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sagen:grimmds1-349

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-====== Die Heidenjungfrau zu Glatz ======+====== Das Gnadenbild aus dem Lerchenstock zu Waldrast ======
  
-    Belurius glätzische ChronikLpzg. 1625. 4. S. 124–128. vgl. S. 86.+Im Jahr 1392sandte [[vip:hlgmaria|die große Frau im Himmel]] einen [[wesen:Engel]] aus nach [[region:tirol|Tyrol]] in die Waldrast auf dem SerlesbergDer trat vor einen hohlen Lerchenstock und sprach zu ihm im Namen der Gottesmutter: 
 +„du Stock sollst der Frauen im Himmel Bild fruchten!“
  
-Alte und junge Leute zu [[geo:Glatz]] erzählten: in der heidnischen Zeit habe da eine gottlosezauberhafte [[typ:Jungfrau]] das Land beherrschtdie mit ihrem [[typ:bogen|Ranzenbogen]] vom Schloß herab bis zur großen eisersdorfer [[typ:Linde]] geschossen, als sie mit ihrem Bruder gewettet: wer den Pfeil am weitesten schießen könnte. Des Bruders [[typ:Pfeil]] reichte kaum auf den halben Wegund die [[typ:Jungfrau]] gewann. An dieser [[typ:Linde]] stehet die Grenzeund sie soll so alt seynwie der [[typ:turm|Heidenthurm]] zu [[geo:Glatz]] und wenn sie gleich einmal oder das ander verdorret, so ist sie doch immer ausgewachsen und stehet noch+Das Bild wuchs nun im Stock und zwei fromme HirtenknabenHänsle und Peterle aus dem Dorfe Mizensgewahrten sein zuerst im Jahr 1407. Verwundert liefen sie hinab zu den Bauern und erzählten„gehet auf das Gebirgda stehet etwas wunderbarliches im hohlen Stockwir trauten uns nicht es anzurühren.“ Das heilige Bild wurde nun erkanntmit einer Säge aus dem Stock geschnitten und einstweilen nach Matrey gebracht
  
-Auf der [[typ:Linde]] saß einmal die Wahrsagerin und [[typ:weissagung|weissagte]] von der Stadt viel zukünftige Dinge: der [[volk:türken|Türk]] werde bis nach [[geo:Glatz]] dringen, aber wenn er über die steinerne [[typ:Brücke]] auf den Ring einziehe, eine schwere Niederlage erleiden durch die vom Schloß herab auf ihn ziehenden Christen; solches werde aber nicht geschehenbevor ein Haufen [[typ:kranich|Kraniche]] durch die Brotbänke geflogen. – Zum Zeichen, daß die [[typ:Jungfrau]] ihren Bruder mit dem [[typ:Bogen]] überschossen, setzte man auf der Meile hinter dem Graben zween spitzige Steine+Da stund es, bis daß ihm eine eigene Kirche zur Waldrast selbst gebauet wurde, dazu bediente sich U. L. F. eines armen Holzhackers Namens Lusch, gesessen zu Matrey. Als der eines [[zeit:pfingsten|Pfingsttags]] Nacht an seinem Bett lag und schliefkam eine Stimmeredete zu dreienmalen und sprach„schläfst du oder wachst du?“ Und beim drittenmal erwachte er und frug„wer bist du oder was willst du?“ Die Stimme sprach„du sollst aufbringen eine Capelle in der Ehre U. L. F. auf der Waldrast.“ Da sprach der Holzhauer: „das will ich nit thun.“ 
  
