sagen:grimmds2-432
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:grimmds2-432 [2023/10/10 15:28] – angelegt ewusch | sagen:grimmds2-432 [2025/07/28 09:08] (aktuell) – ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | > Sage des Monats Juni 2025 | ||
| + | ====== Sage von Attalus dem Pferdeknecht, | ||
| - | //Quellen: // | + | Zur Zeit, als [[vip:theuderichi|Theodorich]] und [[vip: |
| - | | + | |
| - | * // | + | Attalus, von guter Abkunft, und ein naher Verwandter des heiligen Gregor, gerieth in die Dienstschaft eines Franken, im Trierischen Gebiet, und wurde zum Pferdewärter bestellt. Der [[vip: |
| + | |||
| + | Also kamen die Abgesandten unverrichteter Dinge wieder heim zu Gregor; aber Leo, einer seiner Küchendiener sprach: „wofern ihr mir erlauben wollet, ihn aufzusuchen, | ||
| + | |||
| + | Darauf verabredete er sich mit einem andern Manne, und sprach: „komm mit mir dahin, und verkaufe mich in dem Hause des Franken; der Preis, den du empfängst, soll dein Gewinn seyn.“ Der Mann that’s, und schlug ihn um zwölf Goldgulden los; der Käufer aber fragte den Knecht, welchen Dienst er verstünde? „In Zubereitung aller Dinge, die auf der Herren Tische gegessen werden, bin ich gar geschickt, und befürchte nicht, daß einer mich darin übertreffe; | ||
| + | |||
| + | Jener antwortete: „nächsten Sonntag werden meine Nachbarn und Freunde zu mir eingeladen werden; da sollst du ein Mahl zurichten, daß alle sagen, in des Königs Hause hätten sie besseres nicht gefunden.“ Leo sagte: „mein Herr lasse mir nur eine Menge junger Hähne bringen, so will ich dein Gebot schon erfüllen.“ | ||
| + | |||
| + | Als nun das geschehen war, stellte er auf den Sonntag ein solches und dermaßen köstliches Essen zu, daß alle Gäste nicht genug loben konnten. Die Freunde des Herrn kehrten nach Haus zurück, der Herr aber schenkte dem Küchenknecht seine Gunst, und gab ihm Gewalt und Aufsicht über alle seine Vorräthe. So verlief ein Jahr, und der Herr liebte ihn immer mehr, und setzte alles Vertrauen auf ihn. | ||
| + | |||
| + | Ein Mal ging nun Leo auf die Wiese, nahe beim Haus, wo Attalus der Pferde wartete, und fing an mit ihm zu reden; und sie legten sich weit von einander auf die Erde, mit sich zugedrehten Rücken, damit niemand muthmaßen möchte, daß sie zusammen sprächen. „Zeit ist es – sagte Leo – daß wir an unser Vaterland denken; ich mahne dich, wenn du heut Nacht die Pferde in den Stall gebracht hast, so laß dich nicht vom Schlaf bewältigen; | ||
| + | |||
| + | Der Franke hatte aber wieder viele Verwandten und Freunde zu Gast geladen, unter andern den Schwiegersohn, | ||
| + | |||
| + | So im Lachen schieden sie von einander. Wie aber alle entschlafen waren, rief Leo den Attalus aus dem Bett. „Hast du ein Schwert?“ – „Nein, blos einen kurzen Spieß." | ||
| + | |||
| + | Beim Übergang der [[region: | ||
| + | |||
| + | Darauf langten sie in Campanien (Champagne an); bald hörten sie hinter sich Roßtritte, und sprachen: „es kommen Männer geritten, werfen wir uns zur Erde, daß sie uns nicht erspähen!“ Und siehe, ein großer Dornstrauch stand daneben; dahinter traten sie, warfen sich nieder zu Boden, mit aus der Scheide gezogenen Schwertern: damit, wenn sie entdeckt würden, sie sich alsbald wehren könnten. Die Reuter aber, als sie zu der Stelle gelangt waren, hielten gerade vor dem Dornstrauch still; ihre Pferde ließen den Harn, und einer unter ihnen sprach: „übel geht es mir mit diesen beiden Flüchtlingen, | ||
| + | |||
| + | Der die Worte sprach, war ihr Herr der Franken, welcher aus [[geo: | ||
| + | |||
| + | Sie aber klopften an des Priesters Thüre, und sie ward aufgethan. Der Knabe fing an zu erzählen von seinem Herrn. Da sprach der Priester: „so wird wahr mein Traum! denn es träumte mir heunt von zweien Tauben, die flogen her und setzten sich auf meine Hand. Und eine von ihnen war weiß, die andere schwarz.“ Die Knaben sagten dem Priester: „weil ein heiliger Tag heute ist, bitten wir, daß du uns etwas Speise gebest; denn heute leuchtet der vierte Tag, daß wir kein Brot noch Muß genossen haben." | ||
| + | |||
| + | Der Franke war auch an diesen Ort gegangen, und hatte die Knaben gesucht; als ihm aber der Priester eine Täuschung vorgesagt, kehrte er zurück. Denn der Priester stand in alter Freundschaft mit dem heil. Gregor. Als sich nun die Knaben mit Speisen zu neuen Kräften gestärkt hatten, und zwei Tage in diesem Hause geblieben waren, schieden sie und kamen glücklich bei Bischof Gregorius an, der sich über ihren Anblick freute, und an dem Halse seines Neffen (Enkels) Attalus weinte. Den Leo aber mit all seinem Geschlechte machte er frei von der Knechtschaft, | ||
| + | |||
| + | //Quelle: | ||
| + | |||
| + | ---- | ||
| + | {{tag> | ||
sagen/grimmds2-432.1696944504.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
