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sagen:grimmds2-497

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 Herzog Adelger berief seine Mannen und zog an des Königs Hof nach Rom, wo er übel empfangen wurde. Zornig sprach der König ihm entgegen: du hast mir viel Leides gethan, das sollst du heute mit deinem Leben gelten! „Dein Bote – antwortete Adelger – hat mich zu Recht und Urtheil hierher geleitet; was alle Römer sprechen, dem will ich mich unterwerfen, und hoffen auf deine Gnade.“ Von Gnade weiß ich nichts mehr – sagte der König – das Haupt soll man dir abschlagen, und dein Reich einen andern Herrn haben. Herzog Adelger berief seine Mannen und zog an des Königs Hof nach Rom, wo er übel empfangen wurde. Zornig sprach der König ihm entgegen: du hast mir viel Leides gethan, das sollst du heute mit deinem Leben gelten! „Dein Bote – antwortete Adelger – hat mich zu Recht und Urtheil hierher geleitet; was alle Römer sprechen, dem will ich mich unterwerfen, und hoffen auf deine Gnade.“ Von Gnade weiß ich nichts mehr – sagte der König – das Haupt soll man dir abschlagen, und dein Reich einen andern Herrn haben.
  
-Als die Römer den Zorn des Königs sahen, legten sie sich dazwischen und erlangten, daß dem Herzog Leib und Leben geschenkt wurde. Darauf pflogen sie Rath und schnitten ihm sein Gewand ab, daß es ihm nur zu den Knien reichte, und schnitten ihm das [[typ:Haar]] vornen aus; damit gedachten sie den edeln Helden zu entehren.+Als die Römer den Zorn des Königs sahen, legten sie sich dazwischen und erlangten, daß dem Herzog Leib und Leben geschenkt wurde. Darauf pflogen sie Rath und schnitten ihm sein Gewand ab, daß es ihm nur zu den Knien reichte, und schnitten ihm das Haar vornen aus; damit gedachten sie den edeln Helden zu entehren.
  
 Adelger aber ging hart ergrimmt in seine Herberge. Alle seine Mannen trauerten, doch der alte Rathgebe sprach: Herr, Gott erhalte dich! laß nur dein Trauern seyn und thu nach meinem Rath, so soll alles zu deinen Ehren ausgehen. – „Dein Rath – sagte Adelger – hat mich hierher gebracht; magst du nun mit guten Sinnen meine Sache herstellen, so will ich dich desto werther halten; kann ich aber meine Ehre nicht wieder gewinnen, so komm ich nimmermehr heim nach Baierland.“ Der Alte sprach: Herr nun heiß mir thun, wie dir geschehen ist, und besende alle deine Mann, und leih und gib ihnen, daß sie sich allesammt bescheeren lassen; damit rette ich dir alle deine Ehre.  Adelger aber ging hart ergrimmt in seine Herberge. Alle seine Mannen trauerten, doch der alte Rathgebe sprach: Herr, Gott erhalte dich! laß nur dein Trauern seyn und thu nach meinem Rath, so soll alles zu deinen Ehren ausgehen. – „Dein Rath – sagte Adelger – hat mich hierher gebracht; magst du nun mit guten Sinnen meine Sache herstellen, so will ich dich desto werther halten; kann ich aber meine Ehre nicht wieder gewinnen, so komm ich nimmermehr heim nach Baierland.“ Der Alte sprach: Herr nun heiß mir thun, wie dir geschehen ist, und besende alle deine Mann, und leih und gib ihnen, daß sie sich allesammt bescheeren lassen; damit rette ich dir alle deine Ehre. 
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 Darauf nahm er den Hirsch und zerwirkte ihn, wie es sich gehörte. Ein schlauer Fuchs lag still neben in einer Furche; als der Mann wegging, schlich der Fuchs hinzu und raubte das Herz vom Hirsch. Wie nun der Gärtner, vergnügt über seine Jagd, zurück kam und das Wild holen wollte, fand er kein Herz dabei, schlug die Hände zusammen, und erzählte zu Haus seiner Frau das große Wunder von dem Hirsch, den er erlegt habe, der groß und stark gewesen, aber kein Herz im Leibe gehabt. Das hätte ich zuvor sagen wollen, antwortete des Gärtners Weib; denn als der Hirsch Ohr und Schwanz verlor, hätte er ein Herz gehabt, so wär er nimmer in den Garten wieder gekommen. – Darauf nahm er den Hirsch und zerwirkte ihn, wie es sich gehörte. Ein schlauer Fuchs lag still neben in einer Furche; als der Mann wegging, schlich der Fuchs hinzu und raubte das Herz vom Hirsch. Wie nun der Gärtner, vergnügt über seine Jagd, zurück kam und das Wild holen wollte, fand er kein Herz dabei, schlug die Hände zusammen, und erzählte zu Haus seiner Frau das große Wunder von dem Hirsch, den er erlegt habe, der groß und stark gewesen, aber kein Herz im Leibe gehabt. Das hätte ich zuvor sagen wollen, antwortete des Gärtners Weib; denn als der Hirsch Ohr und Schwanz verlor, hätte er ein Herz gehabt, so wär er nimmer in den Garten wieder gekommen. –
  
