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sagen:grimmds2-432

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 +> Sage des Monats Juni 2025
  
 ====== Sage von Attalus dem Pferdeknecht, und Leo dem Küchenjungen ====== ====== Sage von Attalus dem Pferdeknecht, und Leo dem Küchenjungen ======
-Zur Zeit, als [[vip:theuderich_i|Theodorich]] und [[vip:childeberti|Childebert]], die Frankenkönige, in Hader und Zwietracht lebten, und viele edele Söhne zu Geißeln gegeben, oder in Knechtschaft gebracht wurden, trug sich auch folgende Begebenheit zu.+ 
 +Zur Zeit, als [[vip:theuderichi|Theodorich]] und [[vip:childeberti|Childebert]], die Frankenkönige, in Hader und Zwietracht lebten, und viele edele Söhne zu Geißeln gegeben, oder in Knechtschaft gebracht wurden, trug sich auch folgende Begebenheit zu.
  
 Attalus, von guter Abkunft, und ein naher Verwandter des heiligen Gregor, gerieth in die Dienstschaft eines Franken, im Trierischen Gebiet, und wurde zum Pferdewärter bestellt. Der [[vip:gregorvontours|Bischof Gregor]], um sein Schicksal besorgt, sandte Boten aus, die ihn aufsuchen sollten, endlich auch fanden, und seinem Herrn Gaben anboten, um Attalus freizukaufen. Der Mann verwarf sie aber, und sprach: „einer von solcher Geburt muß losgekauft werden, mit zehn Pfunden Goldes.“  Attalus, von guter Abkunft, und ein naher Verwandter des heiligen Gregor, gerieth in die Dienstschaft eines Franken, im Trierischen Gebiet, und wurde zum Pferdewärter bestellt. Der [[vip:gregorvontours|Bischof Gregor]], um sein Schicksal besorgt, sandte Boten aus, die ihn aufsuchen sollten, endlich auch fanden, und seinem Herrn Gaben anboten, um Attalus freizukaufen. Der Mann verwarf sie aber, und sprach: „einer von solcher Geburt muß losgekauft werden, mit zehn Pfunden Goldes.“ 
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 Beim Übergang der [[region:mosel|Mosel]] wurden sie aufgehalten, und mußten Pferde und Decken im Stich lassen; und auf ihre Schilde gelegt, schwammen sie den Strom hinüber. Als die Nacht kam, und es dunkel wurde, gingen sie in einen Wald und bargen sich. Und schon war die dritte Nacht gekommen, und noch keinen Bissen Speise hatten sie in ihren Mund gebracht, und wanderten in einem fort. Da fanden sie auf Gottes Wink einen Baum voll Obst, dem, das man Zwetschen zu nennen pflegt, und erlabten sich daran.  Beim Übergang der [[region:mosel|Mosel]] wurden sie aufgehalten, und mußten Pferde und Decken im Stich lassen; und auf ihre Schilde gelegt, schwammen sie den Strom hinüber. Als die Nacht kam, und es dunkel wurde, gingen sie in einen Wald und bargen sich. Und schon war die dritte Nacht gekommen, und noch keinen Bissen Speise hatten sie in ihren Mund gebracht, und wanderten in einem fort. Da fanden sie auf Gottes Wink einen Baum voll Obst, dem, das man Zwetschen zu nennen pflegt, und erlabten sich daran. 
  
