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sagen:grimmds1-215

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-Bei dem magdeburgischen Dorfe [[geo:Eggenstedt]], unweit Sommerschenburg und Schöningen, erhebt sich auf dem Anger nach [[geo:Seehausen]] zu ein großer [[typ:Stein]], den das Volk den Wolf- oder Wärwolfs-Stein nennet. Vor langer, langer Zeit hielt sich an dem brandsleber Holze, das sonst mit dem Hackel und dem [[region:Harz]] zusammenhing, ein Unbekannter auf, von dem man nie erfahren hat, wer er sey, noch woher er stamme. Ueberall bekannt unter dem Namen des Alten kam er öfters ohne Aufsehen in die Dörfer, bot seine Dienste an und verrichtete sie zu der Landleute Zufriedenheit. Besonders pflegte er die Hütung der [[typ:schaf|Schafe]] zu übernehmen. +Bei dem magdeburgischen Dorfe [[geo:Eggenstedt]], unweit Sommerschenburg und Schöningen, erhebt sich auf dem Anger nach [[geo:Seehausen]] zu ein großer Stein, den das Volk den Wolf- oder Wärwolfs-Stein nennet. Vor langer, langer Zeit hielt sich an dem brandsleber Holze, das sonst mit dem Hackel und dem [[region:Harz]] zusammenhing, ein Unbekannter auf, von dem man nie erfahren hat, wer er sey, noch woher er stamme. Ueberall bekannt unter dem Namen des Alten kam er öfters ohne Aufsehen in die Dörfer, bot seine Dienste an und verrichtete sie zu der Landleute Zufriedenheit. Besonders pflegte er die Hütung der Schafe zu übernehmen. 
  
-Es geschah, daß in der Heerde des [[typ:schäfer|Schäfers]] Melle zu Neindorf ein niedliches, buntes Lamm fiel; der Unbekannte bat den [[typ:Schäfer]] dringend und ohn Ablaß, es ihm zu schenken. Der [[typ:Schäfer]] wollt’ es nicht lassen. Am Tag der Schur brauchte Melle den Alten, der ihm dabei half; bei seiner Zurückkunft fand er zwar alles in Ordnung und die Arbeit gethan, aber weder den Alten noch das bunte Lamm. Niemand wußte geraume Zeitlang von dem Alten. +Es geschah, daß in der Heerde des Schäfers Melle zu Neindorf ein niedliches, buntes Lamm fiel; der Unbekannte bat den Schäfer dringend und ohn Ablaß, es ihm zu schenken. Der Schäfer wollt’ es nicht lassen. Am Tag der Schur brauchte Melle den Alten, der ihm dabei half; bei seiner Zurückkunft fand er zwar alles in Ordnung und die Arbeit gethan, aber weder den Alten noch das bunte Lamm. Niemand wußte geraume Zeitlang von dem Alten. 
  
-Endlich stand er einmal unerwartet vor dem Melle, welcher im Kattenthal weidete und rief höhnisch: „guten Tag, Melle, dein bunt Lamm läßt dich grüßen!“ Ergrimmt griff der [[typ:Schäfer]] seinen [[typ:hirtenstab|Krummstab]] und wollte sich rächen. Da wandelte plötzlich der Unbekannte die Gestalt und sprang ihm als [[typ:werwolf|Wärwolf]] entgegen. Der [[typ:Schäfer]] erschrack, aber seine Hunde fielen wüthend auf den Wolf, welcher entfloh; verfolgt rann er durch Wald und Thal bis in die Nähe von [[geo:eggenstedt|Eggenstadt]]. Die Hunde umringten ihn da und der Schäfer rief: „nun sollst du sterben!“ +Endlich stand er einmal unerwartet vor dem Melle, welcher im Kattenthal weidete und rief höhnisch: „guten Tag, Melle, dein bunt Lamm läßt dich grüßen!“ Ergrimmt griff der Schäfer seinen Krummstab und wollte sich rächen. Da wandelte plötzlich der Unbekannte die Gestalt und sprang ihm als [[wesen:werwolf|Wärwolf]] entgegen. Der Schäfer erschrack, aber seine Hunde fielen wüthend auf den Wolf, welcher entfloh; verfolgt rann er durch Wald und Thal bis in die Nähe von [[geo:eggenstedt|Eggenstadt]]. Die Hunde umringten ihn da und der Schäfer rief: „nun sollst du sterben!“ 
  
 Da stand der Alte wieder in Menschengestalt, flehte bittend um Schonung und erbot sich zu allem: Aber wüthend stürzte der [[typ:Schäfer]] mit seinem Stock auf ihn ein, – urplötzlich stand vor ihm ein aufsprießender Dornstrauch. Auch so schonte der Rachsüchtige nicht, sondern zerhieb grausam die Zweige. Noch einmal wandelte sich der Unbekannte in einen Menschen und bat um sein Leben. Allein der hartherzige Melle blieb unerbittlich. Da suchte er als Wärwolf zu entfliehen, aber ein Streich des Melle streckte ihn todt zur Erde.  Da stand der Alte wieder in Menschengestalt, flehte bittend um Schonung und erbot sich zu allem: Aber wüthend stürzte der [[typ:Schäfer]] mit seinem Stock auf ihn ein, – urplötzlich stand vor ihm ein aufsprießender Dornstrauch. Auch so schonte der Rachsüchtige nicht, sondern zerhieb grausam die Zweige. Noch einmal wandelte sich der Unbekannte in einen Menschen und bat um sein Leben. Allein der hartherzige Melle blieb unerbittlich. Da suchte er als Wärwolf zu entfliehen, aber ein Streich des Melle streckte ihn todt zur Erde. 
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   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 295–296, 1816//   * //[[autor:grimm|Brüder Grimm]], [[buch:grimmds|Deutsche Sagen]], Band 1, S. 295–296, 1816//
-  * //[[http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Sagen/Deutsche+Sagen|www.Zeno.org]]// 
-  * //[[https://de.wikisource.org/wiki/Deutsche_Sagen_(Br%C3%BCder_Grimm,_Band_1)|Wikisource]]// 
  
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sagen/grimmds1-215.1700497693.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)