sagen:graessesachsena080
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| ====== Die Hexen zu Meuselwitz ====== | ====== Die Hexen zu Meuselwitz ====== | ||
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| Als in den ersten Tagen des Februar 1648 noch kaiserliche Einquartirung in [[geo: | Als in den ersten Tagen des Februar 1648 noch kaiserliche Einquartirung in [[geo: | ||
| - | Man nahm nun an, jene Erscheinung am Himmel sei der in [[typ: | + | Man nahm nun an, jene Erscheinung am Himmel sei der in [[wesen: |
| Clauspruch ließ die Kranke erst durch ihren Mann ausforschen, | Clauspruch ließ die Kranke erst durch ihren Mann ausforschen, | ||
| - | Den Drachen habe sie vermuthlich von ihrer Mutter in deren Sterbestunde erhalten und zwar mittels eines Stückes aufgewärmten Fleisches, welches diese ihr zu essen aufgenöthigt; | + | Den Drachen habe sie vermuthlich von ihrer Mutter in deren Sterbestunde erhalten und zwar mittels eines Stückes aufgewärmten Fleisches, welches diese ihr zu essen aufgenöthigt; |
| - | Dies sei das andere Jahr, als sie den Drachen angenommen, am Walpurgisabend geschehen, denn im ersten Jahre habe sie sich abgeredet und die letzten zwei Jahre habe sie wegen ihrer Krankheit nicht hinauf kommen können. Ueber die nähern Umstände dieser Fahrt befragt, sagte sie, sie habe sich auf einer Ofengabel hinaufbegeben, | + | Dies sei das andere Jahr, als sie den Drachen angenommen, am [[zeit: |
| - | Das [[typ:bier|Bier]] wäre aus Töpfen und Krügelchen getrunken worden, aber hätte nicht gut geschmeckt. Nach ihren Mitschwestern gefragt, bezeichnete sie fünf Ehefrauen und eine Wittwe aus dem Dorfe, die sämmtlich als Hexen mit auf dem Ruppertsberge gewesen seien, ein alter Musicant aber aus demselben Orte, Namens Krombsdorf, habe mit seiner Fidel zum Tanze aufgewartet. | + | Das Bier wäre aus Töpfen und Krügelchen getrunken worden, aber hätte nicht gut geschmeckt. Nach ihren Mitschwestern gefragt, bezeichnete sie fünf Ehefrauen und eine Wittwe aus dem Dorfe, die sämmtlich als Hexen mit auf dem Ruppertsberge gewesen seien, ein alter Musicant aber aus demselben Orte, Namens Krombsdorf, habe mit seiner Fidel zum Tanze aufgewartet. |
| Weiter erzählte sie, der Drache habe ihr gleich anfangs zehn Thaler gegeben, wofür sie Einiges eingekauft, etliche Male habe er sie zu sich ins Holz bestellt und hätte dann dort gestanden wie ein kleines Närrchen, hätte einen „Sahm“ Holz zusammengebunden gehabt und ihr solches heimzutragen gegeben, auch hätte er ihr helfen Butter und Käse machen und einen Sommer über etwa zehn Mal, jedesmal eine Wasserkanne voll Milch gegeben, daß sie aber von ihm zaubern gelernt und die Clauspruchschen Pferde und Kühe krank gemacht, davon wisse sie nichts. | Weiter erzählte sie, der Drache habe ihr gleich anfangs zehn Thaler gegeben, wofür sie Einiges eingekauft, etliche Male habe er sie zu sich ins Holz bestellt und hätte dann dort gestanden wie ein kleines Närrchen, hätte einen „Sahm“ Holz zusammengebunden gehabt und ihr solches heimzutragen gegeben, auch hätte er ihr helfen Butter und Käse machen und einen Sommer über etwa zehn Mal, jedesmal eine Wasserkanne voll Milch gegeben, daß sie aber von ihm zaubern gelernt und die Clauspruchschen Pferde und Kühe krank gemacht, davon wisse sie nichts. | ||
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| Gefragt, ob ihre Mitschwestern auch mit getanzt und jede von ihnen einen Buhlen gehabt, bejahte sie solches und beschrieb diese sogenannten Junker als große Männer in gelben Kleidern und rothen Höschen mit schwarzen Mützen. Der [[geo: | Gefragt, ob ihre Mitschwestern auch mit getanzt und jede von ihnen einen Buhlen gehabt, bejahte sie solches und beschrieb diese sogenannten Junker als große Männer in gelben Kleidern und rothen Höschen mit schwarzen Mützen. Der [[geo: | ||
| - | Inzwischen war am 23. Febr. der schon erwähnte Hans Krombsdorf, ein 77jähriger Greis eingezogen worden, derselbe leugnete zwar anfangs, allein, als ihm die Eichler ihre Anklage ins Gesicht sagte, gestand er zwar, er habe mit seinem Fidelchen zum Tanze aufgespielt, | + | Inzwischen war am 23. Febr. der schon erwähnte Hans Krombsdorf, ein 77jähriger Greis eingezogen worden, derselbe leugnete zwar anfangs, allein, als ihm die Eichler ihre Anklage ins Gesicht sagte, gestand er zwar, er habe mit seinem Fidelchen zum Tanze aufgespielt, |