-Darauf langten sie in Campanien (Champagne an); bald hörten sie hinter sich Roßtritte, und sprachen: „es kommen Männer geritten, werfen wir uns zur Erde, daß sie uns nicht erspähen!“ Und siehe, ein großer Dornstrauch stand daneben; dahinter traten sie, warfen sich nieder zu Boden, mit aus der Scheide gezogenen Schwertern: damit, wenn sie entdeckt würden, sie sich alsbald wehren könnten. Die Reuter aber, als sie zu der Stelle gelangt waren, hielten gerade vor dem Dornstrauch still; ihre Pferde ließen den Harn, und einer unter ihnen sprach: „übel geht es mir mit diesen beiden Flüchtlingen, daß wir sie nimmer finden können; das weiß ich aber, so wahr ich lebe, würden sie ertappt, so ließ ich den einen an den [[typ:Galgen]] hängen, den andern in tausend Stücken zerhauen mit Schwertschlägen.“ +Darauf langten sie in Campanien (Champagne an); bald hörten sie hinter sich Roßtritte, und sprachen: „es kommen Männer geritten, werfen wir uns zur Erde, daß sie uns nicht erspähen!“ Und siehe, ein großer Dornstrauch stand daneben; dahinter traten sie, warfen sich nieder zu Boden, mit aus der Scheide gezogenen Schwertern: damit, wenn sie entdeckt würden, sie sich alsbald wehren könnten. Die Reuter aber, als sie zu der Stelle gelangt waren, hielten gerade vor dem Dornstrauch still; ihre Pferde ließen den Harn, und einer unter ihnen sprach: „übel geht es mir mit diesen beiden Flüchtlingen, daß wir sie nimmer finden können; das weiß ich aber, so wahr ich lebe, würden sie ertappt, so ließ ich den einen an den Galgen hängen, den andern in tausend Stücken zerhauen mit Schwertschlägen.“ 
  
 Der die Worte sprach, war ihr Herr der Franken, welcher aus [[geo:reims|Rheims]] herkam, sie zu suchen, und sie unfehlbar gefunden hätte, wo nicht die Nacht dazwischen gekommen wäre. Nach diesem ritten die Männer wieder weiter, jene aber erreichten noch selbe Nacht glücklich die Stadt, gingen hinein und suchten einen Bürger auf, den sie fragten: „wo Paullulus des Priesters Haus wäre?“ Der Bürger zeigte ihnen das Haus. Als sie aber durch die Gasse gingen, läutete das Zeichen zur Frühmesse; denn es war Sonntag.  Der die Worte sprach, war ihr Herr der Franken, welcher aus [[geo:reims|Rheims]] herkam, sie zu suchen, und sie unfehlbar gefunden hätte, wo nicht die Nacht dazwischen gekommen wäre. Nach diesem ritten die Männer wieder weiter, jene aber erreichten noch selbe Nacht glücklich die Stadt, gingen hinein und suchten einen Bürger auf, den sie fragten: „wo Paullulus des Priesters Haus wäre?“ Der Bürger zeigte ihnen das Haus. Als sie aber durch die Gasse gingen, läutete das Zeichen zur Frühmesse; denn es war Sonntag. 
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 Der Franke war auch an diesen Ort gegangen, und hatte die Knaben gesucht; als ihm aber der Priester eine Täuschung vorgesagt, kehrte er zurück. Denn der Priester stand in alter Freundschaft mit dem heil. Gregor. Als sich nun die Knaben mit Speisen zu neuen Kräften gestärkt hatten, und zwei Tage in diesem Hause geblieben waren, schieden sie und kamen glücklich bei Bischof Gregorius an, der sich über ihren Anblick freute, und an dem Halse seines Neffen (Enkels) Attalus weinte. Den Leo aber mit all seinem Geschlechte machte er frei von der Knechtschaft, und gab ihm ein eigen Land, wo er mit Frau und Kindern als ein Freier das Leben beschloß.  Der Franke war auch an diesen Ort gegangen, und hatte die Knaben gesucht; als ihm aber der Priester eine Täuschung vorgesagt, kehrte er zurück. Denn der Priester stand in alter Freundschaft mit dem heil. Gregor. Als sich nun die Knaben mit Speisen zu neuen Kräften gestärkt hatten, und zwei Tage in diesem Hause geblieben waren, schieden sie und kamen glücklich bei Bischof Gregorius an, der sich über ihren Anblick freute, und an dem Halse seines Neffen (Enkels) Attalus weinte. Den Leo aber mit all seinem Geschlechte machte er frei von der Knechtschaft, und gab ihm ein eigen Land, wo er mit Frau und Kindern als ein Freier das Leben beschloß. 
  
-//Quellen// +//Quelle: [[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 2, S. 85-90, 1818//
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 2, S. 85-90, 1818// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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sagen/grimmds2-432.1697722403.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)