sagen:graessesachsen839
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| - | Sobald das Schloß auf dem Berge zur [[typ:Ruine]] geworden war, und dies geschah vor der Erbauung | + | Sobald das Schloß auf dem Berge zur Ruine geworden war, und dies geschah vor der Erbauung Weissenbergs, |
| - | Mehrere der Ansiedler des genannten Ortes hegten schon längst den Wunsch, ein bekanntes bierartiges Getränk zu brauen, nur fehlte zur Verwirklichung desselben eine [[typ:Braupfanne]]. Dieses Geräth zu kaufen waren sie nicht vermögend, und sie zu borgen, bot sich keine Gelegenheit dar. Da erfuhren sie endlich, daß aus dem zerstörten Schlosse des [[region: | + | Mehrere der Ansiedler des genannten Ortes hegten schon längst den Wunsch, ein bekanntes bierartiges Getränk zu brauen, nur fehlte zur Verwirklichung desselben eine Braupfanne. Dieses Geräth zu kaufen waren sie nicht vermögend, und sie zu borgen, bot sich keine Gelegenheit dar. Da erfuhren sie endlich, daß aus dem zerstörten Schlosse des Stromberges eine Braupfanne sich vorfinde, die aber von Bergeistern verwahrt werde. Lange sann man hin und her, wie man wohl am Besten in den Besitz der Pfanne komme, und endlich entschloß man sich, zwei Männer durchs Loos zu erwählen, welche dann nach dem Bergschloß gehen und ihr Begehren da aussprechen sollten. Dies geschah. Zwei Männer erstiegen den Stromberg und sprachen zitternd und bebend ihr Anliegen vor den verwüsteten Mauern aus. Kaum war das geschehen, so erhielten sie mit dumpfer Stimme den Bescheid, nur bei Sonnenaufgang mit einem Wagen unten am Berge zu halten, da würden sie die Pfanne erhalten. Nach dem Gebrauche sei aber von ihnen ein Silberblechstück und ein kleines Weizenbrod in dieselbe zu legen und wieder an den Ort zu bringen, wo der Empfang stattgefunden habe. Unter diesen Bedingungen stehe ihnen immer die Pfanne zum Leihen bereit. |
| - | Froh und muntern Schrittes eilten die Abgesandten zu ihren harrenden Freunden zurück, und thaten, wie ihnen gesagt war. Mit Sonnenaufgang hielt ein Wagen am Berge und nahm die ansehnliche Braupfanne, welche allda auf zwei Stücken Holz ruhte, in Empfang. Nach dem Gebrauche legte man ein Silberblechstück und ein Weizenbrod darein und lud am Fuße des Berges das geborgte Braugeräth wieder ab. Gar oft wiederholte sich diese Scene, bis endlich auf einmal die Berggeister | + | Froh und muntern Schrittes eilten die Abgesandten zu ihren harrenden Freunden zurück, und thaten, wie ihnen gesagt war. Mit Sonnenaufgang hielt ein Wagen am Berge und nahm die ansehnliche Braupfanne, welche allda auf zwei Stücken Holz ruhte, in Empfang. Nach dem Gebrauche legte man ein Silberblechstück und ein Weizenbrod darein und lud am Fuße des Berges das geborgte Braugeräth wieder ab. Gar oft wiederholte sich diese Scene, bis endlich auf einmal die Berggeister erzürnt Steine nach den Abgesandten warfen und die Stiere tödteten, welche die Braupfanne ziehen sollten. Der Grund zu dieser Veränderung war folgender. Einer der Männer, welche die Pfanne zurück nach dem Berge zu schaffen hatten, nahm das Weizenbrod und aß es, und das Silberstück steckte er in die Tasche, die Pfanne aber verunreinigte er und lies davon. Von dieser Zeit an hat Niemand mehr die Pfanne geborgt erhalten, auch Niemand mehr dieselbe zu sehen bekommen. |
| === II. === | === II. === | ||
| - | Lange nach jener Zeit, in der die Berggeister die Braupfanne verborgten, arbeitete einst ein Bauer derselbigen Gegend auf seinem Felde in der Nähe des Stromberges; | + | Lange nach jener Zeit, in der die Berggeister die Braupfanne verborgten, arbeitete einst ein Bauer derselbigen Gegend auf seinem Felde in der Nähe des Stromberges; |
| - | Sobald die Sonne ihren höchsten Stand eingenommen, | + | Sobald die Sonne ihren höchsten Stand eingenommen, |
| === III. === | === III. === | ||
| - | Ein reisender Cavalier aus [[region: | + | Ein reisender Cavalier aus [[region: |
