Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:grimmds1-282

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:grimmds1-282 [2023/11/23 16:38] ewuschsagen:grimmds1-282 [2025/01/30 17:52] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 7: Zeile 7:
     Der abentheuerliche Jean Rebhu. 1769. Th. II. S. 8–11.     Der abentheuerliche Jean Rebhu. 1769. Th. II. S. 8–11.
  
-In [[region:Tirol]] auf einem hohen Berg liegt ein altes Schloß, in welchem alle Nacht ein [[typ:Feuer]] brennt; die [[typ:Flamme]] ist so groß, daß sie über die Mauern hinausschlägt und man sie weit und breit sehen kann. Es trug sich zu, daß eine arme Frau, der es an [[typ:Holz]] mangelte, auf diesem Schloß-Berge abgefallene Reiser zusammen suchte und endlich zu dem Schloß-[[typ:tor|Thor]] kam, wo sie aus Vorwitz sich umschaute und endlich hineintrat, nicht ohne Mühe, weil alles zerfallen und nicht leicht weiter zu kommen war. +In [[region:Tirol]] auf einem hohen Berg liegt ein altes Schloß, in welchem alle Nacht ein Feuer brennt; die Flamme ist so groß, daß sie über die Mauern hinausschlägt und man sie weit und breit sehen kann. Es trug sich zu, daß eine arme Frau, der es an Holz mangelte, auf diesem Schloß-Berge abgefallene Reiser zusammen suchte und endlich zu dem Schloß-Thor kam, wo sie aus Vorwitz sich umschaute und endlich hineintrat, nicht ohne Mühe, weil alles zerfallen und nicht leicht weiter zu kommen war. 
  
-Als sie in den Hof gelangte, sah sie eine Gesellschaft von Herrn und Frauen da an einer großen Tafel sitzen und essen. [[typ:Diener]] warteten auf, wechselten Teller, trugen Speisen auf und ab und schenkten [[typ:Wein]] ein. Wie sie so stand, kam einer der Diener und holte sie herbei, da ward ihr ein Stück [[typ:Gold]] in das [[typ:schürze|Schürz-Tuch]] geworfen, worauf in einem Augenblick alles verschwunden war und die arme Frau erschreckt den Rückweg suchte. +Als sie in den Hof gelangte, sah sie eine Gesellschaft von Herrn und Frauen da an einer großen Tafel sitzen und essen. Diener warteten auf, wechselten Teller, trugen Speisen auf und ab und schenkten Wein ein. Wie sie so stand, kam einer der Diener und holte sie herbei, da ward ihr ein Stück Gold in das Schürz-Tuch geworfen, worauf in einem Augenblick alles verschwunden war und die arme Frau erschreckt den Rückweg suchte. 
  
-Als sie aber den Hof hinausgekommen, stand da ein Kriegsmann mit brennender Lunte, [[typ:ohnekopf|den Kopf hatte er nicht auf dem Hals]] sitzen, sondern hielt ihn unter dem Arme. Der hub an zu reden und verbot der Frau, keinem Menschen was sie gesehen und erfahren zu offenbaren, es würde ihr sonst übel ergehen. Die Frau kam, noch voller [[typ:Angst]], nach Haus, brachte das Gold mit, aber sie sagte nicht, woher sie es empfangen. Als die Obrigkeit davon hörte, ward sie vorgefordert, aber sie wollte kein Wort sich verlauten lassen und entschuldigte sich damit, daß wenn sie etwas sagte, ihr großes Uebel daraus zuwachsen würde. +Als sie aber den Hof hinausgekommen, stand da ein Kriegsmann mit brennender Lunte, den Kopf hatte er nicht auf dem Hals sitzen, sondern hielt ihn unter dem Arme. Der hub an zu reden und verbot der Frau, keinem Menschen was sie gesehen und erfahren zu offenbaren, es würde ihr sonst übel ergehen. Die Frau kam, noch voller Angst, nach Haus, brachte das Gold mit, aber sie sagte nicht, woher sie es empfangen. Als die Obrigkeit davon hörte, ward sie vorgefordert, aber sie wollte kein Wort sich verlauten lassen und entschuldigte sich damit, daß wenn sie etwas sagte, ihr großes Uebel daraus zuwachsen würde. 
  
