sagen:grimmds1-068
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| Vor etlichen hundert Jahren lebte zu [[geo: | Vor etlichen hundert Jahren lebte zu [[geo: | ||
| - | Nun ereignete sich aber folgendes: zu nächtlichen Zeiten kam eine [[typ:Magd]] vor das Schloß, klopfte an und rief ängstlich: sie möge ihr doch nicht zuwider seyn lassen, wo möglich alsobald aufzustehen und mit hinaus vor die Stadt zu folgen, wo eine schwangere Frau in Kindesnoth liege, weil die äußerste Stunde und Gefahr da sey und ihre Frau ihrem Leibe gar keinen Rath wisse. Die Adelfrau sprach: „es ist gleich mitten in der Nacht, alle [[typ:tor|Stadtthore]] sind gesperrt, wie wollen wir hinauskommen? | + | Nun ereignete sich aber folgendes: zu nächtlichen Zeiten kam eine Magd vor das Schloß, klopfte an und rief ängstlich: sie möge ihr doch nicht zuwider seyn lassen, wo möglich alsobald aufzustehen und mit hinaus vor die Stadt zu folgen, wo eine schwangere Frau in Kindesnoth liege, weil die äußerste Stunde und Gefahr da sey und ihre Frau ihrem Leibe gar keinen Rath wisse. Die Adelfrau sprach: „es ist gleich mitten in der Nacht, alle Stadtthore sind gesperrt, wie wollen wir hinauskommen? |
| - | Darauf stand die adliche Frau aus dem [[typ:Bett]], zog sich an, kam herunter und ging mit der Magd fort, welche angeklopft hatte; das Thor fand sie aufgethan und wie sie weiter ins Feld kamen, war da ein schöner Gang, der mitten in einen Berg führte. Der Berg stand aufgesperrt und ob sie wohl sah, das Ding wäre unklar, beschloß sie doch unerschrocken weiter zu gehen, bis sie endlich vor ein kleines Weiblein gelangte, das auf dem Bette lag in großen Geburtswehen. | + | Darauf stand die adliche Frau aus dem Bett, zog sich an, kam herunter und ging mit der Magd fort, welche angeklopft hatte; das Thor fand sie aufgethan und wie sie weiter ins Feld kamen, war da ein schöner Gang, der mitten in einen Berg führte. Der Berg stand aufgesperrt und ob sie wohl sah, das Ding wäre unklar, beschloß sie doch unerschrocken weiter zu gehen, bis sie endlich vor ein kleines Weiblein gelangte, das auf dem Bette lag in großen Geburtswehen. |
| Die adliche Frau aber reichte ihr Hülfe (nach einigen brauchte sie nur die Hand ihr auf den Leib zu legen) und glücklich wurde ein Kindlein zum Tageslicht geboren. Nach geförderter Sache sehnte sie sich wieder aus dem Berg heimzugehen, | Die adliche Frau aber reichte ihr Hülfe (nach einigen brauchte sie nur die Hand ihr auf den Leib zu legen) und glücklich wurde ein Kindlein zum Tageslicht geboren. Nach geförderter Sache sehnte sie sich wieder aus dem Berg heimzugehen, | ||
| - | Vor dem Thorweg aber stand die [[typ:Magd]] still, bedankte sich höchlich in ihrer Frauen Namen und zog einen güldenen typ:Ring vom Finger herab, den verehrte sie der adlichen Frau mit den Worten: „nehmet dies theure Pfand wohl in acht und lasset es nicht von euch noch von euerm Geschlecht kommen; die von Alvensleben werden blühen, so lange sie diesen Ring besitzen, kommt er ihnen dermaleins ab, so muß der ganze Stamm erlöschen.“ Hiermit verschwand die Magd. | + | Vor dem Thorweg aber stand die Magd still, bedankte sich höchlich in ihrer Frauen Namen und zog einen güldenen typ:Ring vom Finger herab, den verehrte sie der adlichen Frau mit den Worten: „nehmet dies theure Pfand wohl in acht und lasset es nicht von euch noch von euerm Geschlecht kommen; die von Alvensleben werden blühen, so lange sie diesen Ring besitzen, kommt er ihnen dermaleins ab, so muß der ganze Stamm erlöschen.“ Hiermit verschwand die Magd. |
| - | Dieser | + | Dieser Ring soll noch heutigestages richtig und eigentlich bei dem Hause verwahrt werden und zu guter Sicherheit in [[geo: |
| - | Auch wird erzählt: die hülfreiche Frau war ein Ehweib, als sie drauf den folgenden Morgen ihrem Ehherrn die Geschichte erzählt, die ihr Nachts begegnet, habe er ihrs nicht wollen glauben, bis sie gesprochen: „ei wollt ihr mir nicht glauben, so holt nur die [[typ:Schlüssel]] zu jener Stube vom Tische her, darinnen wird der [[typ:Ring]] noch liegen.“ Es befand sich so ganz richtig. Es ist ein wunderliches um die Geschenke, die Menschen von den Geistern empfangen haben. | + | Auch wird erzählt: die hülfreiche Frau war ein Ehweib, als sie drauf den folgenden Morgen ihrem Ehherrn die Geschichte erzählt, die ihr Nachts begegnet, habe er ihrs nicht wollen glauben, bis sie gesprochen: „ei wollt ihr mir nicht glauben, so holt nur die Schlüssel zu jener Stube vom Tische her, darinnen wird der Ring noch liegen.“ Es befand sich so ganz richtig. Es ist ein wunderliches um die Geschenke, die Menschen von den Geistern empfangen haben. |
