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sagen:grimmds1-332

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-====== Der Gemsjäger ======+====== Schwarzkopf und Seeburg am Mummel-See ======
  
-Ein [[typ:jäger|Gemsjäger]] stieg auf und kam zu dem [[typ:felsen|Felsgrat]] und immer weiter klimmend, als er je vorher gelangt war, stand plötzlich ein häßlicher [[typ:Zwerg]] vor ihm, der sprach zornig: „warum erlegst du mir lange schon meine [[typ:gemse|Gemsen]] und lässest mir nicht meine Heerde? jetzt sollst du’s mit deinem Blute theuer bezahlen!“ Der [[typ:Jäger]] erbleichte und wäre bald hinabgestürzt, doch faßte er sich noch und bat den [[typ:Zwerg]] um Verzeihung, denn er habe nicht gewußt, daß ihm diese Gemsen gehörten+    Erzählungen und Märchen von Gustav. Lpzg1804
  
-Der [[typ:Zwerg]] sprach„gut, aber laß dich hier nicht wieder blicken, so verheiß ich dir, daß du jeden siebenten Tag Morgenfrüh vor deiner Hütte ein geschlachtetes Gemsthier hangen finden sollstaber hüte dich mir und schone die andern.“ Der [[typ:Zwerg]] verschwand und der [[typ:Jäger]] ging nachdenklich heim und die ruhige Lebensart behagte ihm wenigAm siebenten Morgen hing eine fette [[typ:Gemse]] in den Aesten eines Baums vor seiner Hüttedavon zehrte er ganz vergnügt und die nächste Woche gings eben so und dauerte ein Paar Monate fort+Der [[region:mummelsee|Mummel-See]] liegt im tiefen [[region:murg|Murgthale]] rings von ehemaligen Burgen umgeben; gegeneinander stehen die Ueberreste. der ehemaligen Festen Schwarzkopf und Seeburg. Die Sage erzählt, daß jeden Tag, wann Dämmerung die Bergspitzen verhüllt, von der Seite des Seeburger Burghofes dreizehn Stück Rothwild zu einem Pförtchen herein, über den Platz, und zu dem entgegengesetzten flügellosen Burgthore hinaus eilenGeübte Wildschützen bekamen von diesen Thieren immer eins, aber nie mehr in ihre Gewalt. Die andern Kugeln gingen fehloder fuhren in die Hunde. Kein Jäger schoß seit der Zeit auf ein anderes Thier, als das in diesem Zuge lief und sich durch Größe und Schönheit auszeichnete
  
-Allein zuletzt verdroß den [[typ:Jäger]] seiner Faulheit und er wollte lieber selber Gemsen jagen, möge erfolgenwas da werdeals sich den Braten zutragen lassenDa stieg er auf und nicht langeso erblickte er einen stolzen Leitbocklegte an und zielteUnd als ihm nirgends der böse Zwerg erschienwollte er eben losdrückenda war der [[typ:Zwerg]] hinten her geschlichen und riß den Jäger am Knöchel des Fußes niederdaß er zerschmettert in den Abgrund sank.+Von diesem täglichen Zuge ist jedoch der Freitag ausgenommen, der deswegen den noch jetzt üblichen Namen Jäger-Sabbath erhielt und an welchem niemand die Seeburg betritt. Aber an diesem Tageum die Mitternachtwird eine andere Erscheinung gesehenZwölf Nonnenin ihrer Mitte ein blutender Mannin dessen Leib zwölf Dolche stecken, kommen durch die kleine Waldpforte in den Hof und wandeln still dem großen Burgthore zuIn diesem Augenblick erscheint aus dem Portale eine ähnliche Reihebestehend in zwölf ganz schwarzen Männernaus deren Leibern Funken sprühen und überall brennende Flecken hervorlodern; sie wandeln dicht an den Nonnen und ihrem blutigen Begleiter vorüber, in ihrer Mitte aber schleicht eine weibliche Gestalt
  
-Andere erzählenes habe der [[typ:Zwerg]] dem [[typ:Jäger]] ein [[typ:käse|Gemskäslein]] geschenktan dem er wohl sein Lebelang hätte genug haben mögener es aber unvorsichtig einmal aufgegessen oder ein unkundiger Gast ihm den Rest verschlungen. Aus [[typ:armut|Armuth]] habe er demnach wieder die Gemsjagd unternommen und sey vom [[typ:Zwerg]] in die Fluh gestürzt worden.+Dieses Gesicht erklärt die Sage auf folgende Weisein der Seeburg lebten zwölf Brüder, Raub-Grafen, und bei ihnen eine gute Schwester; auf dem Schwarzkopf aber ein edler Ritter Mit zwölf Schwestern. Es geschahdaß die zwölf Seeburger in einer Nacht die zwölf Schwestern vom Schwarzkopf entführtendagegen aber auch der Schwarzkopfer die einzige Schwester der zwölf Raubgrafen in seine Gewalt bekam. Beide Theile trafen in der Ebene des Murgthals auf einander und es entstand ein Kampf, in welchem die Seeburger bald die Oberhand erhielten und den Schwarzkopfer gefangen nahmen.  
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 +Sie führten ihn auf die Burg und jeder von den Zwölfen stieß ihm einen Dolch vor den Augen seiner sterbenden Geliebten, ihrer Schwester, in die Brust. Bald darnach befreiten sich die zwölf geraubten, Schwestern aus ihren Gemächern, suchten die zwölf Dolche aus der Brust ihres Bruders und tödteten in der Nacht sämmtliche Mord-Grafen. Sie flüchteten nach der That, wurden aber von den Knechten ereilt und getödtet. Als hierauf das Schloß durch Feuer zerstört ward, da sah man die Mauern, in welchen die Jungfrauen geschmachtet, sich öffnen, zwölf weibliche Gestalten, jede mit einem Kindlein auf dem Arm, traten hervor, schritten zu dem Mummel-See und stürzten sich in seine Fluten. Nachher hat das Wasser die zertrümmerte Burg verschlungen, in welcher Gestalt sie noch hervorragt. 
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 +Ein armer Mann, der in der Nähe des Mummel-Sees wohnte und oftmals für die Geister des Wassers gebätet hatte, verlor seine Frau durch den Tod. Abends darauf hörte er in der Kammer, wo sie auf Spänen lag, eine leise Musik ertönen. Er öffnete ein wenig die Thüre und schaute hinein und sah sechs Jungfrauen, die mit Lichtlein in den Händen um die Todte standen; am folgenden Abend waren es eben so viel Jünglinge, die bei der Leiche wachten und sie sehr traurig betrachteten
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 389390, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 427430, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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sagen/grimmds1-332.1701102226.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)