sagen:grimmds2-457
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:grimmds2-457 [2023/10/20 13:17] – ewusch | sagen:grimmds2-457 [2025/01/30 17:52] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| - | ====== Eginhart und Emma (Grimm) | + | ====== Eginhart und Emma ====== |
| Chronicon laurishamense, | Chronicon laurishamense, | ||
| Zeile 9: | Zeile 9: | ||
| [[vip: | [[vip: | ||
| - | Endlich aber mochte der Jüngling sich nicht länger bergen, faßte sich, weil er den Ohren der [[typ:Jungfrau]] nichts durch einen fremden Boten offenbaren wollte, ein Herz, und ging bei stiller Nacht zu ihrer Wohnung. Er klopfte leise an der Kammer Thüre, als wäre er auf des Königs Geheiß hergesandt, und wurde eingelassen. Da gestanden sie sich ihre [[typ:Liebe]], und genossen der ersehnten Umarmung. | + | Endlich aber mochte der Jüngling sich nicht länger bergen, faßte sich, weil er den Ohren der Jungfrau nichts durch einen fremden Boten offenbaren wollte, ein Herz, und ging bei stiller Nacht zu ihrer Wohnung. Er klopfte leise an der Kammer Thüre, als wäre er auf des Königs Geheiß hergesandt, und wurde eingelassen. Da gestanden sie sich ihre Liebe, und genossen der ersehnten Umarmung. |
| - | Als inzwischen der Jüngling bei Tages Anbruch zurück gehen wollte, woher er gekommen war, sah er, daß ein dicker Schnee über Nacht gefallen war, und scheute sich über die [[typ:Schwelle]] zu treten, weil ihn die Spuren von Mannsfüßen bald verrathen würden. In dieser Angst und Noth überlegten die Liebenden was zu thun wäre, und die [[typ: | + | Als inzwischen der Jüngling bei Tages Anbruch zurück gehen wollte, woher er gekommen war, sah er, daß ein dicker Schnee über Nacht gefallen war, und scheute sich über die Schwelle zu treten, weil ihn die Spuren von Mannsfüßen bald verrathen würden. In dieser Angst und Noth überlegten die Liebenden was zu thun wäre, und die Jungfrau erdachte sich eine kühne That: sie wollte den Eginhart auf sich nehmen und ihn, eh es licht wurde, bis nah zu seiner Herberg tragen, daselbst absetzen und vorsichtig in ihren eigenen Fußspuren wieder zurück kehren. |
| Diese Nacht hatte gerade durch Gottes Schickung der Kaiser keinen Schlaf, erhub sich bei der frühen Morgendämmerung, | Diese Nacht hatte gerade durch Gottes Schickung der Kaiser keinen Schlaf, erhub sich bei der frühen Morgendämmerung, | ||
| Zeile 19: | Zeile 19: | ||
| Die meisten aber, weise und darum mild von Gesinnung, waren der Meinung, daß der König selbst in dieser Sache entscheiden solle. Carl, nachdem er alle Seiten geprüft hatte, und den Finger der Vorsehung in dieser Begebenheit wohl erkannte, beschloß: Gnade für Recht ergehen zu lassen, und die Liebenden mit einander zu verehelichen. Alle lobten mit Freuden des Königs Sanftmuth, der den Schreiber vor sich forderte und also anredete: „schon lange hätte ich deine Dienste besser vergolten, wo, du mir dein Mißvergnügen früher entdeckt hättest; jetzo will ich dir zum Lohn meine Tochter Imma, die dich hoch gegürtet willig getragen hat, zur ehelichen Frau geben.“ | Die meisten aber, weise und darum mild von Gesinnung, waren der Meinung, daß der König selbst in dieser Sache entscheiden solle. Carl, nachdem er alle Seiten geprüft hatte, und den Finger der Vorsehung in dieser Begebenheit wohl erkannte, beschloß: Gnade für Recht ergehen zu lassen, und die Liebenden mit einander zu verehelichen. Alle lobten mit Freuden des Königs Sanftmuth, der den Schreiber vor sich forderte und also anredete: „schon lange hätte ich deine Dienste besser vergolten, wo, du mir dein Mißvergnügen früher entdeckt hättest; jetzo will ich dir zum Lohn meine Tochter Imma, die dich hoch gegürtet willig getragen hat, zur ehelichen Frau geben.“ | ||
| - | Sogleich befahl er, nach der Tochter zu senden, welche mit erröthendem Gesicht in des Hofes Gegenwart ihrem Geliebten angetraut wurde. Auch gab er ihr reiche | + | Sogleich befahl er, nach der Tochter zu senden, welche mit erröthendem Gesicht in des Hofes Gegenwart ihrem Geliebten angetraut wurde. Auch gab er ihr reiche Mitgift an Grundstücken, |
| In der Kirche zu Seeligenstadt liegen beide Liebende nach ihrem Tode begraben. Die mündliche Sage erhält dort ihr Andenken, und selbst dem nah liegenden Walde soll, ihr zu Folge, Imma, als sie ihn ein Mal „o du Wald!“ angeredet, den Namen [[region: | In der Kirche zu Seeligenstadt liegen beide Liebende nach ihrem Tode begraben. Die mündliche Sage erhält dort ihr Andenken, und selbst dem nah liegenden Walde soll, ihr zu Folge, Imma, als sie ihn ein Mal „o du Wald!“ angeredet, den Namen [[region: | ||
| Zeile 25: | Zeile 25: | ||
| //Quellen: // | //Quellen: // | ||
| * // | * // | ||
| - | * // | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/grimmds2-457.1697800669.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
