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sagen:grimmds1-348

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-====== Jungfrau Ilse ======+====== Das Muttergottes-Bild am Felsen ======
  
-    Otmar S. 171 - 174. +    Mündlich, aus Oberwallis
-    Quedlinb. Sammlung. S. 204. 205.+
  
-Der Ilsenstein ist einer der größten Felsen des [[region:harz|Harzgebirges]]liegt auf der Nordseite in der Grafschaft [[geo:wernigerode|Wernigerode]] unweit [[geo:ilsenburg|Ilsenburg]] am Fuß des [[region:brocken|Brockens]] und wird von der [[region:Ilse]] bespült. Ihm gegenüber ein ähnlicher Felsdessen Schichten zu diesem passen und bei einer Erderschütterung davon getrennt zu seyn scheinen.+Im Visperthal((Anmerkung Sagenwiki: Das Vispertal ist ein rund 7,5 Kilometer langes Seitental des Schweizer Rhonetals.)) an einer schroffen Felsenwand des Rätibergs hinter St. Niklas stehet hoch oben, den Augen kaum sichtbarein kleines [[ding:Marienbild]] im Stein. Es stand sonst unten am Weg in einem jetzt leeren Capellchendaß die vorbeigehenden Leute davor beten konnten
  
-Bei der [[typ:flut|Sündfluth]] flohen zwei Geliebte dem Brocken zuum der immer höher steigenden allgemeinen Ueberschwemmung zu entrinnen. Eh sie noch denselben erreichten und gerade auf einem andern Felsen zusammenstandenspaltete sich solcher und wollte sie trennenAuf der linken Seitedem [[region:Brocken]] zugewandtstand die [[typ:Jungfrau]]; auf der rechten der Jüngling und miteinander stürzten sie umschlungen in die Fluten. Die [[typ:jungfrau|Jungfrau]] hieß Ilse+Einmal aber geschahsdaß ein gottloser Mensch, dessen Wünsche unerhört geblieben waren, Koth nahm und das heilige Bild damit bewarf; es weinte Thränen: als er aber den Frevel wiederholteda eilte es fort, hoch an die Wand hinauf und wollte sich auf das Flehen der Leute nicht wieder herunter begebenDen Fels hinanzuklimmen und es zurückzuhohlenwar ganz unmöglich; eherdachten die Leute, könnten sie ihm oben vom Gipfel herab nahen, erstiegen den Berg und wollten einen Mann mit starken Stricken umwunden so weit hernieder schweben lassen, bis er vor das Bild käme und es in Empfang nehmen könnte
  
-Noch alle Morgen schließt sie den Ilsenstein auf, sich in der Ilse zu baden. Nur wenigen ist es vergönnt, sie zu sehen, aber wer sie kennt, preist sie. Einst fand sie frühmorgens ein [[typ:koehler|Köhler]], grüßte sie freundlich und folgte ihrem Winken bis vor den Fels; vor dem Fels nahm sie ihm seinen Ranzen abging hinein damit und brachte ihn gefüllt zurück. Doch befahl sie dem [[typ:koehler|Köhler]], er sollte ihn erst in seiner Hütte öffnen. Die Schwere fiel ihm auf und als er auf der [[typ:brücke|Ilsenbrücke]] warkonnt er sich nicht länger enthaltenmachte den Ranzen auf und sah [[typ:eichel|Eicheln]] und Tannäpfel. Unwillig schüttelte er sie in den Strom, sobald sie aber die Steine der Ilse berührten, vernahm er ein Klingeln und sah mit Schrecken, daß er [[typ:Gold]] verschüttet hatte. Der nun sorgfältig aufbewahrte Ueberrest in den Ecken des Sacks machte ihn aber noch reich genug.  +Allein im Herunterlassen wurde der Strickworan sie ihn oben festhielten, unten zu immer dünner und dünnerja als er eben dem Bild nah kamso dünn wie ein Haardaß den Menschen eine schreckliche Angst befiel und er hinaufrief: sie sollten ihn um Gotteswillen zurückziehensonst wär er verlorenAlso zogen sie ihn wieder hinauf und die Seile erlangten zusehends die vorige StärkeDa mußten die Leute von dem Gnadenbild abstehen und bekamen es nimmer wieder
- +
-Nach einer andern Sage stand auf dem Ilsenstein vorzeiten eines Harzkönigs Schloß, der eine sehr schöne Tochter Namens Ilse hatte. Nah dabei hauste eine [[typ:Hexe]], deren Tochter über alle Maßen häßlich aussah. Eine Menge Freier warben um Ilseaber niemand begehrte die Hexentochter, da zürnte die [[typ:Hexe]] und wandte durch Zauber das Schloß in einen Felsen, an dessen Fuße sie eine nur der Königstochter sichtbare Thüre anbrachteAus dieser Thüre schreitet noch jetzo alle Morgen die verzauberte Ilse und badet sich im Flusse, der nach ihr heißt. Ist ein Mensch so glücklich und sieht sie im Bade, so führt sie ihn mit ins Schloß, bewirthet ihn köstlich und entläßt ihn reichlich beschenktAber die neidische [[typ:hexe|Hexe]] macht, daß sie nur an einigen Tagen des Jahrs im Bad sichtbar ist.  +
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-Nur derjenige vermag sie zu [[typ:erlösung|erlösen]], der mit ihr zu gleicher Zeit im Flusse badet und ihr an Schönheit und Tugend gleicht.+
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 407 - 408, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 446, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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-{{tag>sagen grimm deutschesagen1 hexe harz brocken wernigerode ilsenburg jungfrau köhler fluch hexe gold ilse flut eichel zapfen erlösung}}+{{tag>sagen grimm deutschesagen1 wunder marienbild frevel strick bild felsen haar v2}} 
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