sagen:graessesachsena037
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| ====== Die Gespensterhochzeit im wüsten Dorfe Scortowe ====== | ====== Die Gespensterhochzeit im wüsten Dorfe Scortowe ====== | ||
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| - | Nun lebte aber vor langen Jahren ein Mädchen aus [[geo: | + | Nun lebte aber vor langen Jahren ein Mädchen aus [[geo: |
| - | Doch anstatt der [[typ:Wiese]] erblickte sie ein altes ihr unbekanntes Dorf, dessen Namen sie nie gehört und welches sie früher hier niemals gesehen hatte. Aus den kleinen altmodischen Häusern flimmerte Licht, sie trat also an das erste beste erleuchtete Fenster, klopfte an und fragte nach dem Wege und wo sie sei und bat auch, da sie hungrig und durstig sei, um ein Stückchen Brod und einen Trunk Wasser. Ein alter Mann mit weißem Bart und in seltsamer Tracht öffnete das Fenster und hieß das Mädchen eintreten. Aengstlich folgte sie seiner Aufforderung und trat in die niedrige Stube, in welcher eine fröhliche | + | Doch anstatt der Wiese erblickte sie ein altes ihr unbekanntes Dorf, dessen Namen sie nie gehört und welches sie früher hier niemals gesehen hatte. Aus den kleinen altmodischen Häusern flimmerte Licht, sie trat also an das erste beste erleuchtete Fenster, klopfte an und fragte nach dem Wege und wo sie sei und bat auch, da sie hungrig und durstig sei, um ein Stückchen Brod und einen Trunk Wasser. Ein alter Mann mit weißem Bart und in seltsamer Tracht öffnete das Fenster und hieß das Mädchen eintreten. Aengstlich folgte sie seiner Aufforderung und trat in die niedrige Stube, in welcher eine fröhliche Hochzeitsgesellschaft versammelt zu sein schien. Bescheiden grüßte sie die Anwesenden, doch nahm Niemand von ihr Notiz als der alte Mann, der sie niedersetzen hieß und ihr in seltsam geformten Schüsseln und Bechern Speise und Trank anbot. Ueberhaupt war in dem Hause Alles, Tische, Stühle, Geräthe, anders als es damals zu sein pflegte. |
| - | Ebenso sonderbar waren alle Gäste gekleidet, sie hatten eine altfränkische Tracht, gebauschte und geschlitzte Gewänder, die [[typ:Braut]] war angethan, wie eine [[typ:Nonne]] mit langem wallenden Schleier und ernster Klostertracht, | + | Ebenso sonderbar waren alle Gäste gekleidet, sie hatten eine altfränkische Tracht, gebauschte und geschlitzte Gewänder, die Braut war angethan, wie eine Nonne mit langem wallenden Schleier und ernster Klostertracht, |
| - | Darauf trat der Ritter sichtlich erfreut zu ihr und sagte: „habe Dank, mein Kind, daß Du gekommen bist, nun ist uns bald ewige Freude und Ruhe beschieden!“ Dann begann der [[typ:tanz|Hochzeitstanz]], sonderbar-wunderliche Musik zu seltsamen Tänzen, die das Mädchen niemals getanzt hatte. Nur bisweilen kam ein ihr bekannter Tanz an die Reihe, den sie stets mit dem stattlichen | + | Darauf trat der Ritter sichtlich erfreut zu ihr und sagte: „habe Dank, mein Kind, daß Du gekommen bist, nun ist uns bald ewige Freude und Ruhe beschieden!“ Dann begann der Hochzeitstanz, |
| - | Wie nun das arme Mädchen sich bestürzt umsah, stand sie wieder allein in dunkeler Nacht auf der stillen Waldwiese und wußte nicht, wie ihr geschehen war. Schnell eilte sie nach Hause und fand dort in ihrem Korbe ein Barett, das, wie sie sich erinnerte, der stattliche | + | Wie nun das arme Mädchen sich bestürzt umsah, stand sie wieder allein in dunkeler Nacht auf der stillen Waldwiese und wußte nicht, wie ihr geschehen war. Schnell eilte sie nach Hause und fand dort in ihrem Korbe ein Barett, das, wie sie sich erinnerte, der stattliche Bräutigam getragen hatte. In dem Barette aber lagen mancherlei alte, schwere Gold- und Silbermünzen und ein zusammengerolltes vergilbtes Pergamentblatt, |
| „Der Ritter Siegbert von Hainsburg hat im J. 1400 das edle Fräulein Elsbeth von Kunitzburg aus dem Nonnenkloster zu [[geo: | „Der Ritter Siegbert von Hainsburg hat im J. 1400 das edle Fräulein Elsbeth von Kunitzburg aus dem Nonnenkloster zu [[geo: | ||
| - | Dann aber, nachdem das Kloster längst eingegangen und das Dorf Scortowe im [[zeit: | + | Dann aber, nachdem das Kloster längst eingegangen und das Dorf Scortowe im [[zeit: |
| Viele Jahre und 33 Schaltjahre sind seitdem vergangen, viele Leute haben das wüste Dorf gesehen, aber noch hat kein braves Mädchen sich ihm in geweihter Stunde allein zu nähern gewagt. Betet ein Ave Maria für unsere ruhelosen Seelen!“ | Viele Jahre und 33 Schaltjahre sind seitdem vergangen, viele Leute haben das wüste Dorf gesehen, aber noch hat kein braves Mädchen sich ihm in geweihter Stunde allein zu nähern gewagt. Betet ein Ave Maria für unsere ruhelosen Seelen!“ | ||
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| So hatte denn das muthige Mädchen den armen Seelen zur Ruhe verholfen, und als wenn der Himmel sie ausdrücklich für diese Gutthat hätte belohnen wollen, ihr ging es bis an ihren späten Tod stets gut. | So hatte denn das muthige Mädchen den armen Seelen zur Ruhe verholfen, und als wenn der Himmel sie ausdrücklich für diese Gutthat hätte belohnen wollen, ihr ging es bis an ihren späten Tod stets gut. | ||
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