 Nachdem man schärfer mit ihr verfuhr, entdeckte sie dennoch alles, was ihr in dem Flammen-Schloß begegnet war, haarklein. In dem Augenblick aber, wo sie ihre Aussage beendigt, war sie hinweg entrückt und niemand hat erfahren können, wo sie hingekommen ist. Nachdem man schärfer mit ihr verfuhr, entdeckte sie dennoch alles, was ihr in dem Flammen-Schloß begegnet war, haarklein. In dem Augenblick aber, wo sie ihre Aussage beendigt, war sie hinweg entrückt und niemand hat erfahren können, wo sie hingekommen ist.
  
-Es hatte sich aber an diesem Ort ein junger Edelmann ins zweite Jahr aufgehalten, ein [[typ:Ritter]] und wohlerfahren in allen Dingen. Nachdem er den Hergang dieser Sache erkündet, machte er sich tief in der Nacht mit seinem [[typ:Diener]] zu Fuß auf den Weg nach dem Berg. Sie stiegen mit großer Mühe hinauf und wurden sechsmal von einer Stimme davon [[typ:warnung|abgemahnt]]: sie würdens sonst mit großem Schaden erfahren müssen. Ohne aber darauf zu achten, gingen sie immer zu und gelangten endlich vor das Thor. +Es hatte sich aber an diesem Ort ein junger Edelmann ins zweite Jahr aufgehalten, ein Ritter und wohlerfahren in allen Dingen. Nachdem er den Hergang dieser Sache erkündet, machte er sich tief in der Nacht mit seinem Diener zu Fuß auf den Weg nach dem Berg. Sie stiegen mit großer Mühe hinauf und wurden sechsmal von einer Stimme davon abgemahnt: sie würdens sonst mit großem Schaden erfahren müssen. Ohne aber darauf zu achten, gingen sie immer zu und gelangten endlich vor das Thor. 
  
-Da stand jener Kriegsmann wieder als Schildwache und rief, wie gebräuchlich: „wer da?“ Der Edelmann, ein frischer Herr, gab zur Antwort: „ich bins.“ Das Gespenst fragte weiter: „wer bist du?“ Der Edelmann aber gab diesmal keine Antwort, sondern hieß den Diener das [[typ:Schwert]] herlangen. Als dieses geschehen, kam ein schwarzer Reuter aus dem Schloß geritten, gegen welchen sich der Edelmann wehren wollte; der Reuter aber schwang ihn auf sein Pferd und ritt mit ihm in den Hof hinein und der Kriegsmann jagte den Diener den Berg hinab. Der Edelmann ist nirgends zu finden gewesen. +Da stand jener Kriegsmann wieder als Schildwache und rief, wie gebräuchlich: „wer da?“ Der Edelmann, ein frischer Herr, gab zur Antwort: „ich bins.“ Das Gespenst fragte weiter: „wer bist du?“ Der Edelmann aber gab diesmal keine Antwort, sondern hieß den Diener das Schwert herlangen. Als dieses geschehen, kam ein schwarzer Reuter aus dem Schloß geritten, gegen welchen sich der Edelmann wehren wollte; der Reuter aber schwang ihn auf sein Pferd und ritt mit ihm in den Hof hinein und der Kriegsmann jagte den Diener den Berg hinab. Der Edelmann ist nirgends zu finden gewesen. 
  
 //Quellen: // //Quellen: //
   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 369-371, 1816//   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 369-371, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// 
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]// 
  
 ---- ----
-{{tag>sagen grimm deutschesagen1 tirol schloss tor feuer flamme weib holt gold schürze diener schweigen ritter warnung duell schwert}}+{{tag>sagen grimm deutschesagen1 tirol schloss tor feuer flamme weib holt gold schürze diener schweigen ritter warnung duell schwert v2}}
sagen/grimmds1-282.1700753900.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)