-Weil sie aber mit ihrem eigenen Bruder unerlaubte Liebe gepflogenwar sie vom Volk verabscheut und es wurde ihr nach dem Leben getrachtetallein sie wußte durch ihre [[typ:zauberei|Zauberkunst]] und Stärkeda sie oftmals aus Kurzweile ein ganzes Hufeisen zerrißstets zu entrinnen. Zuletzt jedoch blieb sie gefangen und in einem großen Saalwelcher bei dem Thordadurch man aus dem Niederschloß ins Oberschloß gehetvermauert+Aber die Stimme kehrte wieder zu der andern Pfingsttagnacht und redete mit ihm in der Maas als zuvor. Da. sprach er: „ich bin zu arm dazu.“ Da kam die Stimme zu der dritten Pfingsttagnacht abermal an sein Bett und redete als vor. Also hatte er dreier Nacht keine vor Sorgen geschlafen und antwortete der Stimme: „wie meinest du’sdaß du nicht von mir willt lassen?“ Da sprach die Stimm: „du sollt es thun.“ Da sprach er: „ich will sein nit thun!“ Da nahm es ihn und hob ihn gerad auf in die Höhe und sagte: „du sollt es nun thunberathe dich drum!“ Da gedacht er„o ich armer Mannwas rath ichdaß ichs recht thue?“ und spracher wollte es thunwo er nur die rechte Stätte wüßte. Die Stimme sprach: „im Wald ist ein grüner Fleck im Moose, da leg dich nieder und rasteso wird dir wohl kund gethan die rechte Stätte.“ 
  
-Da kam sie ums Leben und zum Andenken stehet ihr Bildniß links deßelben Thors an der Mauer über den tiefen Graben in Stein ausgehauen und wird bis auf den heutigen Tag allen fremden Leuten gezeigtAußerdem hing ihr Gemählde im grünen Schloßsaal und in der Schloßkirche an einem eisernen Nagel in der Wand schön gelbes Haaretlichemal aufgeflochten nach der LängeDie Leute nennen es allgemein: das Haar der [[typ:heiden|Heidenjungfrau]]; es hanget so hochdaß es ein großer Mann auf der Erden stehend mit der Hand erreichen kannungefähr drei Schritt von der Thüre weit+Der Holzhauer machte sich auf, legte sich hin auf das Moos und rastete, (davon heißt der Ort: die Rast im Walde, Waldrast.) Wie er entschlafen war, hörte er im Schlaf zwei Glöckel. Da wachte er und sah vor sich auf dem Flecken, da jetzund die Kirch stehet, eine Frau in weißen Kleideren und hätte ein Kind am Armdeß ward ihm nur ein Blick((er sah die Erscheinung nur einen Augenblick.)). Da gedachte erallmächtiger Gott, da ist freilich die rechte Statt! und ging auf die Statt, da er das Bild gesehen hatte, und merkts aus, nach dein als er vermeinte eine [[kirche:mariawaldrast|Kirche]] zu machenund die Glöckel klungenbis er ausgemerkt hatte, hernach hörte er sie nicht mehr
  
-Sie soll in der Gestalt und Kleidungwie sie abgemalet wirdöfters im Schlosse erscheinenbeleidiget doch niemandenaußer wer sie [[typ:hohn|höhnt]] und [[typ:spott|spottet]]oder ihre Haarflechte aus der Kirche wegzunehmen gedenktZu einem [[typ:Soldat]], der sie verspottetkam sie auf die Schildwache und gab ihm mit kalter Hand einen BackenstreichEinem andern, der das Haar entwendet, erschien sie Nachts, kratzte und krengelte ihn bis nahe an den Tod, wenn er nicht schnell durch seinen Rottgesellen das Haar wieder an den alten Ort hätte tragen lassen+Da sprach er: „lieber Gott, wie soll ichs verbringen? ich bin arm und habe kein Gutda ich solchen Bau mit verbringen möge.“ Da sprach wiederum die Stimme: „so geh zu frommen Leutendie geben dir wohl alsovieldaß du es verbringst. Und wann es beschiehetdaß man es weihen soll, da wird es stillstehen 36 Jahr, darnach wird es fürgäng und werden große Zeichen da geschehen zu ewigen Zeiten.“ Und da er die Capelle anfangen wollte zu machenging er zu seinem Beichtvater und thät ihm das kund 
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 +Da schuf er ihn vor den Bischof Ulrich gen [[geo:Brixen]], da ging er zu fünfmalen gen Brixendaß ihm der Bischof den Bau und die Capelle zu machen erlaubte 
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 +Das thät der Bischof und ist beschehen am Erchtag (Dienstag) vor S. Pancratius im Jahr 1409.
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 409410, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 447449, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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sagen/grimmds1-349.1701156828.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)