| - | Weiterhin bekannte er auf der [[typ: | + | Weiterhin bekannte er auf der Folter noch mehr und nannte als eine der Tänzerinnen die Frau des Leinwebers Georg Graulich zu [[geo: |
| Eine ziemlich bejahrte, lahme Wittwe, Katharina Deckner, war von der Eichler und der Graulich auch als Mittänzerin angegeben worden, der Mann der Graulich sagte von ihr aus, sie habe vor einigen Jahren einen Schubkarren mit einem Stricke von ihm geliehen, bei der Zurückgabe habe er einen Knoten in dem Stricke gefunden und als er denselben zu lösen versucht, sei es ihm in die linke Hand, besonders in den Mittelfinger gefahren, der so böse geworden, daß ein Glied nebst Beinlein herausgegangen sei, welches er in sein Stubenfenster gelegt, daraus es aber weggekommen sei. | Eine ziemlich bejahrte, lahme Wittwe, Katharina Deckner, war von der Eichler und der Graulich auch als Mittänzerin angegeben worden, der Mann der Graulich sagte von ihr aus, sie habe vor einigen Jahren einen Schubkarren mit einem Stricke von ihm geliehen, bei der Zurückgabe habe er einen Knoten in dem Stricke gefunden und als er denselben zu lösen versucht, sei es ihm in die linke Hand, besonders in den Mittelfinger gefahren, der so böse geworden, daß ein Glied nebst Beinlein herausgegangen sei, welches er in sein Stubenfenster gelegt, daraus es aber weggekommen sei. | ||
| - | Da nun ihre eigenen Söhne für sie nicht einmal Bürgschaft leisten wollten und zugestanden, | + | Da nun ihre eigenen Söhne für sie nicht einmal Bürgschaft leisten wollten und zugestanden, |
| - | Bald darauf kaufte der schwedische Generalproviantmeister Johann Losse (1649) das Gut Meuselwitz und zu diesem zog ein früherer Soldatenjunge Hans Michael Weinle als Knecht. Derselbe bekam im J. 1650 epileptische Zufälle und obwohl man dies erst für ein Stück der schweren Noth hielt, so überzeugte man sich doch angeblich bald, daß es teuflische Besitzung sei, brachte den Kranken ins Gefängniß und dort gestand er, daß der [[typ: | + | Bald darauf kaufte der schwedische Generalproviantmeister Johann Losse (1649) das Gut Meuselwitz und zu diesem zog ein früherer Soldatenjunge Hans Michael Weinle als Knecht. Derselbe bekam im J. 1650 epileptische Zufälle und obwohl man dies erst für ein Stück der schweren Noth hielt, so überzeugte man sich doch angeblich bald, daß es teuflische Besitzung sei, brachte den Kranken ins Gefängniß und dort gestand er, daß der Teufel in Gestalt einer Jungfrau zu ihm gekommen und ihn zur Unzucht verleitet habe, er habe nun mit demselben ein Bündniß gemacht und von demselben die trockne Taufe auf den Kopf (woher noch sein Kopfschmerz rühre) erhalten, derselbe habe ihn in Gestalt eines kleinen, nur ½ Elle langen, aber mit viel längerem Barte versehenen Männchens aufgeweckt und allerlei Kurzweil gemacht, er habe auch vom Teufel eine Salbe erhalten, womit er die Frau Kanzlerin Münch aus [[geo:Zeitz]], die sich damals zu Meuselwitz aufgehalten hatte, die Käsemutter und die Köchin geschabernackt und ihnen Ungelegenheit und Schmerzen zugezogen. |
| - | Er bekannte auch, daß ein Lehrer in [[geo: | + | Er bekannte auch, daß ein Lehrer in [[geo: |
| - | Nun ward im J. 1672 die 80jährige | + | Nun ward im J. 1672 die 80jährige Wittwe von Georg Mengel, der früher einmal (1663) der Schule zu Meuselwitz Feld legirt hatte, Ursula, welche als Auszüglerin lebte, von ihrer frühern Dienstmagd, Anna Weber, beschuldigt, |
| - | Da nun überdieß die im J. 1649 verbrannten obgedachten Personen sie damals als Mitschwester bezeichnet hatten, so zog man sie ein und legte sie an eine [[typ:Kette]], und als man bei einer Haussuchung bei ihr einen zweiköpfigen | + | Da nun überdieß die im J. 1649 verbrannten obgedachten Personen sie damals als Mitschwester bezeichnet hatten, so zog man sie ein und legte sie an eine Kette, und als man bei einer Haussuchung bei ihr einen zweiköpfigen Thaler fand, war man überzeugt, daß sie solchen vom Teufel erhalten habe, man machte ihr den Prozeß und folterte sie auf Befehl des Jenaischen Schöppenstuhls. |
| - | Sie hielt aber die [[typ: | + | Sie hielt aber die Tortur, während welcher sich ein furchtbarer Sturm erhob, aus und bekannte nichts. Gleichwohl ward sie, nachdem sie in Folge der großen ihren angethanen Martern den 6. Decbr. gestorben war, durch den [[lex: |
| - | //Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 2. S. 384-388 - Zweite verbesserte und vermehrte Auflage - 1874 - Verlag Schönfeld, Dresden; [[https:// | + | // |
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