-All diese kluge Rede war Adelgers Boten zu nichts nütze, denn er vernahm sie einfältig und kehrte mit Zorn gen [[land:bayern|Baierland]]. Als er den Herzogen fand, sprach er: „ich habe viel Arbeit erlitten und nichts damit erworben; was sollte ich da zu [[geo:Rom]] thun? der alte Rathgebe entbietet dir nichts zurück, als ein Beispiel, das er dein König erzählte, das hieß er mich dir hinterbringen. Daß er ein übel Jahr möge haben!“+All diese kluge Rede war Adelgers Boten zu nichts nütze, denn er vernahm sie einfältig und kehrte mit Zorn gen [[land:bayern|Baierland]]. Als er den Herzogen fand, sprach er: „ich habe viel Arbeit erlitten und nichts damit erworben; was sollte ich da zu Rom thun? der alte Rathgebe entbietet dir nichts zurück, als ein Beispiel, das er dein König erzählte, das hieß er mich dir hinterbringen. Daß er ein übel Jahr möge haben!“
  
 Als Adelger das Beispiel vernahm, berief er schnell seine Mannen. Dies Beispiel – sagte er – will ich euch, ihr Helden, wohl bescheiden. Die [[volk:Römer]] wollen mit Netzen meinen Leib umgarnen; wißt aber, daß sie mich zu Rom in ihrem Garten nimmer berücken sollen. Wäre aber, daß sie mich selbst in Baiern heimsuchen, so wird ihnen der Leib durchbohrt, wo ich anders ein Herz habe, und meine lieben Leute mir helfen wollen. Als Adelger das Beispiel vernahm, berief er schnell seine Mannen. Dies Beispiel – sagte er – will ich euch, ihr Helden, wohl bescheiden. Die [[volk:Römer]] wollen mit Netzen meinen Leib umgarnen; wißt aber, daß sie mich zu Rom in ihrem Garten nimmer berücken sollen. Wäre aber, daß sie mich selbst in Baiern heimsuchen, so wird ihnen der Leib durchbohrt, wo ich anders ein Herz habe, und meine lieben Leute mir helfen wollen.
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 Da man nun am römischen Hof erfuhr, daß Adelger nicht nach Rom gehen wollte, sagte der König: so wolle er sehen, in welchem Lande der Herzog wohne. Das Heer wurde versammelt, und brach, dreißig Tausend wohl gewaffneter Knechte stark, schnell nach Baiern auf; erst zogen sie vor Bern, dann ritten sie durch Triental.  Da man nun am römischen Hof erfuhr, daß Adelger nicht nach Rom gehen wollte, sagte der König: so wolle er sehen, in welchem Lande der Herzog wohne. Das Heer wurde versammelt, und brach, dreißig Tausend wohl gewaffneter Knechte stark, schnell nach Baiern auf; erst zogen sie vor Bern, dann ritten sie durch Triental. 
  
-Adelger mit tugendlichem Muthe sammelte all seine Leute, Freunde und Verwandten; bei dem Wasser, heißet [[region:Inn]], stießen sie zusammen, der Herzog trat auf eine Anhöhe und redete zu ihnen: wohlan ihr Helde unverzagt! jetzt sollt ihr nicht vergessen, sondern leisten, was ihr mir gelobt habt. Man thut mir groß Unrecht. Zu Rom wurde ich gerichtet, und hielt meine Strafe aus, als mich der König schändete an [[typ:Haar]] und Gewand; damit gewann ich Verzeihung. Nun sucht er mich ohne Schuld heim; läge der Mann Streite todt, so wäre die Noth gering. Aber sie werfen uns in den Kerker und quälen unsern Leib, höhnen unsre Weiber, tödten unsre Kinder, stiften Raub und Brand; nimmer mehr hinführo gewinnt Baiern die Tugend und Ehre, deren es unter mir gewohnt war; um so mehr, ihr Helden, wehret beides, Leib und Land. – Alle reckten ihre Hände auf und schwuren: wer heute entrinne, solle nimmerdar auf baierscher Erde weder Eigen noch Lehen haben.+Adelger mit tugendlichem Muthe sammelte all seine Leute, Freunde und Verwandten; bei dem Wasser, heißet [[region:Inn]], stießen sie zusammen, der Herzog trat auf eine Anhöhe und redete zu ihnen: wohlan ihr Helde unverzagt! jetzt sollt ihr nicht vergessen, sondern leisten, was ihr mir gelobt habt. Man thut mir groß Unrecht. Zu Rom wurde ich gerichtet, und hielt meine Strafe aus, als mich der König schändete an Haar und Gewand; damit gewann ich Verzeihung. Nun sucht er mich ohne Schuld heim; läge der Mann Streite todt, so wäre die Noth gering. Aber sie werfen uns in den Kerker und quälen unsern Leib, höhnen unsre Weiber, tödten unsre Kinder, stiften Raub und Brand; nimmer mehr hinführo gewinnt Baiern die Tugend und Ehre, deren es unter mir gewohnt war; um so mehr, ihr Helden, wehret beides, Leib und Land. – Alle reckten ihre Hände auf und schwuren: wer heute entrinne, solle nimmerdar auf baierscher Erde weder Eigen noch Lehen haben.
  
 Gerold, den Markgrafen, sandte Adelger ab, daß er den Schwaben die Mark wehrete. Er focht mit ihnen einen starken Sturm, doch Gott machte ihn sieghaft; er fing Brenno, den Schwabenherzog, und hing ihn an einen Galgen auf. Gerold, den Markgrafen, sandte Adelger ab, daß er den Schwaben die Mark wehrete. Er focht mit ihnen einen starken Sturm, doch Gott machte ihn sieghaft; er fing Brenno, den Schwabenherzog, und hing ihn an einen Galgen auf.
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