| - | Der Cavalier stand staunend an einem Pfeiler und wußte nicht, ob er seinen Augen trauen sollte. Da trat eins der grauen Männchen zu dem Kasten heran und öffnete durch einen Tritt darauf denselbigen. Welch [[typ:Wunder]]! Ein langes, schneeweißes | + | Der Cavalier stand staunend an einem Pfeiler und wußte nicht, ob er seinen Augen trauen sollte. Da trat eins der grauen Männchen zu dem Kasten heran und öffnete durch einen Tritt darauf denselbigen. Welch Wunder! Ein langes, schneeweißes Menschengerippe richtete sich empor und wandte die hohlen Augenhöhlen nach allen Seiten umher. Die grauen Männchen winkten freundlich dem staunenden Cavalier, näher zu dem unermeßlich reichen Schatze zu treten. Er that es, doch im Nu sank unter fürchterlichem Getöse die gefüllte Braupfanne in ein unterirdisches Gewölbe hinab, und der Boden verschloß sich wieder. Ein gellendes Gelächter erschallte aus dem Munde der Berggeister, |
| === IV. === | === IV. === | ||
| - | Ein armer Knabe hütete einst auf dem [[region: | + | Ein armer Knabe hütete einst auf dem Stromberge Kühe; als er nun aber müssig da und dort herumschlenderte, |
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| - | Eine Frau, die am Fuße des Stromberges, | + | Eine Frau, die am Fuße des Stromberges, |
| - | Unverzüglich warf sie daher, da sie eben nichts Anderes bei sich hatte, ihr Taschenmesser auf jene vorbedeutungsvolle Stelle, lief sodann eiligst in ihre Wohnung zurück, um sich die nöthigen Werkzeuge zum Graben herbeizuholen, | + | Unverzüglich warf sie daher, da sie eben nichts Anderes bei sich hatte, ihr Taschenmesser auf jene vorbedeutungsvolle Stelle, lief sodann eiligst in ihre Wohnung zurück, um sich die nöthigen Werkzeuge zum Graben herbeizuholen, |
| === VI. === | === VI. === | ||
| - | Eine andere, ebenfalls in jener Gegend wohnende Frau, der die vorige, aus lauter Freude über ihr gehabtes Glück, den ganzen Vorfall von Anfang bis zu Ende und mit allen Nebenumständen erzählt hatte, nahm nun auch die Gelegenheit wahr, als einst während des Mittagsgottesdienstes wieder [[typ: | + | Eine andere, ebenfalls in jener Gegend wohnende Frau, der die vorige, aus lauter Freude über ihr gehabtes Glück, den ganzen Vorfall von Anfang bis zu Ende und mit allen Nebenumständen erzählt hatte, nahm nun auch die Gelegenheit wahr, als einst während des Mittagsgottesdienstes wieder [[ding: |
| - | Mit Emsigkeit zählt sie hier ihren [[typ:Schatz]] auf vielen Tischen und Bänken auf, nur begierig, zu erfahren, wie viel ihr das sonst so neidische Glück, dem sie nun einmal die gute Stunde abgelauscht hatte, bescheert haben würde. Da aber, als sie im besten Zählen ist, däucht es ihr plötzlich, als ob sie Feuerlärm höre, das ganze Dörfchen scheint in Flammen aufzugehen, daß die Lohe ihr glühendroth an’s Fenster schlägt; in der größten Bestürzung eilt sie plötzlich hinaus, die Gefahr zu untersuchen, | + | Mit Emsigkeit zählt sie hier ihren Schatz auf vielen Tischen und Bänken auf, nur begierig, zu erfahren, wie viel ihr das sonst so neidische Glück, dem sie nun einmal die gute Stunde abgelauscht hatte, bescheert haben würde. Da aber, als sie im besten Zählen ist, däucht es ihr plötzlich, als ob sie Feuerlärm höre, das ganze Dörfchen scheint in Flammen aufzugehen, daß die Lohe ihr glühendroth an’s Fenster schlägt; in der größten Bestürzung eilt sie plötzlich hinaus, die Gefahr zu untersuchen, |
| === VII. === | === VII. === | ||
| - | Der Schatz auf dem Stromberge blieb aber nicht immer daselbst, die ihn bewachenden | + | Der Schatz auf dem Stromberge blieb aber nicht immer daselbst, die ihn bewachenden Geister hielten es einst, vielleicht weil man demselben allmählig zu sehr auf die Spur gekommen war, für nöthig, ihn auf den felsigen Rothstein bei [[geo: |
| - | In nicht geringer | + | In nicht geringer Angst vor dem Berggeiste gaben sie ihm unverzüglich jeder die an seinen Pflug gespannten Ochsen, die zum Glück lauter rothe waren, und holten eiligst aus dem nahen Dorfe noch ein anderes Paar rother Ochsen hinzu, um den Wunsch des Geistes zu erfüllen. Dieser fragte sie hierauf, ob sie die Wegführung des großen Schatzes sehen oder hören wollten, und gab ihnen nicht undeutlich zu verstehen, daß sie Eins von den Beiden sich erwählen müßten. Die beiden Bauern, die sich nicht eben viel Gutes hiervon versprachen, |
