sagen:grimmds2-412
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| ====== Walther im Kloster ====== | ====== Walther im Kloster ====== | ||
| - | Nachdem er viele Kriegsthaten in der Welt verrichtet hatte, und hochbejahrt war, dachte Held Walther seiner Sünden, und nahm sich vor, durch ein strenges, geistliches Leben die Verzeihung des Himmels zu erwerben. Sogleich sucht er sich einen schönen Stab aus, ließ oben an die Spitze mehrere Ringe, und in jedem Ring eine Schelle heften; darauf zog er ein Pilgrimkleid an, und durchwanderte so fast die ganze Welt. | ||
| - | Er wollte aber die Weise und Regel aller Mönche genau erforschen, und ging in jedes Kloster ein; wenn er aber in die Kirche getreten war, pflegte er zwei oder drei Mal mit seinem Stabe hart auf den Boden zu stoßen, daß alle Schellen klangen; hierbei prüfte er nämlich den Eifer des Gottesdienstes. | + | Chronicon novaliciense Lib II. cap 7-13. |
| - | Als er nun ein Mal in das Kloster Novalese gekommen war, stieß er auch hier seiner Gewohnheit nach, den Pilgerstab hart auf den Boden. Einer der Kirchenknaben drehte sich um rückwärts, | + | ((Offenbar dieselbe Sage handelt von Wilhelm dem Heiligen, als Einsiedler, vergl. das dänische Volksbuch, Carl Magnus, S. 140.)) Nachdem er viele Kriegsthaten in der Welt verrichtet hatte, und hochbejahrt war, dachte Held [[vip: |
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| + | Als er nun ein Mal in das Kloster Novalese gekommen war, stieß er auch hier seiner Gewohnheit nach, den Pilgerstab hart auf den Boden. Einer der Kirchenknaben drehte sich um rückwärts, | ||
| Es war aber in dem Kloster ein hölzerner Wagen, überaus schön gearbeitet, auf den man nichts anders legte, als eine große, oben mit einer helllautenden Schelle versehene, Stange. Diese Stange wurde zuweilen aufgesteckt, | Es war aber in dem Kloster ein hölzerner Wagen, überaus schön gearbeitet, auf den man nichts anders legte, als eine große, oben mit einer helllautenden Schelle versehene, Stange. Diese Stange wurde zuweilen aufgesteckt, | ||
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| Der Abt empfing ihn seufzend, und schalt ihn heftig aus. Walther aber ließ sich eine Buße auflegen, damit er sich nicht leiblich über eine solche That freuen möge, die seiner Seele verderblich war. Er soll indessen, wie einige versichern, drei Mal so mit den einbrechenden Heiden gekämpft, und sie schimpflich von den Gefilden des Klosters zurückgetrieben haben. | Der Abt empfing ihn seufzend, und schalt ihn heftig aus. Walther aber ließ sich eine Buße auflegen, damit er sich nicht leiblich über eine solche That freuen möge, die seiner Seele verderblich war. Er soll indessen, wie einige versichern, drei Mal so mit den einbrechenden Heiden gekämpft, und sie schimpflich von den Gefilden des Klosters zurückgetrieben haben. | ||
| - | Ein ander Mal fand er die Pferde Königs Desiderius auf der Klosterwiese, | + | Ein ander Mal fand er die Pferde |
| Dieser berühmte Held Graf Walther, starb uralt im Kloster, wo er sich selbst noch sein Grab auf einem Berggipfel sorgfältig gehauen hatte. Nach seinem Ableben wurde er und Rathald, sein Enkel, hinein bestattet. Dieser Rathald war der Sohn Rathers, des Sohnes Walthers und Hildgundens. Des Rathalds Haupt hatte einst eine Frau, die Betens halber zu der Grabstätte gekommen war, heimlich mitgenommen und auf ihre Burg gebracht. Als eines Tages Feuer in dieser Burg ausbrach, erinnerte sie sich des Hauptes, zog es heraus, und hielt es der Flamme entgegen. Alsobald erlosch die Feuersbrunst. | Dieser berühmte Held Graf Walther, starb uralt im Kloster, wo er sich selbst noch sein Grab auf einem Berggipfel sorgfältig gehauen hatte. Nach seinem Ableben wurde er und Rathald, sein Enkel, hinein bestattet. Dieser Rathald war der Sohn Rathers, des Sohnes Walthers und Hildgundens. Des Rathalds Haupt hatte einst eine Frau, die Betens halber zu der Grabstätte gekommen war, heimlich mitgenommen und auf ihre Burg gebracht. Als eines Tages Feuer in dieser Burg ausbrach, erinnerte sie sich des Hauptes, zog es heraus, und hielt es der Flamme entgegen. Alsobald erlosch die Feuersbrunst. | ||
| - | Nach dem letzten Einbruch der Heiden, und bevor der heil. Ort wieder erbaut wurde, wußte niemand von den Einwohnern mehr, wo Walthers Grab war. Dazumal lebte in der Stadt Segusium eine sehr alte Wittwe, Namens Petronilla, gebückt am Stabe einhergehend, | + | Nach dem letzten Einbruch der Heiden, und bevor der heil. Ort wieder erbaut wurde, wußte niemand von den Einwohnern mehr, wo Walthers Grab war. Dazumal lebte in der Stadt Segusium eine sehr alte Wittwe, Namens Petronilla, gebückt am Stabe einhergehend, |
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| - | Vergl. Meister Stolle (hinter Tristan. S. 147. No. IX.)</ | + | |
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sagen/grimmds2-412.1697632421.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
