sagen:grimmds2-465
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| ====== Die Königin im Wachshemd ====== | ====== Die Königin im Wachshemd ====== | ||
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| Als der König eines Morgens früh in die Metten ging, folgte ihm Sigerat sein Dienstmann, der sprach: „Herr, was meine Frau begeht, ziemet nicht euren Ehren, mehr darf ich nicht sagen.“ Der König blickte ihn an, und sagte traurig: „sage mir schnell die Wahrheit, wo du irgend etwas gesehen hast, was wider des Reiches Ehren stößt.“ Der listige Alte versetzte: „leider, ich werde nimmermehr froh, seit ich gesehen habe, daß meine Fraue andere Männer minnet; lüge ich, so heißt mich an einen Baum hängen.“ | Als der König eines Morgens früh in die Metten ging, folgte ihm Sigerat sein Dienstmann, der sprach: „Herr, was meine Frau begeht, ziemet nicht euren Ehren, mehr darf ich nicht sagen.“ Der König blickte ihn an, und sagte traurig: „sage mir schnell die Wahrheit, wo du irgend etwas gesehen hast, was wider des Reiches Ehren stößt.“ Der listige Alte versetzte: „leider, ich werde nimmermehr froh, seit ich gesehen habe, daß meine Fraue andere Männer minnet; lüge ich, so heißt mich an einen Baum hängen.“ | ||
| - | Der König eilte schnell in seine Schlafkammer zurück, und legte sich stillschweigend an der Königin Seite. Da sprach die Fraue: „deß bin ich ungewohnt, warum seyd ihr schon wieder gekommen? | + | Der König eilte schnell in seine Schlafkammer zurück, und legte sich stillschweigend an der Königin Seite. Da sprach die Fraue: „deß bin ich ungewohnt, warum seyd ihr schon wieder gekommen? |
| - | Die Fraue sandte nach vier Bischöfen, die mußten ihre Beichte hören, und immer bey ihr seyn; sie betete und fastete bis der Gerichtstag kam. Bischöfe, Herzoge und eine große Volksmenge hatten sich versammelt, die Königin bereitete sich zu der schweren Arbeit. Als die edeln Herren sich dazwischen legen wollten, sprach sie: „das wolle Gott nicht, daß man solche Reden von mir höre, und ich länger die [[typ:Krone]] trage.“ Da jammerte es allen Fürsten. | + | Die Fraue sandte nach vier Bischöfen, die mußten ihre Beichte hören, und immer bey ihr seyn; sie betete und fastete bis der Gerichtstag kam. Bischöfe, Herzoge und eine große Volksmenge hatten sich versammelt, die Königin bereitete sich zu der schweren Arbeit. Als die edeln Herren sich dazwischen legen wollten, sprach sie: „das wolle Gott nicht, daß man solche Reden von mir höre, und ich länger die Krone trage.“ Da jammerte es allen Fürsten. |
| Die Fraue mit auferhabenen Augen, und unter manchem guten Segen schloss in ein Hemde, das darzu gemacht war. Gebete wurden gesungen und gelesen, und an vier Ecken zu Fußen und Händen, zündete man ihr Hemde an. In kurzer Stunde brann es von ihr ab, das Wachs floß auf das Steinpflaster nieder; unversehrt, ohne Arg stand die Königin. Alle sprachen: Gott Lob! | Die Fraue mit auferhabenen Augen, und unter manchem guten Segen schloss in ein Hemde, das darzu gemacht war. Gebete wurden gesungen und gelesen, und an vier Ecken zu Fußen und Händen, zündete man ihr Hemde an. In kurzer Stunde brann es von ihr ab, das Wachs floß auf das Steinpflaster nieder; unversehrt, ohne Arg stand die Königin. Alle sprachen: Gott Lob! | ||
| - | Der König ließ die Lügner an einen [[typ:Galgen]] [[typ:hängen]]. | + | Der König ließ die Lügner an einen Galgen hängen. |
| Die Königin aber schied fröhlich dannen, that sich des Reiches ab, und diente Gott ihr übriges Leben. | Die Königin aber schied fröhlich dannen, that sich des Reiches ab, und diente Gott ihr übriges Leben. | ||
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