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| Zu gewissen Zeiten war aber auf diesem wunderreichen Berge ein Schloß zu sehen, und deutlich beobachtete man dann aus der Ferne, wie dessen Bewohner daselbst ihr Wesen trieben. Niemand aber wagte es so leicht, persönlich dort einen Besuch abzustatten und das Wesentliche jenes Schlosses näher zu untersuchen. Im Gegentheil warnte man einander eher mit bedenklichen Mienen davor, um sich nicht größeren Gefahren auszusetzen, | Zu gewissen Zeiten war aber auf diesem wunderreichen Berge ein Schloß zu sehen, und deutlich beobachtete man dann aus der Ferne, wie dessen Bewohner daselbst ihr Wesen trieben. Niemand aber wagte es so leicht, persönlich dort einen Besuch abzustatten und das Wesentliche jenes Schlosses näher zu untersuchen. Im Gegentheil warnte man einander eher mit bedenklichen Mienen davor, um sich nicht größeren Gefahren auszusetzen, | ||
| - | Dennoch aber geschah es einst, daß ein Bürger aus der jenem Berge benachbarten Stadt [[geo:Löbau]], ohne daß er selbst davon wußte, jenes Schloß und seine Bewohner näher kennen lernte. Die Geschichte, die man sich davon zu erzählen weiß, ist folgende. Vor langer Zeit war einst ein [[typ: | + | Dennoch aber geschah es einst, daß ein Bürger aus der jenem Berge benachbarten Stadt Löbau, ohne daß er selbst davon wußte, jenes Schloß und seine Bewohner näher kennen lernte. Die Geschichte, die man sich davon zu erzählen weiß, ist folgende. Vor langer Zeit war einst ein Schuhmacher aus Löbau in dem etwa zwei Meilen davon entfernten Städtchen Weissenberg zu Markte gewesen, wobei ihn sein Weg am Stromberge vorbeiführte. |
| Als er spät Abends wieder nach Hause kehrte, verirrte er sich im Dunkeln in der Gegend des Berges. Lange schon ohne Weg und Steg im Finstern herumirrend, | Als er spät Abends wieder nach Hause kehrte, verirrte er sich im Dunkeln in der Gegend des Berges. Lange schon ohne Weg und Steg im Finstern herumirrend, | ||
| - | Froh, sich endlich aus der Verlegenheit helfen zu können, suchte er den Eingang, um dort sich eine [[typ:Laterne]] zu borgen, mit deren Hülfe er seine Reise besser und bequemer zu beendigen dachte. Ohne weitere Schwierigkeiten gelangte er in das Zimmer des Schlosses, welches erleuchtet war, und fand darin zwei Herren. Einer saß an einem Tische und schrieb eifrig, was ihm ein Anderer, der mit verschlungenen Armen in der Stube auf- und abging, in die [[typ:Feder]] zu sagen schien. Letzterer redete den Schuhmacher in einem rauhen Tone an und fragte ihn mit kurzen Worten, was er wolle. Dieser erzählte nun seine Geschichte und trug ihm sein Anliegen vor, erhielt aber für jetzt blos die Antwort von ihm, daß er es sich vor der Hand gefallen lassen müßte, 3 Tage und 3 Nächte bei ihnen zu bleiben, und daß es ihm nachgelassen sein solle, sich selbst die Arbeit zu wählen, die er bei ihnen während der Zeit verrichten wolle. | + | Froh, sich endlich aus der Verlegenheit helfen zu können, suchte er den Eingang, um dort sich eine Laterne zu borgen, mit deren Hülfe er seine Reise besser und bequemer zu beendigen dachte. Ohne weitere Schwierigkeiten gelangte er in das Zimmer des Schlosses, welches erleuchtet war, und fand darin zwei Herren. Einer saß an einem Tische und schrieb eifrig, was ihm ein Anderer, der mit verschlungenen Armen in der Stube auf- und abging, in die Feder zu sagen schien. Letzterer redete den Schuhmacher in einem rauhen Tone an und fragte ihn mit kurzen Worten, was er wolle. Dieser erzählte nun seine Geschichte und trug ihm sein Anliegen vor, erhielt aber für jetzt blos die Antwort von ihm, daß er es sich vor der Hand gefallen lassen müßte, 3 Tage und 3 Nächte bei ihnen zu bleiben, und daß es ihm nachgelassen sein solle, sich selbst die Arbeit zu wählen, die er bei ihnen während der Zeit verrichten wolle. |
| - | Der Schuhmacher aber, der so wenig zu dem Einen als zu dem Andern Lust bezeigte, konnte sich zu keiner bestimmten Arbeit entschließen, | + | Der Schuhmacher aber, der so wenig zu dem Einen als zu dem Andern Lust bezeigte, konnte sich zu keiner bestimmten Arbeit entschließen, |
| - | Doch der Schuhmacher, | + | Doch der Schuhmacher, |
| Hiermit zufrieden, verwahrte der Schuhmacher diesen [[lex: | Hiermit zufrieden, verwahrte der Schuhmacher diesen [[lex: | ||
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| Da er seinen Gedanken nach gar nicht lange abwesend geblieben, so war er mit der alten Ordnung der Dinge bald wieder vertraut, nur mit dem Unterschiede, | Da er seinen Gedanken nach gar nicht lange abwesend geblieben, so war er mit der alten Ordnung der Dinge bald wieder vertraut, nur mit dem Unterschiede, | ||
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