fürder nicht mehr Grafen zu Altorf, sondern Welfen, und sein Stamm der Welfen Stamm heißen sollten. +Zum ewigen Gedächtniß der wunderbaren Geschichte, begehrte und verordnete in seiner Freunde Gegenwart der Graf: daß seine Nachkommen sich fürder nicht mehr Grafen zu Altorf, sondern [[familie:Welfen]], und sein Stamm der Welfen Stamm heißen sollten. 
  
 Andere berichten des Namens Entstehung auf folgende verschiedene Art: Andere berichten des Namens Entstehung auf folgende verschiedene Art:
  
-Der Vorfahre dieses Geschlechtes habe sich an des Kaisers Hof aufgehalten, als er von seiner eines Sohns entbundenen Gemahlin zurück gerufen wurde. Der Kaiser sagte scherzweise: was eilst du um eines [[familie:Welfen]] willen, der dir geboren ist? Der Ritter antwortete: weil nun der Kaiser dem Kind den Namen gegeben, solle das gelten; und bat ihn, es zur [[typ:Taufe]] zu halten, welches geschah. +Der Vorfahre dieses Geschlechtes habe sich an des Kaisers Hof aufgehalten, als er von seiner eines Sohns entbundenen Gemahlin zurück gerufen wurde. Der Kaiser sagte scherzweise: was eilst du um eines Welfen willen, der dir geboren ist? Der Ritter antwortete: weil nun der Kaiser dem Kind den Namen gegeben, solle das gelten; und bat ihn, es zur Taufe zu halten, welches geschah.((Anmerkung Sagenwiki: Siehe auch [[https://de.wikipedia.org/wiki/Welfensage|Die Welfensage auf Wikipedia]])) 
  
 //Quellen: // //Quellen: //
   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 2, S. 233-236, 1818//   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 2, S. 233-236, 1818//
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_2)|Wikisource]]// 
  
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sagen/grimmds2-521.1697553371.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)