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sagen:grimmds1-316

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-====== Das Fräulein vom Willberg ======+====== Der Schäfer und der Alte aus dem Berg ======
  
-    Mündlich, aus dem Corvei’schen+    Mündlich, aus Wernigerode
  
-Ein Mann aus Wehren bei [[geo:Höxter]] ging nach der [[typ:mühle|Amelungs-Mühle]], Korn zu malen; auf dem Rückweg wollt er sich ein wenig am Teich im Lau ausruhen. Da kam ein Fräulein von dem Willbergwelcher Godelheim gegenüber liegt, herab, trat zu ihm und sprach: „bringt mir zwei Eimer voll Wasser oben auf die Stolle (Spitze) vom Willberg, dann sollt ihr gute Belohnung haben.“ Er trug ihr das Wasser hinauf; oben aber sprach sie: „Morgen um diese Stunde kommt wieder und bringt den Busch Blumen mit, welchen der [[typ:Schäfer]] vom Osterberge auf seinem Hut trägt.“ +Nicht weit von der Stadt [[geo:Wernigerode]] befindet sich in einem Thale eine Vertiefung in steinigem Erdbodenwelche das Weinkeller-Loch genannt wird und worin große Schätze liegen sollen
  
-Der Mann foderte den andern Tag die Blumen von dem Osterbergs-Schäfer und erhielt siedoch erst nach vielem BittenDarauf ging er wieder zu der Stolle des Willbergsda stand das Fräuleinführte ihn zu einer eisernen Thüre und sprach: „halte den Blumen-Busch vors Schloß.“ Wie er das thatsprang die Thüre gleich auf und sie traten hinein; da saß in der Berghöhle ein klein Männlein vor dem Tischdessen Bart ganz durch den steinernen Tisch gewachsen warringsherum aber standen große, übermächtige [[typ:schatz|Schätze]]+Vor vielen Jahren weidete ein armer Schäfer, ein frommer und stiller Manndort seine HeerdeEinmalals es eben Abend werden wolltetrat ein greiser Mann zu ihm und sprach: „folge mirso will ich dir Schätze zeigendavon du dir nehmen kannstso viel du Lust hast.“ 
  
-Der [[typ:Schäfer]] legte vor Freude seinen Blumen-Busch auf den Tisch und fing ansich die Taschen mit [[typ:Gold]] zu füllenDas Fräulein aber sprach zu ihm: „vergeßt das Beste nicht!“ Der Mann sah sich um und glaubtedamit wäre ein großer Kronleuchter gemeint, wie er aber darnach griffkam unter dem Tisch eine Hand hervor und schlug ihm ins Angesicht. Das Fräulein sprach nochmals: „vergeßt das Beste nicht!“ Er hatte aber nichtsals die [[typ:schatz|Schätze]] im Sinn und an den Blumen-Busch dachte er gar nicht+Der Schäfer überließ dem Hund die Bewachung der Heerde und folgte dem Alten. In einer kleinen Entfernung that sich plötzlich der Boden auf, sie traten beide ein und stiegen in die Tiefebis sie zu einem Gemach kamen, in welchem die größten Schätze von Gold und edlen Steinen aufgethürmt lagen. Der Schäfer wählte sich einen Goldklumpen und jemandden er nicht sahsprach zu ihm: „bringe das Gold dem Goldschmidt in die Stadtder wird dich reichlich bezahlen.“ 
  
-Als er seine Taschen gefüllt hatte, wollte er wieder fortkaum aber war er zur Thüre hinaus, so schlug sie mit entsetzlichem Krachen zuNun wollt’ er seine Schätze ausladen, aber er hatte nichtsals [[typ:Papier]] in der [[typ:tasche|Tasche]]; da fiel ihm der Blumen-Busch ein und nun sah er, daß dieser das Beste gewesen und ging traurig den Berg herunter nach Haus+Darauf leitete ihn sein Führer wieder zum Ausgang und der Schäfer thatwie ihm geheißen war und erhielt von dem Goldschmidt eine große Menge Geldes. Erfreut brachte er es seinem Vater, dieser sprach: „versuche noch einmal in die Tiefe zu steigen.“ „Ja, Vater, antwortete der Schäfer, ich habe dort meine Handschuhe liegen lassen, wollt ihr mitgehen, so will ich sie holen.“  
 + 
 +In der Nacht machten sich beide auf, fanden die Stelle und den geöffneten Boden und gelangten zu den unterirdischen Schätzen. Es lag noch alles, wie das erstemal, auch die Handschuhe des Schäfer waren da; beide luden so viel in ihre Taschen, als sie tragen konnten und gingen dann wieder heraus, worauf sich der Eingang mit lautem Krachen hinter ihnen schloßDie folgende Nacht wollten sie es zum drittenmal wagen, aber sie suchten lange hin und herohne die Stelle des Eingangs, oder auch nur eine Spur, zu entdecken.  
 + 
 +Da trat ihnen der alte Mann entgegen und sprach zum Schäfer„hättest du deine Handschuhe nicht mitgenommen, sondern unten liegen gelassen, so würdest du auch zum drittenmal den Eingang gefunden haben, denn dreimal sollte er dir zugänglich und geöffnet seyn; nun aber ist er dir auf immer unsichtbar und verschlossen.“  
 + 
 +Geisterheißt es, können das, was in ihrer Wohnung von den irdischen Menschen zurückgelassen worden, nicht behalten und haben nicht Ruh, bis es jene wieder zu sich genommen
  
 //Quellen: // //Quellen: //
-  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 403–405, 1816// +  * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 405 - 406, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// +
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]//+
  
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