Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:grimmds1-341

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:grimmds1-341 [2023/11/28 08:11] – ewuschsagen:grimmds1-341 [2025/01/30 17:52] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 3: Zeile 3:
 [[sagen:grimmds1-342| weiter >>>]] [[sagen:grimmds1-342| weiter >>>]]
  
-====== Hans Jagenteufel ======+====== Die Pferde aus dem Bodenloch ======
  
-    Journal von und für Deutschl. 1787. II. Nr. 27. +    Greg. Horst in s. Zusätzen zu Marc Donatus hist. medica mirab. cap. 9. p. 707. 
-    Prätorius Weltbeschr. II. 69–72+    Cölner Taschenbuch für altdeutsche Kunst 1816.
  
-Man glaubt: wer eine der [[typ:köpfen|Enthauptung]] würdige Unthat verrichte, die bei seinen Lebzeiten nicht herauskomme, der müsse nach dem Tod mit dem [[typ:ohnekopf|Kopf unterm Arm]] umgehen.+Richmuth von Adocht, eines reichen Burgermeisters zu [[geo:köln|Cöln]] Ehefrau, starb und wurde begraben. Der Todtengräber hatte gesehen, daß sie einen köstlichen Ring am Finger trug, die Begierde trieb ihn Nachts zu dem Grab, das er öffnete, Willens den Ring abzuziehen. Kaum aber hatte er den Sargdeckel aufgemacht, so sah er, daß der Leichnam die Hand zusammendrückte und aus dem Sarg steigen wollte. Erschrocken floh er. 
  
-Im Jahr 1644. ging ein Weib aus [[geo:Dresden]] eines Sonntags früh in einen nahen Wald, daselbst Eicheln zu lesen. In der Heide an einem Grund nicht weit von dem Orte, das verlorene Wasser genannt, hörte sie stark mit dem Jägerhorn blasen, darauf that es einen harten Fall, als ob ein Baum fiele. +Die Frau wand sich aus den Grabtüchern los, trat heraus und ging gerades Schritts auf ihr Haus zu, wo sie den bekannten Hausknecht bei Namen rief, daß er schnell die Thüre öffnen sollte und erzählte ihm mit wenigen Worten, was ihr widerfahren. Der Hausknecht trat zu seinem Herrn und sprach: „unsere Frau steht unten vor der Thüre und will eingelassen seyn.“ „Ach, sagte der Herr, das ist unmöglich, eh das möglich wäre, eher würden meine Schimmel oben auf dem Heuboden stehen!“ 
  
-Das Weib erschrack und barg ihr Säcklein Eicheln ins Gestrüpf, bald darauf blies das Horn wieder und als sie umsah, erblickte sie auf einem Grauschimmel in langem grauen Rock einen Mann [[typ:ohnekopf|ohne Kopf]] reiten, er trug [[typ:Stiefel]] und Sporn und hatte ein Hifthorn über dem Rücken hangen. Weil er aber ruhig vorbei ritt, faßte sie wieder Muth, las ihre [[typ:eichel|Eicheln]] fort und kehrte Abends ungestört heim. +Kaum hatte er das Wort ausgeredet, so trappelte es auf der Treppe und auf dem Boden und siehe, die sechs Schimmel standen oben alle beisammen. Die Frau hatte nicht nachgelassen mit Klopfen, nun glaubte der Burgermeister, daß sie wirklich da wäre; mit Freuden wurde ihr aufgethan und sie wieder völlig zum Leben gebracht. 
  
-Neun Tage später kam die Frau in gleicher Absicht in dieselbe Gegend und als sie am Försterberg niedersaß, einen [[typ:Apfel]] zu schälen, rief hinter ihr eine Stimme: „habt ihr den Sack voll Eicheln und seyd nicht gepfändet worden?“ „Nein, sprach sie, die [[typ:Förster]] sind fromm und haben mir nichts gethan, Gott. biß mir Sünder gnädig!“ – mit diesen Worten drehte sie sich um, da stand derselbe Graurock, aber ohne Pferd, wieder und hielt den Kopf mit bräunlichem, krausendem Haar unter dem Arm.  +Den andern Tag schauten die Pferde noch aus dem Bodenloch und man mußte ein großes Gerüste anlegen, um sie wieder lebendig und heil herabzubringen. Zum Andenken der Geschichte hat man Pferde ausgestopft, die aus diesem Haus zum Boden herausgucken. Auch ist sie in der Apostelkirche abgemahlt, wo man überdem einen langen leinenen Vorhang zeigt, den Frau Richmuth nachher mit eigner Hand gesponnen und dahin verehrt hat. Denn sie lebte noch sieben Jahre. 
- +
-Die Frau fuhr zusammen, das [[typ:Gespenst]] aber sprach: „hieran thut ihr wohl, Gott um Vergebung eurer [[typ:sünde|Sünden]] zu bitten, mir hats nicht so wohl werden können.“ Darauf erzählte es: vor 130 Jahren habe er gelebt und wie sein Vater Hans Jagenteufel geheißen. Sein Vater habe ihn oft ermahnt, den armen Leuten nicht zu scharf zu seyn, er aber die Lehre in den Wind geschlagen und dem Saufen und Trinken obgelegen und Böses genug gethan. Darum müsse er nun als ein [[typ:fluch|verdammter]] Geist umwandern.+
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 398 - 399, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 440–441, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
 ---- ----
-{{tag>sagen grimm deutschesagen1 prätorius weltbeschreibung dresdnerheide dresden ohnekopf 1644 fluch eichel apfel sünde}}+{{tag>sagen grimm deutschesagen1 köln vonAdocht bürgermeister sterben begräbnis totengräber ring leiche sarg schimmel dachboden loch pferd wiedergänger dachluke v2}} 
sagen/grimmds1-341.1701155504.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)