sagen:grimmds2-444
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| + | > Sage des Monats April 2022 | ||
| + | ====== Carls Heimkehr aus Ungerland ====== | ||
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| + | Da gingen die Herren zu der Königin und baten, daß sie sich einen andern Gemahl auswählte, der das Reich behüten könnte. Die Frau antwortete: „wie möcht ich so wider König Karl sündigen, und meine Treue brechen! so hat er mir auch das Wahrzeichen nicht gesandt, das er mir kund thät, als er von hinnen schied.“ Die Herren aber redeten, ihr so lange zu, weil das Land in dem Krieg zu Grund gehen müsse, daß sie ihrem Willen endlich zu folgen versprach. Darauf wurde eine große Hochzeit angestellt, und sie sollte über den dritten Tag mit einem reichen König vermählt werden. | ||
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| + | Gott der Herr aber, welcher dies hindern wollte, sandte einen [[wesen: | ||
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| + | Der Engel versetzte: „weißt du nicht, Gott kann thun was er will, denn er hat viel Gewalt. Geh’ zu deinem Schreiber, der hat ein gutes, starkes Pferd, das du ihm abgewinnen mußt; das soll dich in einem Tage tragen über Moos und Haide, bis in die Stadt zu Rab, das sey deine erste Tagweide. Den andern Morgen sollt du früh ausreiten, die [[region: | ||
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| + | Der Kaiser that, wie ihm geboten war, handelte dem Schreiber das Pferd ab, und ritt in einem Tag aus der [[land: | ||
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| + | Der König bat ihn von neuem; der Wirth sagte: „ja, wenn es gezäumt, oder geritten wäre.“ Der König bat ihn zum dritten Mal, und da der Wirth sah, daß es Karl so lieb wäre, so wollte er das Roß ablassen; und der König verkaufte ihm dagegen sein Pferd, das er die zwei Tage geritten hatte, und von dem es ein Wunder war, daß es ihm nicht erlag. | ||
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| + | Also machte sich der König des dritten Tages auf, und ritt schnell und unaufhaltsam bis gen [[geo: | ||
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| + | Der König sprach: „hier will ich mein Gemach haben, und mich wenig um die Speise bekümmern, die sie in der Stadt austheilen; kauft mir für mein Guldenpfennige was ich bedarf, schafft mir viel und genug. Als der Wirth das Gold sah, sagte er bei sich selbst. „Das ist ein rechter Edelmann deßgleichen meine Augen nie erblickten!“ | ||
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| + | Nachdem die Speise köstlich und reichlich zugerichtet, | ||
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| + | Als nun der Wächter die Glocke vernahm, trat er ans Bette vor den schlafenden König: „Wohlan, Herr, gebt mir meine Miethe, eben läuten sie den Singos im Dom.“ Schnell stand er auf, legte ein reiches Gewand an, und bat den Wirth, ihn zu geleiten. Dann nahm er ihn bei der Hand, und ging mit ihm vor das Burgthor, aber es lagen starke Riegel davor. „Herr, sprach der Wirth, ihr müßt unten durchschliefen, | ||
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| + | Nun war das Recht in Franken, „wer auf den Stuhl im Dom: saß, der mußte König seyn;“ das däuchte ihm gut, er setzte sich auf den Stuhl, zog sein Schwert, und legte es baar über seine Knie. Da trat der Meßner in den Dom, und wollte die Bücher vortragen; als er aber den König sitzen sah mit baarem Schwert und stillschweigend, | ||
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| + | Die Domherren wollten dem Meßner nicht glauben; einer von ihnen griff ein Licht, und ging unverzagt zu dem Stuhle. Als er die Wahrheit sah, wie der greise Mann auf dem Stuhle saß, warf er das Licht aus der Hand, und floh erschrocken zum Bischof. Der Bischof ließ sich zwei Kerzen von Knechten tragen, die mußten ihm zu dem Dom leuchten; da sah er den Mann auf dem Stuhle sitzen, und sprach furchtsam: „ihr sollt mir sagen, was Mannes ihr seyd, geheuer oder ungeheuer, und wer euch ein Leids gethan, daß ihr an dieser Stätte sitzet? | ||
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| + | Da hob der König an: „ich war euch wohl bekannt, als ich König Carl hieß, an Gewalt war keiner über mich!“ Mit diesen Worten trat er dem Bischof näher, daß er ihn recht ansehen könnte. Da rief der Bischof: „will kommen, liebster Herr! eurer Kunst will ich froh seyn,“ umfing ihn mit seinen Armen, und leitete ihn in sein reiches Haus. Da wurden alle Glocken geläutet, und die Hochzeitgäste frugen, was der Schall bedeute? Als sie aber hörten, daß König Karl zurückgekehrt wäre, stoben sie aus einander, und jeder suchte sein Heil in der Flucht. | ||
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| + | Doch der Bischof bat, daß ihnen der König Friede gäbe, und der Königin wieder hold würde, es sey ohne ihre Schuld geschehn. Den gewährte Karl der Bitte, und gab der Königin seine Huld. | ||
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