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| - | ===== Historie um den Ring ===== | + | |
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| - | Die Familie v. Alvensleben ist seit dem 15. oder 14. Jahrhundert im Besitz eines einfachen goldenen Ringes, an den eine Ringsage geknüpft ist. Er hat eine sechseckige Form, wiegt etwa fünf Gramm und ist mittels einer Kordel mit einem etwa 5 cm großen, hölzernen Johanneskopf verbunden. | + | |
| - | Die älteste schriftliche Nachricht über diesen Ring datiert aus dem Jahr 1575, als die Vettern der schwarzen Linie dem Kloster Neuendorf die Rückgabe eines halben Ringes („unserm gantzen geschlechte zustendigk) quittieren, den ihre Voreltern aus Calbe „vorrurter“ Zeit dem Kloster zur Verwahrung gegeben hatten. Die Rückgabe erfolgte, weil die letzte der Klosterfrauen aus dem Geschlechte von Alvensleben im Kloster Neuendorf verstorben war (Mülverstedt IV, S. 350). | + | |
| - | Wann genau der Ring dem Kloster in Verwahrung gegeben wurde, ist nicht bekannt. Es gab im 15. Jahrhundert mehrere Nonnen aus der Familie v. Alvensleben, | + | |
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| - | Aufgrund der Verheißung, | + | |
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| - | Die älteste schriftliche Fassung der Ringsage findet sich bei Edinus (1581) im Rahmen einer in lateinischen Hexametern geschriebenen Familiengeschichte. Sie dürfte aber vorher schon über viele Generationen mündlich überliefert worden sein. | + | |
| - | in Auszügen entnommen aus www.familie-von-alvensleben.de | + | |
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| - | ===== Nachtrag zur Ringsage der Familie von Alvensleben ===== | + | |
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| - | Aus Wilhelm Zahn, "Die Geschichte der Altmark" | + | |
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| - | Am 27. September 1900 habe ich in Alvensleben, | + | |
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| - | Die Gattin eines Busso von Alvensleben auf der Burg Alvensleben hatte für den treuen Beistand, den sie einer Wöchnerin aus dem Geschlechte der Alven oder Erdgeister geleistet hatte, von dieser einen wunderbaren goldenen Ring erhalten mit der Bestimmung, daß derselbe nie zerteilt werden dürfe; denn nur so lange als er ungeteilt im Besitz der Familie von Alvensleben bleiben würde, hatte die Überbringerin gesagt, würde es auch dieser glücklich und wohlergehen. Busso von Alvensleben hatte drei Söhne, von denen der erste schwarze, der zweite weiße und der dritte rote Haare hatte. Diese drei Söhne sind die Stifter der schwarzen, weißen und roten Linie des Geschlechts derer von Alvensleben geworden. | + | |
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| - | Da nun bei dem Herrn Busso, wie man sich denken kann, der Wunsch lebendig war, jeden von seinen drei Söhnen des am Ring haftenden Glücks teilhaftig zu machen, so teilte er diesen gleichwohl in drei Teile, und zwar in der Weise, daß er ihn vertikal durchschnitt. So behielt jeder die Gestalt des Ringes bei, und Busso glaubte fest, daß er so nicht gegen das Gebot der Alven gefehlt habe. - So bekam denn jeder Sohn von seinem Vater einen Ring mit der strengen Weisung, daß er den seinigen als das kostbarste Kleinod hüten und verwahren sollte. | + | |
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| - | Die rote Linie hatte lange Zeit schon ihren Ring gehütet und sich immer eines großen Glückes zu erfreuen gehabt. Da geschah es auf einem großen Feste auf der Burg Kalbe, daß ein Herr von Alvensleben aus der roten Linie, welcher sich vor den vielen Gästen an der Tafelrunde damit brüstete, daß er auch ohne den Ring glücklich sein könne, diesen in seinem Übermut durch das Fenster in die Milde hinabwarf. | + | |
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| - | Seit dieser Zeit wich das Glück von den Gliedern der roten Linie; Die Burg Kalbe wurde zerstört und schließlich starb die rote Linie gänzlich aus. Der Ritter der weißen Linie vergoldete mit seinem Ringe einen Abendmahlskelch, | + | |
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| - | Bemerkung I. Im Vorstehenden ist nur die Sage wiedergegeben, | + | |
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