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sagen:graessesachsena021

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 So wanderte denn der Bärenhäuter Bastian wieder in das Thor seiner Vaterstadt ein, wo ihn aber Niemand mehr kannte, und als er zu seiner Mutter in die Stube trat, wollte diese von ihm als einem ungerathenen Sohne auch nichts wissen. Ein armer Vetter jedoch erbarmte sich seiner und nahm ihn in seine Wohnung auf, wieß ihm auch eine Schlafstätte in seinem gerade leerstehenden Schweinestalle an. Dort lebte nun Bastian seinem Gelübde treu zwei und ein halbes Jahr und der Teufel schien sein Spiel schon verloren zu haben. Zum Zeitvertreib machte er den Kindern seines Vetters zuerst einige bunte Papierlaternen, wie er sie in China gesehen und anzufertigen gelernt hatte. Mit diesen Laternchen gingen die Kinder – es war gerade [[zeit:weihnachten|Weihnachtszeit]] – auf den Markt und ließen sie von den andern Kindern bewundern. Diese Sitte aber hat sich von der Zeit an noch bis auf den heutigen Tag in der Stadt Eisenberg erhalten. In der Adventszeit bis zum Weihnachtsabend gehen jeden Abend, sobald es dunkelt, die Kinder mit ihren seltsam geformten, bunten, von einem Lichtstümpfchen erhellten Papierlaternen, die man Pyramiden oder Permetten nennt, auf den Marktplatz, auf dem sie eine Weile herumspatziren und sich dann nach und nach in den Seitengassen des Marktes oder den langen Steinweg hinab verlieren, endlich aber als ferne Lichtpünktchen verschwinden. So wanderte denn der Bärenhäuter Bastian wieder in das Thor seiner Vaterstadt ein, wo ihn aber Niemand mehr kannte, und als er zu seiner Mutter in die Stube trat, wollte diese von ihm als einem ungerathenen Sohne auch nichts wissen. Ein armer Vetter jedoch erbarmte sich seiner und nahm ihn in seine Wohnung auf, wieß ihm auch eine Schlafstätte in seinem gerade leerstehenden Schweinestalle an. Dort lebte nun Bastian seinem Gelübde treu zwei und ein halbes Jahr und der Teufel schien sein Spiel schon verloren zu haben. Zum Zeitvertreib machte er den Kindern seines Vetters zuerst einige bunte Papierlaternen, wie er sie in China gesehen und anzufertigen gelernt hatte. Mit diesen Laternchen gingen die Kinder – es war gerade [[zeit:weihnachten|Weihnachtszeit]] – auf den Markt und ließen sie von den andern Kindern bewundern. Diese Sitte aber hat sich von der Zeit an noch bis auf den heutigen Tag in der Stadt Eisenberg erhalten. In der Adventszeit bis zum Weihnachtsabend gehen jeden Abend, sobald es dunkelt, die Kinder mit ihren seltsam geformten, bunten, von einem Lichtstümpfchen erhellten Papierlaternen, die man Pyramiden oder Permetten nennt, auf den Marktplatz, auf dem sie eine Weile herumspatziren und sich dann nach und nach in den Seitengassen des Marktes oder den langen Steinweg hinab verlieren, endlich aber als ferne Lichtpünktchen verschwinden.
  
-Da kam nun eines schönen Tages der Teufel wieder zu Bastian und schenkte ihm, weil er doch einsah, daß er dessen Seele nicht gewinnen könne, das noch übrige Halbjahr. Dafür aber mußte ihm Bastian versprechen, in seine Bärenhaut gehüllt, jedoch mit vielem Gelde versehn, zum Doctor Urian zu gehen, sich diesem, da derselbe für seine vielen Prozesse keinen Rechtsbeistand mehr finden konnte, als Advocaten anzubieten und als Lohn für seine Dienste eine von seinen drei Töchtern zur Frau zu verlangen. Dies that denn der Bastian auch, und ward, wie ihm der Teufel vorausgesagt hatte, von dem Doctor sehr wohl ausgenommen. Derselbe versprach ihm auch, nachdem er Einsicht von seinen reichen Mitteln genommen hatte, bereitwillig eine seiner Töchter. Nun wollten dieselben aber von dem struppigen, häßlichen Bärenhäuter nichts wissen, bis endlich die jüngste und hübscheste sich wohl oder übel dazu entschloß. Da wusch und kämmte der Teufel dem Bastian am Malzbache mit eigenen Händen Bart und Haupthaar, putzte ihn selbst blank und rein und gab ihm für die Bärenhaut schöne neue Kleider und außerdem noch einen großen Sack voll Geld. Damit ging aber der Bastian wieder zu seiner Braut, die in dem schmucken, wohl gekleideten Burschen ihren alten Bräutigam kaum wieder erkannte. Ihre Schwestern aber platzten fast vor Neid und ärgerten sich so, daß sie sich durch ihre Dummheit um einen so reichen, hübschen Ehegesponsten gebracht hatten, daß die eine sich im nahen Walde erhängt, die andere aber in der Schöppe ersäufte So hatte der Teufel statt einer gar zwei Seelen gecapert((H. J. Christ. von Grimmelshausen erzählt ein ähnliches Märchen in seinem „Staatskram“ (Nürnb. 1684) S. 895 fg. u. darnach Ed. v. Bülow in s. Novellenbuch (Lpzg. 1835) Bd. II. S. 559 fg.)). +Da kam nun eines schönen Tages der Teufel wieder zu Bastian und schenkte ihm, weil er doch einsah, daß er dessen Seele nicht gewinnen könne, das noch übrige Halbjahr. Dafür aber mußte ihm Bastian versprechen, in seine Bärenhaut gehüllt, jedoch mit vielem Gelde versehn, zum Doctor Urian zu gehen, sich diesem, da derselbe für seine vielen Prozesse keinen Rechtsbeistand mehr finden konnte, als Advocaten anzubieten und als Lohn für seine Dienste eine von seinen drei Töchtern zur Frau zu verlangen. Dies that denn der Bastian auch, und ward, wie ihm der Teufel vorausgesagt hatte, von dem Doctor sehr wohl ausgenommen. Derselbe versprach ihm auch, nachdem er Einsicht von seinen reichen Mitteln genommen hatte, bereitwillig eine seiner Töchter. Nun wollten dieselben aber von dem struppigen, häßlichen Bärenhäuter nichts wissen, bis endlich die jüngste und hübscheste sich wohl oder übel dazu entschloß. Da wusch und kämmte der Teufel dem Bastian am Malzbache mit eigenen Händen Bart und Haupthaar, putzte ihn selbst blank und rein und gab ihm für die Bärenhaut schöne neue Kleider und außerdem noch einen großen Sack voll Geld. Damit ging aber der Bastian wieder zu seiner Braut, die in dem schmucken, wohl gekleideten Burschen ihren alten Bräutigam kaum wieder erkannte. Ihre Schwestern aber platzten fast vor Neid und ärgerten sich so, daß sie sich durch ihre Dummheit um einen so reichen, hübschen Ehegesponsten gebracht hatten, daß die eine sich im nahen Walde erhängt, die andere aber in der Schöppe ersäufteSo hatte der Teufel statt einer gar zwei Seelen gecapert((H. J. Christ. von Grimmelshausen erzählt ein ähnliches Märchen in seinem „Staatskram“ (Nürnb. 1684) S. 895 fg. u. darnach Ed. v. Bülow in s. Novellenbuch (Lpzg. 1835) Bd. II. S. 559 fg.)). 
  
 //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 325// //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 325//
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sagen/graessesachsena021.1712586137.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)