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sagen:grimmds1-317

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-====== Der Schäfer und der Alte aus dem Berg ====== 
  
-    Mündlich, aus Wernigerode+====== Jungfrau Ilse ======
  
-Nicht weit von der Stadt [[geo:Wernigerode]] befindet sich in einem Thale eine Vertiefung in steinigem Erdboden, welche das Weinkeller-[[typ:Loch]] genannt wird und worin große [[typ:schatz|Schätze]] liegen sollen+    Otmar S. 171 174. 
 +    Quedlinb. Sammlung. S. 204. 205.
  
-Vor vielen Jahren weidete ein armer [[typ:Schäfer]], ein frommer und stiller Mann, dort seine Heerde. Einmal, als es eben Abend werden wollte, trat ein [[typ:altermann|greiser Mann]] zu ihm und sprach„folge mir, so will ich dir Schätze zeigen, davon du dir nehmen kannst, so viel du Lust hast.“ +Der Ilsenstein ist einer der größten Felsen des [[region:harz|Harzgebirges]], liegt auf der Nordseite in der Grafschaft [[geo:wernigerode|Wernigerode]] unweit [[geo:ilsenburg|Ilsenburg]] am Fuß des [[region:brocken|Brockens]] und wird von der [[region:Ilse]] bespült. Ihm gegenüber ein ähnlicher Felsdessen Schichten zu diesem passen und bei einer Erderschütterung davon getrennt zu seyn scheinen.
  
-Der Schäfer überließ dem Hund die Bewachung der Heerde und folgte dem AltenIn einer kleinen Entfernung that sich plötzlich der Boden auf, sie traten beide ein und stiegen in die Tiefe, bis sie zu einem Gemach kamenin welchem die größten [[typ:schatz|Schätze]] von [[typ:Gold]] und edlen Steinen aufgethürmt lagenDer Schäfer wählte sich einen Goldklumpen und jemandden er nicht sahsprach zu ihm: „bringe das Gold dem [[typ:goldschmied|Goldschmidt]] in die Stadt, der wird dich reichlich bezahlen.“ +Bei der Sündfluth flohen zwei Geliebte dem Brocken zu, um der immer höher steigenden allgemeinen Ueberschwemmung zu entrinnenEh sie noch denselben erreichten und gerade auf einem andern Felsen zusammenstandenspaltete sich solcher und wollte sie trennenAuf der linken Seitedem Brocken zugewandtstand die Jungfrau; auf der rechten der Jüngling und miteinander stürzten sie umschlungen in die Fluten. Die Jungfrau hieß Ilse
  
-Darauf leitete ihn sein Führer wieder zum Ausgang und der [[typ:Schäfer]] thatwie ihm geheißen war und erhielt von dem Goldschmidt eine große Menge GeldesErfreut brachte er es seinem Vaterdieser sprach: „versuche noch einmal in die Tiefe zu steigen.“ „JaVaterantwortete der [[typ:Schäfer]]ich habe dort meine [[typ:handschuh|Handschuhe]] liegen lassenwollt ihr mitgehenso will ich sie holen.“ +Noch alle Morgen schließt sie den Ilsenstein aufsich in der Ilse zu badenNur wenigen ist es vergönntsie zu sehen, aber wer sie kennt, preist sieEinst fand sie frühmorgens ein Köhlergrüßte sie freundlich und folgte ihrem Winken bis vor den Fels; vor dem Fels nahm sie ihm seinen Ranzen abging hinein damit und brachte ihn gefüllt zurück. Doch befahl sie dem Köhler, er sollte ihn erst in seiner Hütte öffnen. Die Schwere fiel ihm auf und als er auf der Ilsenbrücke warkonnt er sich nicht länger enthaltenmachte den Ranzen auf und sah Eicheln und Tannäpfel. Unwillig schüttelte er sie in den Stromsobald sie aber die Steine der Ilse berührten, vernahm er ein Klingeln und sah mit Schrecken, daß er Gold verschüttet hatte. Der nun sorgfältig aufbewahrte Ueberrest in den Ecken des Sacks machte ihn aber noch reich genug
  
-In der Nacht machten sich beide auf, fanden die Stelle und den geöffneten Boden und gelangten zu den unterirdischen SchätzenEs lag noch alles, wie das erstemal, auch die Handschuhe des [[typ:Schäfer]] waren da; beide luden so viel in ihre [[typ:tasche|Taschen]]als sie tragen konnten und gingen dann wieder heraus, worauf sich der Eingang mit lautem Krachen hinter ihnen schloßDie folgende Nacht wollten sie es zum drittenmal wagenaber sie suchten lange hin und herohne die Stelle des Eingangsoder auch nur eine Spur, zu entdecken+Nach einer andern Sage stand auf dem Ilsenstein vorzeiten eines Harzkönigs Schloßder eine sehr schöne Tochter Namens Ilse hatteNah dabei hauste eine [[wesen:Hexe]], deren Tochter über alle Maßen häßlich aussah. Eine Menge Freier warben um Ilse, aber niemand begehrte die Hexentochter, da zürnte die Hexe und wandte durch Zauber das Schloß in einen Felsenan dessen Fuße sie eine nur der Königstochter sichtbare Thüre anbrachte. Aus dieser Thüre schreitet noch jetzo alle Morgen die verzauberte Ilse und badet sich im Flusse, der nach ihr heißtIst ein Mensch so glücklich und sieht sie im Badeso führt sie ihn mit ins Schloßbewirthet ihn köstlich und entläßt ihn reichlich beschenkt. Aber die neidische Hexe machtdaß sie nur an einigen Tagen des Jahrs im Bad sichtbar ist
  
-Da trat ihnen der alte Mann entgegen und sprach zum Schäfer: „hättest du deine Handschuhe nicht mitgenommen, sondern unten liegen gelassen, so würdest du auch zum drittenmal den Eingang gefunden haben, denn dreimal sollte er dir zugänglich und geöffnet seyn; nun aber ist er dir auf immer [[typ:unsichtbar]] und verschlossen.“  +Nur derjenige vermag sie zu erlösen, der mit ihr zu gleicher Zeit im Flusse badet und ihr an Schönheit und Tugend gleicht.
- +
-[[typ:geist|Geister]], heißt es, können das, was in ihrer Wohnung von den irdischen Menschen zurückgelassen worden, nicht behalten und haben nicht Ruh, bis es jene wieder zu sich genommen+
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 405 406, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 407 408, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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-{{tag>sagen grimm deutschesagen1 schäfer schatz wernigerode harz altermann loch handschuh dreimal unsichtbar}}+{{tag>sagen grimm deutschesagen1 hexe harz brocken wernigerode ilsenburg verfluchtejungfrau köhler fluch hexe gold ilse flut eichel zapfen erlösung v2}}
sagen/grimmds1-317.1701176498.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)