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sagen:grimmds1-318

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-====== Jungfrau Ilse ======+====== Die Heidenjungfrau zu Glatz ======
  
-    Otmar S171 - 174. +    Belurius glätzische ChronikLpzg16254. S. 124–128. vgl. S86.
-    QuedlinbSammlung. S. 204205.+
  
-Der Ilsenstein ist einer der größten Felsen des [[region:harz|Harzgebirges]], liegt auf der Nordseite in der Grafschaft [[geo:wernigerode|Wernigerode]] unweit [[geo:ilsenburg|Ilsenburg]] am Fuß des [[region:brocken|Brockens]] und wird von der [[region:Ilse]] bespültIhm gegenüber ein ähnlicher Felsdessen Schichten zu diesem passen und bei einer Erderschütterung davon getrennt zu seyn scheinen.+Alte und junge Leute zu [[geo:Glatz]] erzählten: in der heidnischen Zeit habe da eine gottlose, zauberhafte Jungfrau das Land beherrscht, die mit ihrem Ranzenbogen vom Schloß herab bis zur großen [[geo:eisersdorf|eisersdorfer]] Linde geschossen, als sie mit ihrem Bruder gewettetwer den Pfeil am weitesten schießen könnte. Des Bruders Pfeil reichte kaum auf den halben Weg, und die Jungfrau gewannAn dieser Linde stehet die Grenzeund sie soll so alt seyn, wie der Heidenthurm zu Glatz und wenn sie gleich einmal oder das ander verdorret, so ist sie doch immer ausgewachsen und stehet noch
  
-Bei der [[typ:flut|Sündfluth]] flohen zwei Geliebte dem Brocken zuum der immer höher steigenden allgemeinen Ueberschwemmung zu entrinnen. Eh sie noch denselben erreichten und gerade auf einem andern Felsen zusammenstandenspaltete sich solcher und wollte sie trennenAuf der linken Seite, dem [[region:Brocken]] zugewandtstand die [[typ:Jungfrau]]; auf der rechten der Jüngling und miteinander stürzten sie umschlungen in die Fluten. Die [[typ:jungfrau|Jungfrau]] hieß Ilse+Auf der Linde saß einmal die Wahrsagerin und weissagte von der Stadt viel zukünftige Dinge: der [[volk:türken|Türk]] werde bis nach Glatz dringenaber wenn er über die steinerne Brücke auf den Ring einzieheeine schwere Niederlage erleiden durch die vom Schloß herab auf ihn ziehenden Christen; solches werde aber nicht geschehen, bevor ein Haufen Kraniche durch die Brotbänke geflogen– Zum Zeichendaß die Jungfrau ihren Bruder mit dem Bogen überschossensetzte man auf der Meile hinter dem Graben zween spitzige Steine
  
-Noch alle Morgen schließt sie den Ilsenstein auf, sich in der Ilse zu baden. Nur wenigen ist es vergönnt, sie zu sehen, aber wer sie kenntpreist sie. Einst fand sie frühmorgens ein [[typ:koehler|Köhler]], grüßte sie freundlich und folgte ihrem Winken bis vor den Fels; vor dem Fels nahm sie ihm seinen Ranzen abging hinein damit und brachte ihn gefüllt zurück. Doch befahl sie dem [[typ:koehler|Köhler]], er sollte ihn erst in seiner Hütte öffnen. Die Schwere fiel ihm auf und als er auf der [[typ:brücke|Ilsenbrücke]] warkonnt er sich nicht länger enthaltenmachte den Ranzen auf und sah [[typ:eichel|Eicheln]] und TannäpfelUnwillig schüttelte er sie in den Stromsobald sie aber die Steine der Ilse berührtenvernahm er ein Klingeln und sah mit Schreckendaß er [[typ:Gold]] verschüttet hatte. Der nun sorgfältig aufbewahrte Ueberrest in den Ecken des Sacks machte ihn aber noch reich genug+Weil sie aber mit ihrem eigenen Bruder unerlaubte Liebe gepflogenwar sie vom Volk verabscheut und es wurde ihr nach dem Leben getrachtetallein sie wußte durch ihre Zauberkunst und Stärkeda sie oftmals aus Kurzweile ein ganzes Hufeisen zerrißstets zu entrinnenZuletzt jedoch blieb sie gefangen und in einem großen Saalwelcher bei dem Thordadurch man aus dem Niederschloß ins Oberschloß gehetvermauert
  
-Nach einer andern Sage stand auf dem Ilsenstein vorzeiten eines Harzkönigs Schloß, der eine sehr schöne Tochter Namens Ilse hatte. Nah dabei hauste eine [[typ:Hexe]], deren Tochter über alle Maßen häßlich aussahEine Menge Freier warben um Ilse, aber niemand begehrte die Hexentochter, da zürnte die [[typ:Hexe]] und wandte durch Zauber das Schloß in einen Felsen, an dessen Fuße sie eine nur der Königstochter sichtbare Thüre anbrachte. Aus dieser Thüre schreitet noch jetzo alle Morgen die verzauberte Ilse und badet sich im Flusse, der nach ihr heißtIst ein Mensch so glücklich und sieht sie im Badeso führt sie ihn mit ins Schloßbewirthet ihn köstlich und entläßt ihn reichlich beschenkt. Aber die neidische [[typ:hexe|Hexe]] macht, daß sie nur an einigen Tagen des Jahrs im Bad sichtbar ist+Da kam sie ums Leben und zum Andenken stehet ihr Bildniß links deßelben Thors an der Mauer über den tiefen Graben in Stein ausgehauen und wird bis auf den heutigen Tag allen fremden Leuten gezeigtAußerdem hing ihr Gemählde im grünen Schloßsaal und in der Schloßkirche an einem eisernen Nagel in der Wand schön gelbes Haaretlichemal aufgeflochten nach der LängeDie Leute nennen es allgemein: das Haar der Heidenjungfrau; es hanget so hochdaß es ein großer Mann auf der Erden stehend mit der Hand erreichen kannungefähr drei Schritt von der Thüre weit
  
-Nur derjenige vermag sie zu [[typ:erlösung|erlösen]], der mit ihr zu gleicher Zeit im Flusse badet und ihr an Schönheit und Tugend gleicht.+Sie soll in der Gestalt und Kleidung, wie sie abgemalet wirdöfters im Schlosse erscheinen, beleidiget doch niemanden, außer wer sie höhnt und spottet, oder ihre Haarflechte aus der Kirche wegzunehmen gedenkt. Zu einem Soldat, der sie verspottet, kam sie auf die Schildwache und gab ihm mit kalter Hand einen Backenstreich. Einem andern, der das Haar entwendet, erschien sie Nachts, kratzte und krengelte ihn bis nahe an den Tod, wenn er nicht schnell durch seinen Rottgesellen das Haar wieder an den alten Ort hätte tragen lassen
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 407 - 408, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 409–410, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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